Die ersten Tage im neuen Zuhause

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

Die ersten Tage im neuen Zuhause…

Wie ist das eigentlich für einen Welpen zu seiner neuen Familie zu ziehen?

Als Züch­ter habe ich schon oft be­ob­ach­tet, dass die Wel­pen am Um­zugs­tag sehr ge­stresst sind und mit je­dem Wel­pen, der ab­ge­holt wird, plötz­lich im­mer ru­hi­ger wer­den und sich manch­mal so­gar eher ver­ste­cken, weil sie of­fen­bar die Auf­bruchs­stim­mung spü­ren und sie nicht ver­ste­hen was jetzt mit ih­nen pas­sie­ren wird.

In al­ler Herr­gotts­frü­he we­cke ich die Wel­pen, die mich meis­tens schon mit je­der Men­ge Hun­ger be­grü­ßen, denn ich set­ze sie über die Nacht auf Diät, da­mit sie vor Auf­re­gung auf der Fahrt nach Hau­se nicht er­bre­chen oder für klei­ne Kö­nigs­ti­ger müs­sen. Da­nach tra­ge ich sie run­ter in den Kel­ler (spä­tes­tens jetzt er­in­nert sich der ein oder an­de­re, an die vor­an­ge­gan­gen Du­schen und fängt schon auf der Trep­pe an zu me­ckern). Aber jeg­li­cher Pro­test hilft nichts, je­der von ih­nen wird ge­wa­schen und da­nach ab­ge­trock­net und tro­cken ge­föhnt, wäh­rend ich par­al­lel ein Auge auf die im Kel­ler spie­len­den Wel­pen wer­fe und noch den ein oder an­de­ren Un­fall be­sei­ti­ge. Wäh­rend die Wel­pen noch Un­fug trei­ben, tra­ge ich ei­nen nach dem an­de­ren nach oben und set­ze ihn be­reit zur Ab­ho­lung in den be­reits vor­be­rei­te­ten Aus­lauf. Na­tür­lich hat der Wel­pe im­mer noch Hun­ger und pro­tes­tiert, weil er sich un­wohl fühlt und noch leicht feucht ist und zu­dem noch in ei­nem Aus­lauf ein­ge­sperrt ist. Die Mi­nu­ten oder Stun­den, je nach­dem wie schnell ich bin, ver­ge­hen meist mit wei­te­rem Ge­schrei und Pro­test, bis end­lich die ers­te Fa­mi­lie zur Ab­ho­lung be­reit steht.

Die Wel­pen wer­den auf ein­mal von meh­re­ren Fa­mi­li­en be­staunt, ge­strei­chelt und auf ein­mal neh­me ich ei­nen Wel­pen aus dem Aus­lauf, zie­he ihm sei­ne Lei­ne an, tra­ge ihn zum Auto, knud­del ihn noch ein letz­tes Mal und set­ze ihn dann der neu­en Fa­mi­lie auf den Schoss. Plötz­lich ist es pas­siert: Der Wel­pe fin­det sich bei ei­ner für ihn frem­den Per­son wie­der, in ei­nem völ­lig frem­den Auto, mit frem­den Stim­men, Ge­rü­chen und Ge­räu­schen. Meis­tens wird dann erst­mal das Han­dy ge­zückt, um den Mo­ment des Er­halt des Wel­pen his­to­risch fest­zu­hal­ten und alle So­zi­al Me­dia Freun­den an sei­ner Freu­de teil­ha­ben zu las­sen. Das Auto geht an, es schau­kelt und rum­pelt und ein letz­ter Blick des Wel­pen er­hascht mich und auf geht die Fahrt ins Un­ge­wis­se. Weg ist die Mama und die Ge­schwis­ter und ich gehe mal da­von aus, die Zieh­ma­ma wird ih­nen auch fehlen.

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Nach­zuch­ten mit ih­ren glück­li­chen Besitzern

Manch­mal ver­sucht der Wel­pe sei­nen Un­mut durch Pro­test kund zu tun, schläft dann aber meist völ­lig er­schöpft ein, bis er dann im neu­en Zu­hau­se wie­der wach wird.

Vol­ler Stolz wird der Wel­pe aus dem Auto ge­ho­ben (fast so wie in Kö­nig der Lö­wen) und mit et­was Glück di­rekt in den Gar­ten ge­bracht. Meist steht aber schon der ein oder an­de­re neu­gie­ri­ge Nach­bar be­reit, denn na­tür­lich weiß in­zwi­schen der gan­ze Stra­ßen­zug Be­scheid, dass da bald ein neu­es klei­nes sü­ßes Fell­kneul bei euch einzieht.

Wenn es also ganz schlecht läuft, wird der Wel­pe von neu­gie­ri­gen Nach­barn und Freun­den be­reits emp­fan­gen, an­ge­fasst und ich hät­te ja schon fast ge­sagt ein Bus­si auf­ge­drückt, bis er dann end­lich halb­wegs in Ruhe im Gar­ten an­kom­men darf. Der Wel­pe wird also auf den Ra­sen ge­setzt und be­wun­dert und be­ob­ach­tet. Die Kin­der brin­gen schon die ers­ten Spiel­sa­chen und Kno­chen und we­deln da­mit vor der Nase des Wel­pen her­um. Der Wel­pe fin­det sich plötz­lich auf frem­dem Ter­ri­to­ri­um wie­der und tas­tet sich vor­sich­tig vor­an. Hier ra­schelt es, dort zwit­schert ein Vo­gel, Nach­bars Kat­ze streift durch den Gar­ten, dort fliegt ein Blatt. Vor­sich­tig er­kun­det der Wel­pe sein neu­es Zu­hau­se und mus­tert die Men­schen, die um ihn her­um­ste­hen und bei je­der Be­we­gung in Ent­zü­ckungs­ex­ta­se verfallen.

Wenn der Ba­by­hund sein Ge­schäft dann ver­rich­tet hat, hüp­fen die Men­schen vor Freu­de und fei­ern re­gel­recht eine Par­ty, schnap­pen den Wel­pen und tra­gen ihn nach drin­nen in die Woh­nung. Hier be­ginnt das Pro­ze­de­re nun von vor­ne. Vati holt die Vi­deo­ka­me­ra und Mut­ti bringt noch schnell die Fuß­mat­ten in Si­cher­heit. Die Kin­der fol­gen dem Wel­pen (ich will nicht sa­gen: scheu­chen den Wel­pen) durch die Woh­nung und be­ob­ach­ten was er tut. Nach­dem der Wel­pe nun auch sei­ne neue Be­hau­sung be­gut­ach­tet hat und die ein oder an­de­re Ta­pe­te, Steck­do­se oder Gar­di­ne ins Maul ge­nom­men hat, wird ihm nun die ers­te Mahl­zeit serviert.

Vor lau­ter Auf­re­gung rührt der Wel­pe meist sein Fut­ter nicht an und sucht sich eher ei­nen ru­hi­gen Ort un­term Tisch, Stuhl oder dem Sofa, um sich von der An­stren­gung zu er­ho­len. Die Men­schen, völ­lig ver­wun­dert und in der Sor­ge, der arme Wel­pe muss doch was fres­sen (”sonst stirbt er…”), lau­fen dem Wel­pen also mit dem Napf hin­ter­her und hal­ten ihn dem Wel­pen im­mer wie­der un­ter die Nase, ver­su­chen ihm Bröck­chen aus der Hand an­zu­bie­ten, bis dann ei­ner auf die Idee kommt, hohl doch mal die Le­cker­lis… Der Wel­pe mus­tert sei­ne neu­en Zieh­el­tern und denkt sich: Also wenn die so ei­nen Auf­stand um das Fut­ter ma­chen, dann ist das doch ga­ran­tiert nicht für mich, da soll­te ich ganz vor­sich­tig sein und de­nen nicht ihr Fut­ter wegessen…

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Nach­zuch­ten mit ih­ren glück­li­chen Besitzern

Tag 1: Abholtag

Schritt 1: Ankommen lassen

Wie du ge­ra­de in mei­ner klei­nen Ge­schich­te ge­le­sen hast, ist der Um­zug ins neue Zu­hau­se dei­nes Wel­pen mit sehr viel Stress ver­bun­den. Vie­le Wel­pen re­agie­ren auch be­reits mit Stres­sym­pto­men wie Schluck­auf, Er­bre­chen oder sich in die Pfo­ten und Rute beis­sen. Je län­ger der Wel­pe also ge­stresst ist, des­to schlech­ter für dich und dei­nen Hund. Du soll­test also dei­nem Wel­pen Zeit ge­ben sich an sein neu­es Zu­hau­se und dich als neue Be­zugs­per­son zu gewöhnen.

Ich habe mitt­ler­wei­le das Ge­fühl, dass die neu­en Wel­pen­fa­mi­li­en be­reits (zu recht) eine Bin­dung zu ih­rem Wel­pen durch die vie­le Fo­tos und Vi­de­os zu ih­rem Wel­pen auf­ge­baut ha­ben und of­fen­bar der Mei­nung sind, der Wel­pe kennt sie ge­nau­so gut, wie sie ihn, so kommt es, dass der Wel­pe meist schon 2 Tage nach Ab­ho­lung den Freun­den vor­ge­stellt wird oder der ers­te Aus­flug ge­macht wird.

Dem ist aber nicht so, der Wel­pe hat euch bis­her ein oder zwei Mal ge­se­hen und hat da­zwi­schen noch vie­le an­de­re Men­schen ken­nen ge­lernt. Er weiß also gar nicht rich­tig wer ihr denn über­haupt seid. Auch sein neu­es Zu­hau­se er­kun­det er erst Stück für Stück. Ihr wisst be­reits 120qm, 2 Eta­gen, Wohn­zim­mer, Ess­zim­mer, Kü­che, Flur, Gar­ten, so oder so ähn­lich. Als Mensch ist ein neu­es Zu­hau­se recht ein­fach zu über­bli­cken. Der Wel­pe ist klein, er er­kun­det sein Zu­hau­se Stück für Stück und schaut sich all die neu­en Ge­gen­stän­de ge­nau und in Ruhe an. Vie­le Din­ge und Ge­gen­stän­de wie z.B. Va­sen, Sta­tu­en, Zim­mer­pflan­zen und so wei­ter hat der Wel­pe in sei­nem Le­ben noch nie ge­se­hen und sind völ­li­ges Neu­land für ihn. Auch die Ge­rü­che und frem­den Ge­räu­sche über­for­dern ihn. Er weiß nicht, ob die Ge­gen­stän­de ihm gut ge­son­nen sind oder ob die ihn plötz­lich an­grei­fen könn­ten. Er muss also sei­nen gan­zen Mut zu­sam­men neh­men und sich durch Tü­ren trau­en und Trep­pen er­klim­men und all das macht müde. Euer Wel­pe schafft also im­mer nur klei­ne Be­rei­che auf ein­mal zu er­kun­den und braucht ein paar Tage bis er sich in sei­nem neu­en Zu­hau­se auskennt.

Wel­pen re­agie­ren oft auf Stress mit Durch­fall und teil­wei­se auch Er­bre­chen. Wenn dein Wel­pe also kurz nach der Ab­ga­be wei­che­ren Kot oder Durch­fall hat, soll­test du erst­mal ent­spannt blei­ben und die Sa­che gut be­ob­ach­ten. Erst wenn sich der Durch­fall nach 2 Ta­gen nicht legt, soll­test du dei­nen Züch­ter oder ei­nen Tier­arzt zur Rate ziehen.

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Nach­zuch­ten im neu­en Zuhause

Schritt 2: Ruheort etablieren

Mit ei­nem Aus­sie hast du dir ei­nen sehr ak­ti­ven, neu­gie­ri­gen Hund in dein Zu­hau­se ge­holt. Aus­sies sind von Na­tur aus oft nicht müde zu be­kom­men, da­her ist es wich­tig, dass sich dein klei­ner Wel­pe nicht über­for­dert. Du soll­test für ihn also ei­nen Ru­heort eta­blie­ren, in dem er die Er­leb­nis­se des Ta­ges ver­ar­bei­ten kann und wirk­lich zur Ruhe kommt.

Dazu bie­tet sich eine Hun­de­box an, da man bei ihr die Türe schlie­ßen kann und der Hund sich in ei­ner Höh­le, die viel­leicht et­was ab­ge­dun­kelt wird, wohl fühlt. Ein Aus­lauf hin­ge­gen ist oben of­fen und bie­tet meist zu viel Platz und Un­ru­he, so dass dein Wel­pe sich nicht aus­ru­hen kann. Soll­test du ei­nen Aus­lauf nut­zen wol­len, dann emp­feh­le ich dir zu­min­dest auf etwa 30cm Höhe Ple­xi­glas­schei­ben an dem Git­ter zu be­fes­ti­gen (geht ganz leicht mit Ka­bel­bin­dern), weil Wel­pen ger­ne an den Git­tern kau­en und sich so Zäh­ne ab­bre­chen oder mit dem Kie­fer dort hän­gen blei­ben. Sel­bes Ri­si­ko be­steht auch bei ei­nem Draht­kä­fig, da­her ist der für Wel­pen auch nicht zu empfehlen.

Set­ze dei­nen Wel­pen mög­lichst zeit­nah nach An­kunft, nach­dem er al­les er­kun­det hat und müde wird, di­rekt in die Box. Je mü­der und er­schöpf­ter dein Wel­pe ist, des­to hö­her ist die Chan­ce, dass er ohne gro­ßes Ge­schrei und Pro­test auf­gibt und sich zum Schla­fen in der Box hinlegt.

Wenn dein Wel­pe die Chan­ce hat vor­her aus­ser­halb der Box zu schla­fen, dann hat er wie­der er­neut Kraft sich so rich­tig rein­zu­stei­gern und du wirst es be­reu­en ihn au­ßer­halb schla­fen ge­las­sen zu ha­ben ;-). Des­halb: mü­der Wel­pe di­rekt ab in die Box, dann hast du schon den ers­ten Schritt zum Bo­xen­trai­ning geschafft.

Wie­der­ho­le die­se Übung so oft wie mög­lich mehr­mals am ers­ten Tag. Je schnel­ler der Hund die Box ak­zep­tiert hat, des­to ent­spann­ter für euch bei­de und des­to ru­hi­ger wird auch die ers­te Nacht. Das Ziel soll­te sein, dass ihr den Hund abends zum Schla­fen in die Box set­zen könnt, und er ohne Pro­test schla­fen geht. (Na­tür­lich ist die Box­ge­wöh­nung im­mer mit ge­schlos­se­ner Tür ge­meint :D!)

Es wird ein bis zwei Tage dau­ern bis dein Wel­pe die Box ak­zep­tiert hat und dan­kend an­ge­nom­men hat. Also durch­hal­ten und dran bleiben!

”Wann soll ich den Wel­pen wie­der raus las­sen?” – Wenn du Glück hast und er schläft so­fort, erst wenn er wie­der wach wird, an­sons­ten musst du war­ten bis der Wel­pe ru­hig wird und auf­hört zu protestieren.

Bei man­chen Wel­pen muss man qua­si ein Ein­at­men ab­war­ten, weil die sich sehr rein­stei­gern und über meh­re­re Stun­den pro­tes­tie­ren können.

Ich wür­de den Wel­pen nicht län­ger als 2h schrei­en las­sen, dann stimmt meist was in der Futter‑, Was­ser- oder Ent­sor­gungs­ver­sor­gung nicht.

Schritt 3: Fütterung

Die Wel­pen sind am ers­ten Tag meist sehr auf­ge­regt und da­her ist es nicht un­ge­wöhn­lich, wenn sie das Fut­ter ver­wei­gern oder nur zö­ger­lich an­neh­men. Es kann hel­fen das Fut­ter auf den Bo­den zu streu­en oder noch bes­ser di­rekt in der Box an­zu­bie­ten und die Bo­xen­tür von Au­ßen zu­zu­hal­ten und ab­zu­war­ten bis der Wel­pe ge­fres­sen hat. Durch die Box ist der Wel­pe oft we­ni­ger ab­ge­lenkt und kann sich eher auf das Fut­ter kon­zen­trie­ren. Au­ßer­halb der Box läuft oft eine an­de­re Per­son durchs Zim­mer oder der Wel­pe er­späht et­was an­de­res in­ter­es­san­tes oder hört ein Ge­räusch und ver­gisst dann das Futter.

Wenn du dich zu sehr mit dem Fut­ter be­schäf­tigst und im­mer wie­der ”bit­te, bit­te” machst, dann wird der Wel­pe erst recht miss­trau­isch und ist sich nicht mehr si­cher, ob das Fut­ter über­haupt für ihn be­stimmt ist. Er denkt dann näm­lich die Nah­rung ge­hört dir und wird das Fut­ter, wenn nur in dei­ner Ab­we­sen­heit an­rüh­ren, weil er kei­nes­falls mit dir Är­ger ris­kie­ren möch­te. Da­her nicht zu viel dar­um bet­teln, dass der Wel­pe doch bit­te fres­sen möge. Son­dern eine ge­wis­se Zeit (ma­xi­mal 5 Mi­nu­ten) dem Wel­pen Zeit las­sen zu fres­sen. Hat er dann nicht be­gon­nen zu fres­sen, dann hat der Wel­pe für jetzt ge­fres­sen und du bie­test ihm das Fut­ter erst wie­der zur nächs­ten Füt­te­rung an. Meint er dann im­mer noch nicht fres­sen zu wol­len, dann wie­der­holt sich das Spiel­chen, so lan­ge bis der Hun­ger siegt 😉

Bit­te, bit­te mach am An­fang nicht den Feh­ler und bie­te dem Wel­pen ge­ne­rell ein an­de­res Fut­ter an und ”ver­fei­ne­re” das Tro­cken­fut­ter nicht mit Jo­ghurt oder Hüt­ten­kä­se. Du ziehst dir so ei­nen mä­ke­li­gen Fres­ser her­an. Der Wel­pe fin­det sich mo­men­tan in dein Ru­del ein und sucht dort sei­ne Po­si­ti­on, wenn du ihm nun im­mer et­was le­cke­res / bes­se­res prä­sen­tierst, fühlt sich der klei­ne Wel­pe wie King Kong per­sön­lich und da Aus­sies so in­tel­li­gent sind, wird er ab­war­ten, ob du nicht noch ein Blatt Pe­ter­si­lie oben drauf le­gen möch­test, be­vor er sich dann doch dazu her­ab lässt, das Fut­ter zu fressen.

Bit­te ver­wöh­ne den Wel­pen auch nicht di­rekt mit Le­cker­lis und Kau­ar­ti­keln. Ein viel­leicht eh durch den Um­zugs­stress an­ge­schla­ge­ner Ma­gen- / Darm­trakt wird mit Durch­fall auf an­de­res Fut­ter re­agie­ren. Und dann ist es für den Züch­ter oder ei­nen Tier­arzt schwer ein­zu­schät­zen, wo­her der Durch­fall kommt.

Du soll­test dei­nen Wel­pen üb­ri­gens 2 bis 3 Mal am Tag füt­tern (das soll­te sich in dei­ne Le­bens­si­tua­ti­on ein­fü­gen, denn be­den­ke nach je­der Füt­te­rung muss der Wel­pe auch ein Häuf­chen ab­set­zen). Die Ge­samt­fut­ter­men­ge bei Rei­co Ju­ni­or be­trägt am An­fang 220g. Mei­ner Er­fah­rung nach soll­ten die Wel­pen aber mehr Fut­ter zur Ver­fü­gung ha­ben, da sie sehr ak­tiv sind und auch für ihr Wachs­tum viel En­er­gie be­nö­ti­gen, da­her bie­te den Wel­pen ru­hig ei­nen vol­len Napf an und lass ihn so viel fres­sen, wie er möch­te. Da­nach muss das Fut­ter na­tür­lich wie­der weg­ge­stellt wer­den und soll­te nicht zur frei­en Ver­fü­gung stehen.

(Er­wach­se­ne) Hun­de kön­nen 7–14 Tage ohne Nah­rung über­le­ben. Was­ser soll­te aber im­mer vor­han­den sein.

Du musst dir kei­ne Sor­gen ma­chen, falls dein Wel­pe ein oder zwei Tage nicht gut frisst. Der Hun­ger wird das Pro­blem ir­gend­wann re­geln, so lan­ge du ihm nicht Le­cker­lis und Kno­chen an­bie­test, also qua­si Sü­ßig­kei­ten an­statt sei­ner Hauptnahrung.

Des­we­gen gilt auch hier wie bei der Box: Durch­hal­ten und den län­ge­ren He­bel haben!

Schritt 4: Klo ist draußen

So viel schon ge­le­sen und wir sind im­mer noch beim ers­ten Tag… ganz schön viel, was der Wel­pe am ers­ten Tag al­les ler­nen muss und du na­tür­lich auch. Als letz­ten Schritt für die­sen Tag ver­su­chen wir dem Wel­pen klar zu ma­chen, dass sei­ne Toi­let­te nicht auf dem Flo­ka­ti in Ma­mas Wohn­zim­mer ist, son­dern drau­ßen auf dem Ra­sen oder in ei­ner da­für vor­ge­se­hen Ecke.

Emp­feh­lens­wert ist eine Hun­ter Re­trie­ver Lei­ne, weil die­se nur schnell um den Hals ge­wor­fen wer­den muss und der Wel­pe so an­ge­leint ist und man nicht erst ein Hals­band an den Hund fum­meln muss oder den Ka­ra­bi­ner für die Lei­ne su­chen muss. Du wirst nicht die Zeit ha­ben dich erst an­zu­zie­hen oder dem Wel­pen das Hals­band oder das Ge­schirr an­zu­le­gen, wenn dein Wel­pe das Be­dürf­nis hat sei­ne Bla­se zu leeren.

Bie­te dem Wel­pen zu Be­ginn ei­nen ru­hi­gen Ort als Toi­let­te an z.B. ei­nen Gar­ten. Wenn du in ei­ner Woh­nung wohnst, wirst du drau­ßen frem­de Leu­te, Au­tos, an­de­re Hun­de etc. tref­fen. Die­se len­ken den Wel­pen ers­tens ab und zwei­tens stres­sen all die Rei­ze ihn. Er­geb­nis wird der Hau­fen in dei­ner Woh­nung sein, weil der Wel­pe völ­lig ver­ges­sen hat, wie­so er ei­gent­lich drau­ßen war. Wenn du ei­nen si­cher um­zäun­ten Gar­ten oder ei­nen ge­si­cher­ten Bal­kon mit Wel­pen­toi­let­te hast, brauchst du nicht mal eine Lei­ne an­le­gen. Nor­ma­ler­wei­se kom­men die Wel­pen nach ih­ren Ge­schäft auch wie­der mit rein.

Wenn dein Wel­pe sich drau­ßen er­leich­tert, soll­test du dich rich­tig freu­en (so, dass alle Nach­barn den­ken, du hast ein Rad ab…), da­mit der Wel­pe lernt, dass es ganz be­son­ders toll ist, wenn er drau­ßen macht. Zu­sätz­lich soll­test du das uri­nie­ren und ko­ten mit Kom­man­dos wie z.B. ”geh pie­seln” oder ”mach Hau­fen” be­le­gen, in dem du den Hund dazu im­mer wie­der auf­for­derst, so lernt er spä­ter sich auf Kom­man­do auch an un­be­kann­ten Or­ten zu lösen.

Schritt 5: Nacht vorbereiten

Da­mit du nachts mög­lichst viel schla­fen kannst (was in der ers­ten Nacht ver­mut­lich eh nicht der Fall ist), wür­de ich emp­feh­len 2h nach letz­ter Füt­te­rung, also so ab 18:00 / 19:00 Uhr das Was­ser weg zu stel­len. Wenn der Wel­pe nichts mehr trin­ken kann, muss er folg­lich auch nicht so oft uri­nie­ren. Ab 2h nach Füt­te­rung des­halb, weil dann das meis­te Was­ser auf­ge­nom­men wird, wenn der Hund mit Tro­cken­fut­ter ge­füt­tert wird. Wel­pen nei­gen zu­dem dazu aus Über­sprungs­hand­lung zu trinken.

Du soll­test au­ßer­dem mög­lichst an­ge­zo­gen ne­ben dem Wel­pen auf dem Sofa in der Nähe des Gar­tens schla­fen, da­mit du nur noch auf­ste­hen und den Wel­pen raus­las­sen musst, wenn er sich mel­det. Wenn du dich erst an­zie­hen musst, hat der Wel­pe sein Ge­schäft schon er­le­digt. Also so­bald der Wel­pe sich mel­det, wach wer­den und ihn raus las­sen, hat er ge­macht dann lo­ben und schnur­stracks wie­der rein und ab in die Box und wei­ter schla­fen. Nicht zu ei­nem Spiel oder ei­ner Ein­fang­ak­ti­on ver­lei­ten las­sen (da­her nachts bes­ser Lei­ne dran), sonst meint der Wel­pe nachts im­mer spie­len zu kön­nen und er soll ja ler­nen nachts ru­hig zu sein und zu schla­fen. Nor­ma­ler­wei­se müs­sen mei­ne Wel­pen so 2 bis 3 Mal die Nacht raus, also etwa alle 2 Stunden.

Bit­te mach bloß nicht den Feh­ler und stell dir ei­nen We­cker, der Wel­pe soll nicht trai­niert wer­den zu be­stimm­ten Zei­ten auch nachts zu müs­sen. Wenn der Wel­pe sich öf­ters mel­det kann es manch­mal auch sein, dass er ein­fach nur nach­fragt, ob. noch je­mand da ist, da reicht es dann die Hand kurz vor die Box zu hal­ten und zu mur­meln ”schlaf wei­ter”. Soll­te sich der Wel­pe dann nicht be­ru­hi­gen und wei­ter jam­mern oder sich sonst ir­gend­wie be­merk­bar ma­chen, muss er wohl doch raus ge­las­sen werden.

Aus­sies sind zu­dem so in­tel­li­gent, dass sie schnell mer­ken, dass sie mit be­stimm­ten Jam­mer­tö­nen raus ge­las­sen wer­den, da­her nicht wun­dern, wenn der Wel­pe ge­lernt hat, dass er raus kommt, aber dann gar nicht muss.

Wenn du drau­ßen eine Was­ser­stel­le hast, soll­test du da­für sor­gen, dass der Wel­pe nachts nicht wie­der er­neut trinkt, sonst muss er na­tür­lich öf­ter raus. (Blu­men­töp­fe, Tei­che all so­was sind be­lieb­te Trink­stel­len, die man schnell ver­gisst, also vor der Nacht ein­mal den Gar­ten che­cken, wo Trink­was­ser zu ho­len wäre).

Wenn Wel­pen wirk­lich zur Toi­let­te müs­sen, dann ver­hal­ten sie sich meist re­la­tiv ruhig.

Das Jam­mern ist klar vom Ran­da­le Jam­mern mit in der Box um­her­sprin­gen zu un­ter­schei­den. Vie­le Wel­pen krat­zen auch an der Tür oder lau­fen ein­fach nur im Kreis. Du musst also die An­zei­chen erst er­ken­nen ler­nen, da sie bei je­dem Wel­pen in­di­vi­du­ell sind.

Tag 2: Beziehung aufbauen

Schritt 1: Gelerntes festigen

Mei­ne Güte so viel und al­les be­reits an Tag 1. Du wirst wahr­schein­lich nach der ers­ten Nacht ziem­lich ge­rä­dert sein, wäh­rend dein Wel­pe nur so vor En­er­gie strotzt.

Er­fah­rungs­ge­mäß sind die Wel­pen am 2. Tag mu­ti­ger und vor al­lem mun­te­rer, da­her ist es nicht ver­wun­der­lich, wenn sie jetzt bei der Bo­xen­übung noch mal rich­tig Gas ge­ben und ver­su­chen, ob sie ih­ren Kopf nicht durch­krie­gen. Be­son­ders laut kön­nen die Wel­pen am mor­gen wer­den, weil sie nun die meis­te En­er­gie ha­ben und die­se ger­ne los wer­den möchten.

Da­her: Dran blei­ben und durch­hal­ten, bzw. den Wel­pen mor­gens erst mal müde ma­chen, dazu gleich mehr.

Mach wei­ter mit den re­gel­mäs­si­gen Bo­xen­zei­ten und set­ze auch wei­ter­hin die Füt­te­rungs­zei­ten durch. Wahr­schein­lich hat dein Wel­pe heu­te mehr Hun­ger und wird das Fut­ter wahr­schein­lich eher an­rüh­ren, wenn nicht, dann spä­tes­tens an Tag 3. An­sons­ten ver­rin­ge­re die Füt­te­rungs­zei­ten auf nur noch 2 oder so­gar nur noch 1 Mal pro Tag. Man­che Wel­pen wol­len nicht 3 Mal am Tag fressen.

Heu­te Abend soll­test du so­weit sein, dass dein Wel­pe die Box ak­zep­tiert hat und ger­ne dar­in schläft oder ruht. Üb­ri­gens be­ob­ach­ten Wel­pen aus der Box her­aus, wie sich sei­ne neu­en Be­zugs­per­so­nen ver­hal­ten. Dem Wel­pen wird schnell klar sein, wer der ”An­füh­rer” sei­nes neu­en Ru­dels ist und wem er ver­trau­en kann und wer eher we­ni­ger ver­trau­ens­wür­dig er­scheint. Wel­pen ler­nen also auch, wäh­rend sie in der Box ein­ge­sperrt sind.

Schritt 2: Namen lernen

Den mor­gend­li­chen Über­mut dei­nes Wel­pen kannst du zum Trai­ning nut­zen (gut, das kann auch schon mal um 5 Uhr mor­gens sein, aber hey will­kom­men im Le­ben ei­nes Hun­de­hal­ters). Be­waff­ne dich mit ein paar Fut­ter­bro­cken (ja Fleisch­wurst oder Käse was sonst :D) und lo­cke den Wel­pen zu dir. Wenn er kommt, Le­cker­li rein und wei­ter gehts. Du kannst die Übung auch gut mit ei­nem Part­ner ma­chen und den Wel­pen im­mer wie­der zwi­schen euch hin und her lau­fen las­sen, aber Ach­tung Aus­sies ver­ste­hen die Übung schnell und wer­den ir­gend­wann ein­fach lau­fen, auch wenn nie­mand ge­ru­fen hat, dann muss na­tür­lich die an­de­re Per­son wie­der ru­fen, bei dem der Wel­pe ge­ra­de nicht ist.

Wie­der­ho­le die­se Übung ein paar Mal (ca. 5–10 Mal ma­xi­mal), dann soll­te dein Wel­pe sich wie­der in der Box aus­ru­hen dürfen.

Yellowstone Australian Shepherds Yel­low­stone Aus­tra­li­an Shepherds 

Schritt 3: Spielen

Als ob du nicht schon an Tag 1 mit dei­nem Wel­pen ge­spielt hast, aber das über­hö­re ich jetzt ein­fach mal 🙂 Na­tür­lich möch­te der Wel­pe nun auch be­schäf­tigt wer­den und du möch­test auch mit ihm interagieren.

Wich­tig ist, dass du die rich­ti­ge Zeit und Stim­mung ab­passt. Wenn dein Wel­pe to­tal über­mü­tig und auf­müp­fig ist, wird er sich un­ger­ne strei­cheln las­sen. In Spiel­lau­ne ist er eher mor­gens, aber auch da musst du auf­pas­sen, dass er nicht zu über­mü­tig wird und dir in die Fin­ger beisst, da­her nicht zu hek­tisch und wild mit ihm spie­len und ein mög­lichst gro­ßes Spiel­zeug bzw. Spiel­tau ver­wen­den, so ist das Ri­si­ko ge­rin­ger die Zäh­ne in die Fin­ger zu bekommen.

Das Spiel soll­te nicht so wild wer­den, dass der Wel­pe wie ver­rückt am Spiel­zeug zerrt und da­bei knurrt. Soll­te das pas­sie­ren, ein­fach das Spiel­zeug los las­sen und sa­gen, ”dann spiel doch al­lei­ne”, auf­ste­hen und ge­hen. Der Wel­pe wird ver­wun­dert das Spiel­zeug fal­len las­sen und dir wahr­schein­lich fol­gen und ler­nen, dass bei ei­nem sol­chen Ver­hal­ten das Spiel dei­ner­seits be­en­det wird.

Geh das Spiel lie­ber et­was ru­hi­ger an und wirf das Spiel­zeug ei­nen hal­ben Me­ter weg und freue dich, wenn der Wel­pe hin­ter­her springt und es vllt so­gar ins Maul nimmt. Wenn du die­ses Ver­hal­ten po­si­tiv be­stärkst, sind die ers­ten Grund­stei­ne zum Ap­por­tie­ren ge­legt. Du kannst auch ru­hi­ge­re Zerr­spie­le mit ihm ma­chen, aber das soll­te in Ma­ßen und do­siert stattfinden.

Wie heißt es im­mer so schön, wenn es am schöns­ten ist, soll man auf­hö­ren (näm­lich dann be­vor der Wel­pe wie­der völ­lig über­dreht und un­ge­stüm wird). Nach etwa 5 Mi­nu­ten Spiel­ses­si­on soll­te der Wel­pe wie­der schla­fen ge­legt werden.

Schritt 4: Streicheln

In Strei­chell­au­ne ist dein Wel­pe eher nach­mit­tags oder abends, weil er dann schon ge­nug Be­we­gung und Ak­ti­on ge­habt hat. Set­ze dich ru­hig zu ihm und strei­chel ihn ein­fach. Man­che Wel­pen set­zen sich zu dir auf den Schoss. Hilf­reich ist even­tu­ell dem Wel­pen vor­her ein Spiel­zeug oder ei­nen Kno­chen zu ge­ben, da­mit sie ”be­schäf­tigt” sind und dir nicht in die Hand beissen.

Ziel ist es aber ei­gent­lich, dass der Wel­pe sich mit dir be­schäf­tigt und das Krau­len ge­nießt, an­statt ein Spiel­zeug oder ei­nen Kno­chen dir vorzuziehen.

Soll­te der Wel­pe nicht in Strei­chell­au­ne sein, oder ge­ne­rell nicht ger­ne ge­strei­chelt wer­den, weil er lie­ber durch die Ge­gend rennt, soll­test du das ak­zep­tie­ren und zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt noch mal versuchen.

Beim Strei­cheln kannst du dei­nen Wel­pen auf den Rü­cken le­gen (z.B. auf dei­nen Schoss oder wie ein Baby in den Arm le­gen) und ihn dann so lan­ge fest­hal­ten und ihm den Bauch krau­len, bis er still lie­gen bleibt. Auf­pas­sen nicht beis­sen las­sen! So lernt dein Wel­pe gleich, dass ihn Pro­test nicht wei­ter bringt und er still­hal­ten muss, wenn er sich wie­der um­dre­hen möchte.

Das Still­hal­ten kön­nen kann spä­ter mal beim Tier­arzt oder bei an­de­ren me­di­zi­ni­schen Be­hand­lun­gen, die du sel­ber durch­führst, hilf­reich und wich­tig sein. Hun­de die rum­ham­peln sind auch nicht Tier­arzt­s­lieb­ling 🙂 Ein Tier­arzt­be­such ist so für alle be­tei­lig­ten stress­arm und wird zur po­si­ti­ven Er­fah­rung für dei­nen Hund.

Schritt 5: Grenzen setzen

Dein Wel­pe lernt dich nun ken­nen und soll­te ab dem ers­ten Tag Gren­zen ge­setzt be­kom­men. Du ent­schei­dest in wel­chen Raum der Wel­pe darf (sind z.B. Bad und Schlaf­zim­mer tabu oder nicht?), darf der Wel­pe aufs Sofa oder in die Kü­che? Be­sprich also vor­her mit dei­ner Fa­mi­lie, wel­che Re­geln für den Wel­pen gel­ten soll­ten. Wich­tig ist es die­se Re­geln ein­stim­mig durch­zu­set­zen. Bei Mama oder Papa dür­fen nicht an­de­re Re­geln gel­ten als bei den Kin­dern, sonst wird der Aus­sie die­se Chan­cen ganz schnell er­ken­nen und für sich nutzen.

Als Richt­wert gilt: Was der er­wach­se­ne Hund nicht darf, soll­te auch ein Wel­pe nicht dür­fen. Im­mer wie­der be­ob­ach­te ich, dass Wel­pen z.B. mit Schu­hen oder So­cken spie­len dür­fen und mich wun­dert es dann nicht, wenn auch der er­wach­se­ne Hun­de ger­ne Schu­he zerkaut.

Des­we­gen di­rekt von An­fang an Kau­en an Mö­beln, Tisch­bei­nen oder Tex­ti­li­en un­ter­bin­den, in dem du laut und be­stimmt ”Nein” sagst und den Wel­pen weg­setzt (bei mei­nen Wel­pen muss das durch­aus en­er­gisch er­fol­gen, die las­sen sich oft nicht leicht be­ein­dru­cken). Auch der Schnau­zen­griff kann eine Me­tho­de sein, dem Wel­pen bei­zu­brin­gen, dass die­ses Ver­hal­ten jetzt nicht er­wünscht ist. Bes­ser ist es den Kaud­rang des Wel­pen auf ein Spiel­zeug umzulenken.

Auch das Beis­sen oder Krat­zen in mensch­li­che Haut soll­te ab­so­lut ver­bo­ten sein, du möch­test spä­ter nicht die Zäh­ne ei­nes er­wach­se­nen Hun­des an dei­nem Arm spü­ren, da­her bit­te nicht die Fin­ger ins Mäul­chen ste­cken oder den Wel­pen zur Be­ru­hi­gung an der Hand kau­en las­sen. Die Hand weg­neh­men, deut­lich nein oder aua sa­gen und den Wel­pen kurz igno­rie­ren, dann wei­ter strei­cheln oder spie­len (oder halt mit dem Schnau­zen­griff kor­ri­gie­ren). Sei nicht nach­tra­gend oder ein­ge­schnappt, Hun­de sind das un­ter­ein­an­der auch nicht!

Wich­tig zu wis­sen ist, dass Kor­rek­tu­ren nur funk­tio­nie­ren, wenn der Wel­pe da­für noch emp­fäng­lich ist, also nicht zu auf­ge­dreht ist. Wenn der Wel­pe be­reits zu über­dreht ist und längst hät­te wie­der schla­fen ge­musst, dann wird er sich nicht mehr kor­ri­gie­ren las­sen und er­neut sein Fehl­ver­hal­ten zei­gen. Weg­schub­sen ani­miert den Wel­pen üb­ri­gens eher zum Spiel, als dass es Ver­hal­ten korrigiert.

Der Schnau­zen­griff ist eine Me­tho­de, die dem na­tür­li­chen Hun­de­ver­hal­ten nach­ge­ahmt ist. Die Hün­din greift dem Wel­pen über den Kopf oder über die Schnau­ze und schupst die Wel­pen so zur Sei­te oder hält so lan­ge fest, bis der Wel­pe quietscht und aufgibt.

Wir ver­su­chen also mit Zei­ge­fin­ger und Dau­men seit­lich über den Fang zu grei­fen und da­bei et­was zu­zu­drü­cken. Mit der In­ten­si­tät musst du dich et­was her­an­tas­ten, bis du weißt wie stark, dein Wel­pe ger­ne kor­ri­giert wer­den möch­te. Wenn er quietscht, war die Kor­rek­tur richtig.

Tag 3: Körperpflege

Schritt 1: Körperstellen berühren

Da­mit dein Hund dir ver­traut und du auch ihm ver­trau­en kannst, soll­test du un­be­dingt üben ihn an jeg­li­chen Kör­per­stel­len be­rüh­ren zu kön­nen. Am bes­ten be­legst du die Hand­lun­gen wie­der mit Kom­man­dos wie Au­gen, Oh­ren, Zäh­ne etc. Soll­te sich dein Hund spä­ter auf ei­nem Spa­zier­gang ver­letz­ten oder et­was ins Maul neh­men, was du nicht möch­test, ist es gut, wenn der Hund sich an­fas­sen und sich von dir hel­fen lässt. Ich hat­te z.B. schon Jung­hun­de, die sich ein Stück Ast oder Kno­chen quer im Kie­fer ein­ge­klemmt hat­ten oder die Kno­chen­stü­cke an den Ba­cken­zäh­nen ver­hakt hatten.

Du soll­test also ohne Pro­ble­me in die Oh­ren und Au­gen dei­nes Hun­des schau­en kön­nen. Rei­be auch ru­hig ein biss­chen in den Oh­ren her­um, da­mit der Wel­pe auch lernt sich die Oh­ren rei­ni­gen zu las­sen. Auch die Zäh­ne soll­ten ge­ra­de wäh­rend des Zahn­wech­sels gut über­wacht wer­den, da Zäh­ne manch­mal nicht von al­lei­ne aus­fal­len und dann dop­pel­rei­hig wach­sen und so­mit zu ei­ner Kie­fer­fehl­stel­lung füh­ren kön­nen. Da­her soll­ten Zäh­ne die nicht aus­fal­len oder ab­ge­bro­chen sind, von ei­nem Tier­arzt be­gut­ach­tet und ge­zo­gen werden.

Auch die Pfo­ten und den In­tim­be­reich dei­nes Hun­des soll­test du gut durch­tas­ten und an­fas­sen kön­nen. Die Pfo­ten be­nö­tigst du z.B. zum Kral­len­schnei­den. Ze­cken set­zen sich ger­ne an den Pe­nis bei Rü­den und auch zur Läu­fig­keits­kon­trol­le soll­test du die Vul­va be­rüh­ren können.

Die­se ein­fa­chen Ab­tast­übun­gen kannst du wäh­rend des Strei­chelns und Ku­schelns mit dei­nem Wel­pen bei­läu­fig trainieren.

Schritt 2: Kämmen üben

Da Aus­sies ja ein lan­ges, dich­tes Fell ha­ben, soll­test du dei­nen Wel­pen von An­fang an dar­an ge­wöh­nen ge­bürs­tet zu wer­den. Wich­tig ist es, dass du dei­nen Wel­pen nicht in Spiel­lau­ne er­wischt, da er sonst mehr dazu neigt in die Bürs­te zu beis­sen. Das Beis­sen in die Bürs­te soll­test du grund­sätz­lich un­ter­bin­den, da­mit die Bürs­te für dei­nen Wel­pen nicht zum Spiel­zeug wird.

Be­son­ders gut lässt sich das Käm­men trai­nie­ren, wenn eine zwei­te Per­son den Hund von vor­ne füt­tert. An­sons­ten lässt sich das Käm­men auch bei­läu­fig beim Strei­cheln einflechten.

Hilf­reich kann es auch sein, den Hund auf ei­nen Tisch zu stel­len, so ist er räum­lich be­grenzt und lernt dort still zu hal­ten und erst auf dein Kom­man­do z.B. ”fer­tig” wie­der run­ter zu dürfen.

Schritt 3: ”Aus” üben

Wel­pen er­kun­den ger­ne al­les und je­den mit ih­rem Maul, da­her neh­men fin­den sie bei ei­nem Spa­zier­gang im­mer et­was, was sie ins Maul neh­men wol­len. Mal ist es nur ein Blatt, mal ist es ein Stock oder auch ganz oft Müll. Als Wel­pen­hal­ter fällt ei­nem jetzt erst­mal auf, in wel­chem Müll­berg wir ei­gent­lich leben.

Da­her ist es sinn­voll, be­vor du mit dei­nem Wel­pen vor die Tür gehst und die Welt er­kun­dest, ihm ein Kom­man­do zum Auslassen/Loslassen/Fallenlassen bei zu­brin­gen. Ganz spie­le­risch kannst du dei­nem Wel­pen das Kom­man­do bei­brin­gen, in dem du ihm ein Tausch­ge­schäft an­bie­test. Wenn du mit ihm spielst und er in das Spiel­zeug beisst, sagst du ”aus” und hältst ihm Käse oder Wurst vor die Nase. Die meis­ten Wel­pen las­sen das Spiel­zeug dann los und freu­en sich über das zu­sätz­li­che Le­cker­li. Lobe den Wel­pen und spie­le dann so­fort wei­ter und wie­der­ho­le die Übung im­mer mal wieder.

Wenn der Wel­pe im Gar­ten oder spä­ter drau­ßen et­was ge­fun­den hat, was du nicht möch­test, dass er im Maul hat, dann ma­che bit­te nicht den Feh­ler und ren­ne dem Wel­pen hin­ter­her. Der Wel­pe ist so­wie­so schon schnel­ler als du und wird dar­aus ein Fang­spiel star­ten. Bes­ser ist es, sich hin zu knien und sehr eu­pho­risch zu sa­gen: ”Boah was hast du denn da gei­les ge­fun­den zeig doch mal” und meist kom­men die Wel­pen dann ganz stolz an­ge­lau­fen und dann kann man sie mit dem Tausch­ge­schäft dazu be­we­gen den Ge­gen­stand aus­zu­spu­cken. Soll­te das nicht hel­fen, hilft auch wie­der der Schnau­zen­griff. Es gibt am Ober­kie­fer des Hun­des eine Stel­le, etwa mit­tig, wenn man die fest ge­nug drückt, dann öff­net der Hund au­to­ma­tisch sein Maul und der Ge­gen­stand fällt heraus.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Toi, toi, toi

Ich drü­cke dir nun wei­ter­hin die Dau­men und wün­sche dir viel Freu­de mit dei­nem Wel­pen und hof­fe, dass ihr mit die­ser An­lei­tung zu ei­nem gu­ten Team zu­sam­men wach­sen könnt. Du soll­test dir für die­se Übun­gen Zeit neh­men (si­cher­lich wirst du als An­fän­ger da­für ein bis zwei Wo­chen be­nö­ti­gen) und sie im­mer wie­der wie­der­ho­len und in den Ta­ges­ab­lauf in­te­grie­ren. Erst wenn der Hund wirk­lich eine Be­zie­hung zu dir auf­ge­baut hat und dir ver­traut, macht es Sinn ihm neue Aben­teu­er au­ßer­halb dei­nes Zu­hau­ses zu zei­gen. Denn dein Wel­pe weiß nun, dass er mit dir ei­nen Si­cher­heits­an­ker hat und im­mer wie­der zu dir zu­rück kom­men kann, wenn er sich ängst­lich oder be­droht fühlt. Wich­tig wird die­se Be­zie­hung auch, wenn er in der Wel­pen­schu­le plötz­lich von vie­len an­de­ren Hun­den um­ge­ben ist und sich dort zu­recht fin­den muss. Nur wenn der Wel­pe dir ver­traut wird er sich auch über Wip­pen und Bäl­le­bä­der etc. trauen.

Gib dei­nem Hund die­ses Sicherheit!


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