Wurf mit mehreren Rüden?

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

Wurf mit mehreren Rüden – Multiple Sire Litter

Wir Yel­low­stones sind am Puls der Zeit :-), so las­sen wir im­mer wie­der neue Er­kennt­nis­se in un­se­re Zucht ein­flie­ßen und so kommt es, dass wir neue Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen. Der Wurf von Se­ven mit Mo­g­li und Quin­cy war also kein Un­fall, wie man viel­leicht den­ken könn­te, son­dern von uns so ge­plant und ge­wollt.

Im Nach­fol­gen­den er­fahrt ihr, wie eine sol­che De­ckung ab­läuft und war­um ich die­sen Wurf so ge­plant habe bzw. wel­che ge­ne­ti­sche und züch­te­ri­sche Ent­schei­dung sich da­hin­ter ver­birgt.

Wieso, weshalb, warum macht man das?

In Deutsch­land ist es für ge­wöhn­lich üb­lich eine Hün­din mit nur ei­nem Rü­den zu­sam­men­zu­füh­ren, da­mit der Rüde die Hün­din deckt und bei Ge­burt klar ist, wer die El­tern der Wel­pen sind. Man­che Rü­den­be­sit­zer ver­bie­ten in ih­ren Ver­trä­gen so­gar, dass die Hün­din mit ei­nem wei­te­ren Rü­den ge­deckt wer­den darf.

Es gibt aber die Mög­lich­keit die Hün­din von ver­schie­de­nen Rü­den zeit­nah hin­ter­ein­an­der de­cken zu las­sen, so be­fin­den sich von je­dem Rü­den Sper­mi­en in der Hün­din und es be­steht die Mög­lich­keit, dass Sper­mi­en der ein­zel­nen Rü­den die Ei­zel­len be­fruch­ten.

In der Hun­de­zucht kann man die­ses Ver­fah­ren nut­zen, um die ge­ne­ti­sche Viel­falt ei­nes Wur­fes (Ras­se) groß zu hal­ten. Be­kannt­lich kann eine Hün­din nicht so viel Nach­wuchs pro­du­zie­ren, wie ein Rüde, da­her ist es manch­mal sinn­voll meh­re­re Rü­den für ei­nen Wurf Wel­pen zu ver­wen­den. Wenn man Glück hat und von bei­den Rü­den Nach­wuchs im Wurf hat, hat man sich mit der Hün­din ei­nen Wurf ge­spart (näm­lich den mit dem an­de­ren Rü­den) und kann aus bei­den Rü­den die bes­ten Wel­pen für die Wei­ter­zucht aus­su­chen. Die Hün­din kann man bei den nächs­ten Wür­fen wie­der­um mit den am bes­ten pas­sen­den Rü­den be­le­gen und spart sich so den Wurf mit dem 2 Rü­den. Der Züch­ter hat so­mit nicht z.B. 8 Wel­pen mit der glei­chen Ge­ne­tik, son­dern je­weils z.B. 4 mit un­ter­schied­li­cher Ge­ne­tik, d.h. wür­de man das Spiel­chen bei je­dem Wurf der Hün­din ma­chen, könn­te man ihre ge­ne­ti­sche Va­ria­bi­li­tät ver­dop­peln.

Bei Ras­sen, die ei­nen ho­hen In­zucht­grad ha­ben oder die aus an­de­ren Grün­den zu we­nig ge­ne­ti­sche Va­ria­bi­li­tät ha­ben, wäre die­se Op­ti­on ei­nen Ge­dan­ken wert. In­ter­es­sant ist die­se Op­ti­on auch für ganz her­aus­ra­gen­de Hün­din­nen, die man dann wie­der­um mit her­aus­ra­gen­den Rü­den ver­paa­ren möch­te.

Der ASCA er­laubt die­ses Vor­ge­hen und sieht die Mög­lich­keit ei­ner Be­de­ckung von bis zu 3 Rü­den vor. Na­tür­lich müs­sen nach der Ge­burt alle Wel­pen DNA ge­tes­tet wer­den, um 100 % si­cher zu sein, wer der Va­ter der Wel­pen ist, ob­wohl es manch­mal ge­ne­tisch schon ein­deu­tig ist z.B. Mer­le Wel­pen kön­nen nur vom Mer­le Va­ter sein.

Be­deckt man z.B. eine Black Tri Hün­din wie un­se­re Se­ven, die das Rot-Gen trägt mit ei­nem eben­falls Black Tri Rüde wie Quin­cy mit Rot-Gen und ei­nem Blue Mer­le Rüde na­mens Mo­g­li mit Rot-Gen, dann sind alle Mer­le Wel­pen ge­ne­tisch ge­se­hen au­to­ma­tisch von dem Mer­le Va­ter (Mo­g­li). Die Black Tri und Red Tri Wel­pen kön­nen von bei­den Vä­tern stam­men.

Die Idee reif­te in mir schon seit An­be­ginn un­se­rer Zucht, als wir Lay­la be­hal­ten ha­ben. Rich­tig cool wird die gan­ze Ge­schich­te näm­lich, wenn man eine Red Tri Hün­din mit ei­nem Blue Mer­le und ei­nem Red Mer­le Rü­den deckt. Alle Blue Mer­le und Black Tri Wel­pen sind dann vom Blue Mer­le Rü­den und die ro­ten Wel­pen alle vom Red Mer­le Rü­den. Auf­grund der Ge­ne­tik wäre ein Gen­test über­flüs­sig, aber er muss trotz­dem durch­ge­führt wer­den.

Nach Kon­sul­ta­ti­on des AS­CAs und un­se­rer Zucht-Fach­tier­ärz­tin, wie ich die­sen Ver­such am bes­ten an­stel­le bzw. die Chan­ce von bei­den Rü­den Ba­bys zu ha­ben mög­lichst hoch ist, konn­te un­se­rer ”Ex­pe­ri­ment” los­ge­hen 🙂

Kosten

Die Ent­schei­dung sei­ne Hün­din mit meh­re­ren Rü­den zu ver­paa­ren ist eine rein züch­te­ri­sche Ent­schei­dung, bei der sehr viel Geld in die Hand ge­nom­men wer­den muss. Die Rü­den müs­sen bei­de zeit­gleich an ei­nen ge­mein­sa­men Ort ver­bracht wer­den, an dem die Hün­din ge­deckt wer­den soll oder bei­de Rü­den wer­den ab­ge­samt und mit Hil­fe ei­nes Tier­arz­tes wird die Hün­din von bei­den Rü­den künst­lich be­samt. Nutzt man den Weg der Be­sa­mung ist si­cher­ge­stellt, dass bei­de Sper­mi­en­por­tio­nen in die Ge­bär­mut­ter ein­ge­bracht wer­den, so­mit ist die Chan­ce, dass Wel­pen von bei­den Vä­tern ent­ste­hen hö­her. Bei der künst­li­chen Be­sa­mung ent­ste­hen Kos­ten von un­ge­fähr 800 € zzgl. Pro­ges­te­ron­tests.

Egal wel­che Me­tho­de man wählt, wer­den für je­den Rü­den Deck­ta­xen fäl­lig, die in die Tau­sen­de ge­hen kön­nen, (auch wenn man nicht weiß, ob es über­haupt Wel­pen von bei­den Rü­den ge­ben wird). Au­ßer­dem müs­sen alle Wel­pen DNA ge­tes­tet wer­den, was pro Wel­pe etwa 40 € kos­tet.

Ins­ge­samt ist der Züch­ter also mit ei­ner Erst­in­ves­ti­ti­on von rund 3.000 € (Deck­ta­xen, Pro­ges­te­ron­tests, Fahrt­kos­ten usw.) da­bei, be­vor er über­haupt weiß, ob die Hün­din tra­gend ist und ob sein Wunsch er­füllt wur­de, dass er von bei­den Rü­den ge­eig­ne­te Wel­pen zur Wei­ter­zucht er­hält. Hin­zu kom­men dann noch die DNA-Tests bei 8 Wel­pen von rund 320 € und die üb­li­chen Auf­zucht­kos­ten.

Welpe von zwei Vätern?

Kei­ne Angst, du musst kei­ne Sor­gen ha­ben, dass dein Wel­pe viel­leicht Erb­ma­te­ri­al von bei­den Vä­tern trägt. Bei Hun­den funk­tio­niert die Be­fruch­tung ge­nau­so wie beim Men­schen. So­bald ein Sper­mi­um in die Ei­zel­le ein­dringt, ver­schließt sie sich und es kann kein wei­te­res Sper­mi­um mehr ein­drin­gen, so lässt sich si­cher­stel­len, dass der Wel­pe nur ei­nen Va­ter hat.

Leidet die Hündin?

Nein, sie lei­det nicht. Für sie ist die De­ckung im Nor­mal­fall ein völ­lig na­tür­li­ches Ver­hal­ten. Dass Rü­den Hün­din­nen de­cken liegt in der Na­tur und auch, dass die Hün­din kurz hin­ter­ein­an­der ent­we­der vom sel­ben Rü­den oder von ei­nem an­de­ren Rü­den ge­deckt wird.

Se­ven hat üb­ri­gens al­les pri­ma mit­ge­macht und ist nicht wund ge­scheu­ert ;-).

Weiterführende Literatur


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