Krallen schneiden

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

Krallen schneiden – so wichtig für den Hund

Im­mer häu­fi­ger fällt mir, nicht nur bei mei­nen Nach­zuch­ten, son­dern auch bei an­de­ren Hun­den, auf, dass die­se ihre Kral­len viel zu lang tra­gen. Des­halb möch­te ich im nach­fol­gen­den Ar­ti­kel er­läu­tern, war­um zu lan­ge Kral­len schäd­lich sind und wie man die­se am bes­ten kürzt. Nicht um­sonst kür­ze ich erst mal bei je­dem Hund, der mir un­ter die Fin­ger kommt die Kral­len, da­mit er wie­der nor­mal lau­fen kann.

Was ist die optimale Krallenlänge?

Die op­ti­ma­le Kral­len­län­ge für ei­nen Hund stellt man wie folgt fest:

  • der Hund kla­ckert beim Lau­fen nicht auf dem Boden
  • wenn der Hund steht, kann man pro­blem­los ein Blatt Pa­pier un­ter die Kral­len schieben
  • bei Aus­sies soll­ten die Kral­len ei­gent­lich so kurz sein, dass man sie un­ter dem Fell nicht sieht

Die Kral­len auf dem Foto sind schon et­was zu lang und soll­ten ge­kürzt werden.

Die Hun­de­kral­le – in rosa der le­ben­de Teil zu erkennen!

Aufbau der Hundekralle

Die Hun­de­kral­le ist mit den mensch­li­chen Fin­ger­nä­geln zu ver­glei­chen. Auch sie wächst per­ma­nent nach und muss ge­kürzt wer­den, wenn der Hund nicht auf har­ten Un­ter­grün­den läuft. Die meis­ten Hun­de wer­den heu­te auf Wie­sen oder in Wäl­dern Gas­si ge­führt und lau­fen nicht mehr meh­re­re Ki­lo­me­ter auf Be­ton oder Asphalt oder har­ten Un­ter­grün­den, wo­durch sich die Kral­len von sel­ber ab­schlei­fen würden.

Die Kral­le be­steht wie die mensch­li­chen Fin­ger­nä­gel aus ei­nem le­ben­den und ei­nem ”to­ten” Teil. Der le­ben­de Teil ist leicht rosa und durch­blu­tet, wäh­rend der wei­ße Teil nicht mehr durch­blu­tet ist und schmerz­frei ab­ge­trennt wer­den kann. Bei schwar­zen Kral­len lässt sich der le­ben­de Teil lei­der nicht so gut er­ken­nen, des­halb soll­te man bei die­sen Kral­len sehr vor­sich­tig und in klei­nen Schrit­ten schnei­den, um den Hund nicht zu verletzen.

Was passiert bei zu langen Krallen?

Zu lan­ge Kral­len fü­gen dem Hund Schmer­zen beim Lau­fen zu.

Die Dau­men­kral­le kann z.B. in das Bein ein­wach­sen, aber auch die rest­li­chen Kral­len drü­cken auf das Kral­len­bett und ver­ur­sa­chen so Schmer­zen und vor al­lem Fehl­stel­lun­gen der Pfo­ten­hal­tung, weil der Hund ver­sucht sei­ne Hal­tung und sei­nen Gang an die lan­gen Kral­len an­zu­pas­sen. Die Kral­len drü­cken die Ze­hen­glie­der nach oben, wo­durch ein Platt­fuß ent­steht, d.h. die Pfo­te ist nicht mehr rund, son­dern wirkt platt und lang gezogen.

Der Hund win­kelt die Pfo­te so ab, dass er schon fast mit dem Dau­men­bal­len den Bo­den be­rührt. Auf der ver­link­ten Sei­te kannst du dir sol­che Fehl­stel­lun­gen an­hand von Fo­tos an­schau­en. Lang­fris­tig füh­ren zu lan­ge Kral­len zu Art­ho­sen und Verspannungen.

Au­ßer­dem kann ein Hund mit zu lan­gen Kral­len sich we­sent­lich schnel­ler ver­let­zen, weil die Kral­le z.B. split­tert oder ein­reißt und wie du auf der Gra­fik oben siehst, wan­dert der le­ben­de Teil im­mer wei­ter nach vor­ne, so­dass man zu lan­ge Kral­len (wenn sie län­ge­re Zeit be­stehen) nur sehr müh­sam und lang­sam in klei­nen Schrit­ten kür­zen kann, bis sich der le­ben­de Teil nach und nach wie­der zurückzieht.

Je häu­fi­ger die Kral­len ge­kürzt wer­den, des­to kür­zer ist auch der Be­reich des le­ben­den Teils und des­to bes­ser kann man die Kral­len kurz halten!

Sche­ma Ver­än­de­rung der Ze­hen­glie­der bei zu lan­gen Kral­len © Jen­ni­fer Walter

Krallen kürzen

Bei mei­nen Hun­den kon­trol­lie­re ich jede Wo­che die Kral­len und schnei­de sie, wenn sie zu lang er­schei­nen. Nicht je­der mei­ner Hun­de ist da ein gro­ßer Fan von, des­halb ist das Kral­len­schnei­den mit sehr viel Ge­duld, Ruhe, Mühe und auch Über­zeu­gungs­kraft verbunden.

Ei­ni­ge Hun­de ge­ben mir frei­wil­lig die Pfo­te, so­dass ich die Kral­len leicht kür­zen kann, an­de­re be­vor­zu­gen es sich hin­zu­le­gen und dann auf den Rü­cken zu dre­hen. Am bes­ten lässt du dir das Kral­len­schnei­den von dei­nem Züch­ter oder ei­nem Tier­arzt zei­gen und übst dies re­gel­mä­ßig mit dei­nem Wel­pen. Wich­tig da­bei ist, dass du dich durch­setzt und die Pfo­te fest­hältst, wenn der Wel­pe oder Hund sich der Pro­ze­dur ent­zie­hen will. So­bald der Hund merkt, dass ihm nicht pas­siert, wenn du sei­ne Pfo­te fest­hältst, erst dann soll­test du be­gin­nen die Sche­re ein­zu­set­zen und den ers­ten Schnitt zu wa­gen. Be­loh­ne den Hund nach je­der Kralle.

Das rich­ti­ge Werk­zeug ist ent­schei­dend, um die Kral­len mög­lichst ohne Ver­let­zung zu kür­zen (und ja das ist mir lei­der auch schon pas­siert, dass ich den ein oder an­de­ren Hund beim Schnei­den ver­letzt habe und die Hun­de da­durch noch skep­ti­scher wur­den). Ich nut­ze seit Jah­ren eine Kral­len­sche­re mit ei­ner Guil­lo­ti­ne, so lässt sich ge­nau se­hen, wo die Sche­re schnei­den wird. Vie­le Züch­ter nut­zen ei­nen Dre­mel mit ei­nem Schleif­auf­satz. Ich per­sön­lich habe aber die Er­fah­rung ge­macht, dass die Hun­de die­ses reb­beln­de Ge­fühl und das lau­te Ge­räusch sehr ver­stö­rend fin­den, da­her muss man die Hun­de lang­sam an den Dre­mel her­an­füh­ren. Trotz­dem hat der Dre­mel Vor­tei­le, da Blu­tun­gen gleich ver­ödet wer­den, soll­te man zu weit schleifen.

Wenn man die Kral­le schnei­det, soll­te man dia­go­nal von un­ten nach oben schnei­den und da­nach sei­nen Hund na­tür­lich kräf­tig lo­ben und be­loh­nen, um so ent­spann­ter wird das Kral­len­schnei­den für alle Beteiligten.

Foto 1: Kür­zen der Kralle
Foto 2: Die rich­ti­ge Kral­len­län­ge – wie kür­ze ich die Kral­le rich­tig? © Jen­ni­fer Walter


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