Wurf mit mehreren Rüden?

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Wurf welpen mit mehreren Rüden als Vater

Wir Yellowstones sind am Puls der Zeit, so lassen wir immer wieder neue Erkenntnisse in unsere Zucht einfließen und so kommt es, dass wir neue Möglichkeiten ausschöpfen. Der Wurf von Seven mit Mogli und Quincy war also kein Unfall, wie man vielleicht denken könnte, sondern von uns so geplant und gewollt.

Im Nachfolgenden erfahrt ihr, wie eine solche Deckung abläuft und warum ich diesen Wurf so geplant habe bzw. welche genetische und züchterische Entscheidung sich dahinter verbirgt.

Wieso, weshalb, warum macht man das?

In Deutschland ist es für gewöhnlich üblich eine Hündin mit nur einem Rüden zusammen zu führen, damit der Rüde die Hündin deckt und bei Geburt klar ist, wer die Eltern der Welpen sind. Manche Rüdenbesitzer verbieten in ihren Verträgen sogar, dass die Hündin mit einem weiteren Rüden bedeckt werden darf.

Es gibt aber die Möglichkeit die Hündin von verschiedenen Rüden zeitnah hintereinander decken zu lassen, so befinden sich von jedem Rüden Spermien in der Hündin und es besteht die Möglichkeit, dass Spermien der einzelnen Rüden die Eizellen befruchten.

In der Natur lässt die Hündin bzw. die Wolfsfähe sich von so vielen Rüden decken wie eben möglich, so ist sichergestellt, dass der potenteste Rüde, nämlich der mit den meisten und vor allem beweglichsten Spermien sich fortpflanzt, da die Spermien eben am schnellsten am Ziel sind. Da es aber auch immer noch auf den zeitlichen Abstand der Deckungen ankommt, kann es auch hier passieren, dass die Fähe Welpen von verschiedenen Vätern groß zieht, weil ein Rüde zum passenderen Zeitpunkt gedeckt hat und das Rudel somit genetisch nicht verarmt. Würde immer nur der Alpha Wolf Nachwuchs produzieren, würde er bald seine Töchter decken und der Inzuchtgrad würde steigen und damit stünde das Überleben der Gruppe auf dem Spiel.

In der Hundezucht kann man dieses Verfahren nutzen um die genetische Vielfalt eines Wurfes (Rasse) groß zu halten. Bekanntlich kann eine Hündin nicht so viel Nachwuchs produzieren, wie ein Rüde, daher ist es manchmal sinnvoll mehrere Rüden für einen Wurf Welpen zu verwenden. Wenn man Glück hat und von beiden Rüden Nachwuchs im Wurf hat, hat man sich mit der Hündin einen Wurf gespart (nämlich den mit dem anderen Rüden) und kann aus beiden Rüden die besten Welpen für die Weiterzucht aussuchen. Die Hündin kann man bei den nächsten Würfen wiederum mit den am besten passenden Rüden belegen und spart sich so den Wurf mit dem 2 Rüden. Der Züchter hat somit nicht z.B. 8 Welpen mit der gleichen Genetik, sondern jeweils z.B. 4 mit unterschiedlicher Genetik, d.h. würde man das Spielchen bei jedem Wurf der Hündin machen, könnte man ihre genetische Variabilität verdoppeln.

Bei Rassen, die einen hohen Inzuchtgrad haben oder die aus anderen Gründen zu wenig genetische Variabilität haben, wäre diese Option einen Gedanken wert. Interessant ist diese Option auch für ganz herausragende Hündinnen, die man dann wiederum mit herausragenden Rüden verpaaren möchte.

Der ASCA erlaubt dieses Vorgehen und sieht die Möglichkeit einer Bedeckung von bis zu 3 Rüden vor. Natürlich müssen nach der Geburt alle Welpen DNA getestet werden, um 100% sicher zu sein, wer der Vater der Welpen ist, obwohl es manchmal genetisch schon eindeutig ist z.B. Merle Welpen können nur vom Merle Vater sein.

Bedeckt man z.B. eine Black Tri Hündin wie unsere Seven, die das Rotgen trägt mit einem ebenfalls Black Tri Rüde wie Quincy mit Rotgen und einem Blue Merle Rüde namens Mogli mit Rotgen, dann sind alle Merle Welpen genetisch gesehen automatisch von dem Merle Vater (Mogli). Die Black Tri und Red Tri Welpen können von beiden Vätern stammen.

Die Idee reifte in mir schon seit Anbeginn unserer Zucht, als wir Layla behalten haben. Richtig cool wird die ganze Geschichte nämlich wenn man eine Red Tri Hündin mit einem Blue Merle und einem Red Merle Rüden deckt. Alle Blue Merle und Black Tri Welpen sind dann vom Blue Merle Rüden und die roten Welpen alle vom Red Merle Rüden. Auf Grund der Genetik wäre ein Gentest überflüssig, aber er muss trotzdem durchgeführt werden.

Nach Konsultation des ASCAs und unserer Zucht-Fachtierärztin, wie ich diesen Versuch am Besten anstelle bzw. die Chance von beiden Rüden Babys zu haben möglichst hoch halte, konnte unserer „Experiment“ los gehen 🙂

Kosten

Die Entscheidung seine Hündin mit mehreren Rüden zu verpaaren ist eine rein züchterische Entscheidung, bei der sehr viel Geld in die Hand genommen werden muss. Die Rüden müssen beide zeitgleich an einen gemeinsamen Ort verbracht werden, an dem die Hündin gedeckt werden soll oder beide Rüden werden abgesamt und mit Hilfe eines Tierarztes wird die Hündin von beiden Rüden künstlich besamt. Nutzt man den Weg der Besamung ist sichergestellt, dass beide Spermienportionen in die Gebärmutter eingebracht werden, somit ist die Chance, dass Welpen von beiden Vätern entstehen höher. Bei der künstlichen Besamung entstehen Kosten von ungefähr 800€ zzgl. Progesterontests.

Egal welche Methode man wählt, werden für jeden Rüden Decktaxen fällig, die in die Tausende gehen können, (auch wenn man nicht weiß ob es überhaupt Welpen von beiden Rüden geben wird). Außerdem müssen alle Welpen DNA getestet werden, was pro Welpe etwa 40€ kostet.

Ingesamt ist der Züchter also mit einer Erstinvestition von Rund 3000€ (Decktaxen, Progesterontests, Fahrtkosten usw.) dabei, bevor er überhaupt weiß, ob die Hündin tragend ist und ob sein Wunsch erfüllt wurde, dass er von beiden Rüden geeignete Welpen zur Weiterzucht erhält. Hinzu kommen dann noch die DNA Tests bei 8 Welpen von rund 320€ und die üblichen Aufzuchtkosten.

Welpe von zwei Vätern?

Keine Angst, du musst keine Sorgen haben, dass dein Welpe vielleicht Erbmaterial von beiden Vätern trägt. Bei Hunden funktioniert die Befruchtung genauso wie beim Menschen. Sobald ein Spermium in die Eizelle eindringt, verschließt sie sich und es kann kein weiteres Spermium mehr eindringen, so lässt sich sicherstellen, dass der Welpe nur einen Vater hat.

Leidet die Hündin?

Nein sie leidet nicht. Für sie ist die Deckung im Normalfall ein völlig natürliches Verhalten. Dass Rüden Hündinnen decken liegt in der Natur und auch, dass die Hündin kurz hintereinander entweder vom selben Rüden oder von einem anderen Rüden gedeckt wird.

Seven hat übrigens alles prima mitgemacht und ist nicht wund gescheuert ;-).


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