Frustration, Ruhe & Beisshemmung

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

Frustration, Ruhe & Beißhemmung – Drei Dinge, die der Aussie unbedingt lernen muss

Bei der Ras­se Aus­tra­li­an She­pherd gibt es drei grund­le­gen­de Din­ge zu be­ach­ten, auf die du als neu­er Hal­ter dein Au­gen­merk le­gen soll­test, da­mit dein Hund dir Freu­de bereitet.

Ler­nen jun­ge Aus­sies die­se drei gol­de­nen Re­geln nicht ken­nen, ist die Wahr­schein­lich­keit hoch, dass der Hund nicht mehr han­del­bar ist und sein Zu­hau­se ver­liert und so zu ei­nem Pro­blem­hund bzw. Wan­der­po­kal wird.

Des­halb ach­te in dei­ner Er­zie­hung be­son­ders auf die­se drei Din­ge. Ob dein Hund Sitz und Platz kann und brav bei Fuß läuft, ist völ­lig egal und ne­ben­säch­lich. Sol­che ”Klei­nig­kei­ten” lernt der Hund ruck zuck, aber Frust, Ruhe und Men­schen nicht zu bei­ßen sind grund­le­gen­de Din­ge, die der Hund in un­se­rer Ge­sell­schaft drauf ha­ben muss.

In den Vi­de­os sind üb­ri­gens nicht um­sonst häu­fig Aus­sies zu se­hen, eben weil die­se Ras­se zu die­sen Pro­ble­men neigt 😉

1) Frust ertragen können

Frust er­tra­gen zu kön­nen (die so­ge­nann­te ”Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz”) ist in un­se­rer heu­ti­gen Ge­sell­schaft eine der wich­tigs­ten Fä­hig­kei­ten ei­nes Hun­des. Ein Hund der mit Frust um­ge­hen kann, wird euch in der spä­te­ren Er­zie­hung viel Freu­de bereiten.
Ein Aus­sie muss ler­nen Frust zu er­tra­gen, sonst führt das spä­ter zu di­ver­sen Pro­ble­men. Um euch die Wich­tig­keit die­ses Punk­tes zu er­läu­tern, möch­te ich euch Bei­spie­le ge­ben, in de­nen der Hund Frust er­tra­gen muss bzw. die zum Pro­blem wer­den kön­nen, wenn er dies nicht ge­lernt hat. Au­ßer­dem schaut euch un­be­dingt die Vi­de­os an.

Ihr könnt euch si­cher sein, Aus­sies sind sehr willensstark!

Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz

Wie leh­re ich mei­nem Hund mit Frust umzugehen?

Frust als Übel al­ler Probleme?

Feh­len­de Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz führt oft zu Problemverhalten.

Frust er­tra­gen lernen

Mit wel­chen Tricks kann ich dem Hund die Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz beibringen?

Probleme beim Füttern

Ihr wollt den Hund füt­tern. Ein Hund ohne Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz wird bel­len, un­ru­hig sein, an euch hoch­sprin­gen. Wenn es ihm zu lang­sam geht, euch auch z.B. in den Popo bei­ßen. Ihr wer­det es nicht schaf­fen den Napf auf den Bo­den zu stel­len und dann das Fut­ter frei zu ge­ben, son­dern der Napf wird be­reits leer sein, weil der Hund das Fut­ter ”in­ha­liert” wäh­rend ihr den Napf noch in der Hand habt.

Probleme beim Spielen

Ihr wollt mit dem Hund spie­len. Wenn ihr den Ball nicht so­fort werft, wird der Hund vor euch ste­hen und euch an­bel­len. Bringt auch das Bel­len nichts, wird er an­fan­gen euch an­zu­sprin­gen, euch an­zu­pö­beln und ver­su­chen, an den Ball zu kom­men. Auch in die­sem Bei­spiel wäre es durch­aus mög­lich, dass er euch in den Arm beißt, um an das Spiel­zeug zu kommen.

Probleme beim Alleinsein

Ihr wollt den Hund al­lein las­sen. Der Hund wird sei­nen Un­mut auch hier durch Bel­len äu­ßern, dann wird er die Tür, durch die ihr ver­schwun­den seid be­krat­zen und an­fan­gen sie zu zer­stö­ren. Die Ta­pe­te wird fein säu­ber­lich ab­ta­pe­ziert. Der Hund wird den Raum, in dem er sich be­fin­det in Schutt und Asche le­gen und das mei­ne ich ge­nau­so wie ich es ge­schrie­ben habe. Hun­de sind durch­aus in der Lage Lö­cher in Wän­de zu fres­sen und die Ein­rich­tung kom­plett zu zer­stö­ren. Viel­leicht wird das Ver­hal­ten des Hun­des so schlimm sein, dass er sich die Kral­len blu­tig kratzt und / oder sich durch die Zer­stö­rung von Ge­gen­stän­den selbst in Ge­fahr bringt z.B. durch das Ver­schlu­cken von Holz­split­tern => Per­fo­ra­ti­on des Darms (Wir ha­ben Lay­la da­durch ver­lo­ren) oder das Fres­sen von Tex­ti­li­en => Darmverschluss.

Lösungsideen

Bit­te schau dir nach­fol­gen­de Vi­de­os an, die Trai­ner brin­gen dir bei wie du dei­nem Hund die so­ge­nann­te Im­puls­kon­trol­le bzw. die Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz bei­bringst. Viel­leicht ver­wen­det ihr als Frei­ga­be Kom­man­do nicht das Wort ”Ok”, son­dern ”Nimm”, weil man Ok doch re­la­tiv oft im täg­li­chen Ge­brauch verwendet.

Ich per­sön­lich fin­de es auch sehr wich­tig den Hund an eine Hun­de­box zu ge­wöh­nen, so­dass er lernt, nicht über­all­hin fol­gen zu kön­nen und im­mer sei­nen Wil­len durch­zu­set­zen. Ich ma­che mit mei­nen Hun­den auch die Übun­gen aus den Vi­de­os, aber Aus­sies sind so pfif­fig, dass sie oft­mals ge­nau wis­sen, wie sie sich bei ei­ner die­ser Übun­gen be­neh­men müs­sen, aber in an­de­ren Si­tua­tio­nen kön­nen sie sich dann wie­der nicht zu­rück­hal­ten, des­halb emp­fin­de ich eine ge­ne­rel­le Frust­übung mit der Hun­de­box sehr wichtig.

Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz

Wie leh­re ich mei­nem Hund mit Frust umzugehen?

Im­puls­kon­trol­le

Wei­te­re Tipps zur Frustrationstoleranz

Frust er­tra­gen lernen

Das Kom­man­do ”Nein” kann hel­fen dem Hund das Ab­war­ten beizubringen

2) Ruhen lernen

Aus­sies sind sehr leb­haf­te und auf­ge­weck­te Hun­de, die von sich aus nicht zei­gen, dass sie müde sind oder, dass sie eine Pau­se be­nö­ti­gen. Es ist des­halb Auf­ga­be des Men­schen zu be­stim­men, wann der Wel­pe sich aus­ru­hen soll.

Be­kommt dein Wel­pe nicht aus­rei­chend Ru­he­zei­ten (17–23 Stun­den pro Tag) und Pau­sen wird er be­gin­nen Stress­sym­pto­me zu zei­gen, so­lan­ge bis sein Stress­le­vel so weit an­ge­stie­gen ist, dass es ex­trem schwie­rig wird den Hund aus die­ser Spi­ra­le wie­der herauszuholen.

Hat der Wel­pe ein­mal ge­lernt wie man zur Ruhe kommt bzw. wur­de von dir da­hin ge­hend an­ge­lei­tet und ist er ent­spannt groß ge­wor­den, wird er auch als er­wach­se­ner Hund eher zur Ruhe kom­men. Du soll­test aber auch bei adul­ten Aus­sies dar­auf ach­ten, dass sie sich nicht über­neh­men und ge­ge­be­nen­falls für Ruhe sorgen.

Lösungsideen

Nach­fol­gend wie­der ein paar Vi­de­os mit Lö­sungs­ideen. Es gibt 3 Mög­lich­kei­ten dem Hund Ruhe zu verordnen:

  • An­bin­den / mit der Lei­ne ir­gend­wo fest­bin­den – wird von vie­len Hun­de­schu­len emp­foh­len. Nach mei­ner Mei­nung aber be­steht die Ge­fahr, dass der Hund sich mit der Lei­ne ver­hed­dert oder er­würgt. Er könn­te die Lei­ne durch­bei­ßen und sich so in Ge­fahr brin­gen, in dem er Tei­le ver­schluckt und er hat noch zu viel Be­we­gungs­spiel­raum, so­dass sich nicht ent­span­nen kann. Je we­ni­ger Be­we­gungs­frei­raum der Hund hat, des­to eher legt er sich hin und ent­spannt sich!
  • Auf eine De­cke oder in ein Körb­chen schicken
  • den Hund in eine Box schicken

Ich per­sön­li­che emp­feh­le und be­gin­ne mit ei­ner Hun­de­box, weil die­se Me­tho­de für ei­nen Wel­pen und auch für Erst­hun­de­hal­ter am ein­fachs­ten ist, da bei der De­cken­übung z.B. stän­dig kor­ri­giert wer­den muss, so­bald der Hund wie­der auf­steht. Au­ßer­dem nei­gen jun­ge Hun­de dazu die De­cke, das Körb­chen oder die Lei­ne mit der sie an­ge­bun­den sind zu zer­stö­ren und sich so­mit aus der Si­tua­ti­on zu be­frei­en. Zum Al­lein­blei­ben üben und zur Stu­ben­rein­heit ist die Box­me­tho­de mei­ner Er­fah­rung nach auch am bes­ten ge­eig­net. Wei­ter oben habe ich dir den Ar­ti­kel zur Box­ge­wöh­nung ver­linkt – auch dort fin­dest du noch wei­te­re in­ter­es­san­te Vi­de­os von Ex­per­ten, die dir die Wich­tig­keit der Hun­de­box verdeutlichen.

Box ge­wöh­nen

Wie ge­wöh­ne ich mei­nen Hund an die Hundebox?

Hun­de­box

Die Hun­de­box, dein Freund und Hel­fer und der Rück­zugs­ort für dei­nen Hund.

Körb­chen­me­tho­de

In die­sem Vi­deo lernst du, wie dein Hund in sei­nem Körb­chen bleibt.

Geh auf dei­nen Platz

In die­sem Vi­deo zeigt der Trai­ner dir, wie du dei­nen Hund auf sei­ne De­cke schickst.

3) Beißen

Hun­de ha­ben nicht in die mensch­li­che Haut zu beißen! 

Die­sen Satz musst du dir mer­ken und dem Hund bei­brin­gen, dass es nicht ak­zep­ta­bel ist dich zu bei­ßen, we­der in die Haut noch in die Kleidung.

Den Pa­ra­de­feh­ler ma­chen die meis­ten neu­en Wel­pen­be­sit­zer, in dem sie es süß fin­den, wenn der Hund an den Fin­gern knab­bert. Wenn du von An­fang an un­ter­bin­dest, dass der Hund an dir knab­bert oder dich beißt, denn nichts an­de­res ist knab­bern, dann wird dein Hund schnell ver­stan­den ha­ben wie er sein Ge­biss ein­set­zen darf. Hun­de kön­nen ihr Ge­biss so gut kon­trol­lie­ren, dass sie Din­ge fein säu­ber­lich ab­kau­en kön­nen bzw. sie wis­sen ge­nau wie stark sie zubeißen.

Lösungsideen

Beim Bei­ßen ver­ste­he ich kei­nen Spaß, denn lernt der Wel­pe nicht sein Ge­biss zu kon­trol­lie­ren, dann hast du ir­gend­wann ei­nen er­wach­se­nen Hund, der eine we­sent­lich stär­ke­re Beiß­kraft hat und der rich­tig ge­fähr­lich wer­den kann. Da­her ist es ex­trem wich­tig, dass der Hund weiß, dass er Men­schen nicht zu bei­ßen hat! Ich per­sön­li­che nut­ze ent­we­der den Schnau­zen­griff oder fi­xie­re die Hun­de, so wie die Trai­ne­rin im drit­ten Vi­deo es vor­macht. Auch die Mut­ter­hün­din oder an­de­re Ru­del­mit­glie­der zei­gen den Wel­pen deut­lich, was sie da­von hal­ten, wenn der Wel­pe sie beißt. Beim Bei­ßen musst du han­deln und nicht mit dem Hund diskutieren!

  • Va­ri­an­te 1: Wenn du die Zäh­ne dei­nes Hun­des an dei­ner Haut spürst, auch wenn es noch so sanft ist, dann su­che dir ein Kom­man­do z.B. ”Aua” und ent­zie­he dich dem Hund. Al­ler­dings funk­tio­niert das beim Aus­sie eher nicht, denn er denkt: Juhu ge­won­nen, gleich noch­mal reinbeißen.
  • Va­ri­an­te 2: Bei ei­nem Biss zei­ge dem Hund deut­lich, was du da­von hältst, so wie die Trai­ne­rin im drit­ten Vi­deo es zeigt.
  • Va­ri­an­te 3: Schnau­zen­griff aus­füh­ren, d.h. mit Zei­ge­fin­ger und Dau­men über den Fang des Hun­des fas­sen und kurz fest­hal­ten / drü­cken. Wenn der Wel­pe fiept war der Schnau­zen­griff er­folg­reich und der Hund hat ge­lernt, dass es für ihn un­an­ge­nehm wird, wenn er Men­schen beißt.
  • Wenn der Wel­pe an Ge­gen­stän­den kaut: So­fort Weg­räu­men oder mit ei­nem Kom­man­do wie z.B. ”Schluss” oder ”Hey” oder in die Hän­de­klat­schen und Kom­man­do unterbrechen
  • Kau­ar­ti­kel an­bie­ten, aber mög­lichst be­vor der Hund ir­gend­wo rein­beißt, sonst lernt der Hund: Bei­ßen = be­kom­me ich Kauspielzeug
  • Für mehr Ruhe sor­gen, vie­le Wel­pen bei­ßen, weil sie völ­lig über­dreht sind!

Wel­pen beissen

Was tun, wenn der Wel­pe mich beisst?

Beiss­hem­mung

Äl­te­re Hun­de kön­nen eine Hil­fe sein, dem Wel­pen die Beiss­hem­mung bei­zu­brin­gen, aber trotz­dem musst du auch als Mensch han­deln und dem Wel­pen die Gren­zen aufzeigen.

Beis­sen in die Haut

Wenn dein Hund dich beisst, dann hat die­se Trai­ne­rin ein paar Tipps für dich.

Leserfragen

Wir ha­ben eine Au­s­ie mit 6 Mo­na­ten. Seit 2 Wo­chen fällt er mich im Gar­ten vor dem Haus an in­dem er bellt und mich rum­ja­gen will an mir hoch­springt und beißt. Hört auf kein Kom­man­do und ich bin voll ver­zwei­felt. Was kann ich tun?

Ich wür­de auf je­den Fall ei­nen kom­pe­ten­ten Trai­ner emp­feh­len, der sich das Pro­blem vor Ort an­schau­en kann. Aus der Fer­ne wür­de ich sa­gen der Hund be­nö­tigt we­sent­lich mehr Ruhe in ei­ner Hun­de­box z.B. und ein kon­squen­te­res Durch­grei­fen des Halters.

Wenn der Hund al­ler­dings so ge­stresst und au­ßer Rand und Band ist, wie du es be­schreibst, dann soll­te erst­mal für Ruhe ge­sorgt wer­den, weil die Wel­pen üb­li­cher­wei­se nicht mehr auf Kor­rek­tu­ren re­agie­ren, wenn sie so ge­stresst sind.


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