Kastration-Aufklärung

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

Kastration – eine Aufklärung

”Wer mit der Se­xua­li­tät sei­nes Hun­des nicht klar kommt, der soll­te sich kei­nen hal­ten!”
(Ver­hal­tens­bio­lo­ge Kurt Ko­trschal)

In­halt

Einleitung

Der nach­fol­gen­de Text ist – lei­der – et­was län­ger, aber bit­te nimm dir dei­nes Hun­des zu­lie­be oder ein­fach aus In­ter­es­se die Zeit und ließ den gan­zen Text. Ich hof­fe, nach die­ser um­fang­rei­chen Lek­tü­re bist du ein biss­chen auf­ge­klär­ter und lässt dei­nen Hund nicht aus Un­wis­sen­heit kas­trie­ren.

Ger­ne darfst du den Link zu die­sem Ar­ti­kel auch wei­ter ver­brei­ten (oder auch ver­lin­ken), da­mit noch mög­lichst vie­le Men­schen über die Kas­tra­ti­on un­se­res bes­ten Freun­des auf­ge­klärt wer­den.

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(1) Ver­bo­ten ist das voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Am­pu­tie­ren von Kör­per­tei­len oder das voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Ent­neh­men von Or­ga­nen oder Ge­we­be ei­nes Wir­bel­tie­res. Das Ver­bot gilt nicht wenn:

1. der Ein­griff im Ein­zel­fall
a) nach tier­ärzt­li­cher In­di­ka­ti­on ge­bo­ten ist
b) bei jagd­lich zu füh­ren­den Hun­den für die vor­ge­se­he­ne Nut­zung des Tie­res un­er­läss­lich ist (An­mer­kung: Das be­zieht sich auf das Ku­pie­ren nicht auf die Kas­tra­ti­on)

5. Zur Ver­hin­de­rung der un­kon­trol­lier­ten Fort­pflan­zung oder – so­weit tier­ärzt­li­che Be­den­ken nicht ent­ge­gen­ste­hen – zur wei­te­ren Nut­zung oder Hal­tung des Tie­res eine Un­frucht­bar­ma­chung vor­ge­nom­men wird.”

(Quel­le: http://www.gesetze-im-internet.de)

Die­ses Ge­setz stellt ein­deu­tig klar, dass es nur sehr we­ni­ge Aus­nah­men gibt, wie­so ei­nem Tier ein Or­gan ent­nom­men wer­den darf. Ein Grund ist die me­di­zi­ni­sche In­di­ka­ti­on, das be­deu­tet der Tier­arzt darf ein Or­gan ent­neh­men, wenn es er­krankt ist und nicht le­bens­not­wen­dig ist. Zu die­sem The­ma gibt es Ur­tei­le und es muss sich um eine ein­deu­ti­ge Er­kran­kung des Or­gans han­deln. Eine Vor­beu­gung, also die Ent­fer­nung ei­nes Or­gans zur Vor­beu­gung, da­mit es nicht er­krankt, reicht als Be­grün­dung nicht aus. Mö­bi­us hat 2009 ein­deu­ti­ge Rechts­kom­men­ta­re & ju­ris­ti­sche Stel­lung­nah­men dar­ge­legt.

Ein wei­te­rer Aus­nah­me­grund ist die Ver­hin­de­rung ei­ner un­kon­trol­lier­ten Fort­pflan­zung. Je­doch sind sich die Rechts­kom­men­ta­re hier ei­nig, dass bei Hun­den, die in ei­nem Fa­mi­li­en­ver­hält­nis le­ben, an­de­re Mög­lich­kei­ten aus­rei­chend sein soll­ten, z.B. ein vor­beu­gen­des Ver­hal­tens­ma­nage­ment.

Letzt­end­lich ist es ja auch egal, war­um ein Hund aus­büchst z.B. weil er se­xu­ell über­mo­ti­viert ist, weil er ei­ner Fähr­te nach geht oder aus ei­nem ganz an­de­ren Grund. Rich­tet er da­bei Scha­den an, haf­tet im­mer der Hal­ter!

Au­ßer­dem gilt im­mer das Rechts­prin­zip des mi­ni­mal in­va­si­ven Ein­grif­fes, wozu die Kas­tra­ti­on nicht zählt.

Kastration statt Erziehung?

Das Ge­setz deckt zum Glück eine vor­beu­gen­de Kas­tra­ti­on zur leich­te­ren Er­zieh­bar­keit ei­nes Tie­res nicht ab, wie un­ter an­de­rem Dr. Gerd Mö­bi­us be­reits dar­ge­legt hat! Ins­be­son­de­re gilt dies auch für Pau­schal-Kas­tra­tio­nen, wie sie im Tier­schutz üb­lich ist. Bei kas­trier­ten Tier­schutz­tie­ren ist so­gar auch noch ”§ 2 Zu­fü­gen von un­nö­ti­gen Schä­den, Schmer­zen & Lei­den”, be­trof­fen. Des­halb sind auch Über­nah­me­ver­trä­ge, die dem neu­en Hal­ter vor­schrei­ben sein Tier kas­sie­ren zu las­sen nicht rechts­kräf­tig. Über Tier­hei­me, die Tie­re ohne Ein­zel­fall­ent­schei­dung ein­fach kas­trie­ren, soll­te man den Amts­tier­arzt in­for­mie­ren. Auch die Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer hat sich im deut­schen Tier­ärz­te­blatt ge­gen Pau­schal­kas­tra­tio­nen auf Hal­ter­wunsch ohne me­di­zi­ni­sche oder the­ra­peu­ti­sche Ein­zel­fall­ent­schei­dung aus­ge­spro­chen. Amts­tier­ärz­te ge­hen die­ser Sach­la­ge be­reits nach!

Abwägen im Einzelfall

Es ist die Pflicht ei­nes Tier­arz­tes, The­ra­peu­ten & Hal­ters sich zu in­for­mie­ren, ob das be­stehen­de Pro­blem durch eine Kas­tra­ti­on ver­bes­sert wer­den kann und eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung ge­ge­ben ist. Ist dies der Fall, ist eine Kas­tra­ti­on sinn­voll. Ist dies nach ak­tu­el­lem Wis­sens­stan­dard nicht der Fall – und dazu zählt auch die Ver­hal­tens­bio­lo­gie – dann soll­te zu­nächst durch eine che­mi­sche Pro­be­kas­tra­ti­on eine Über­prü­fung er­fol­gen. Die che­mi­sche Kas­tra­ti­on wird es bald auch für die Hün­din­nen ge­ben.

Ohne Ein­zel­fall­ent­schei­dung & zur Vor­beu­gung zu kas­trie­ren, käme ei­ner Am­pu­ta­ti­on der Hin­ter­läu­fe ei­nes Jagd­hun­des gleich da­mit er dem Wild nicht mehr nach­set­zen kann. Nie­mand lässt dem Hund die Milz ent­fer­nen, um ei­nem Milz­tu­mor vor­zu­beu­gen oder wir Men­schen las­sen uns auch nicht pro­phy­lak­tisch den Blind­darm ent­neh­men, weil die­ser sich ei­nes Ta­ges ent­zün­den könn­te.

Statistik – warum werden Hunde überhaupt kastriert?

Bielefelder Kastrationsstudie nach Dr. Niepel – 2003

Die Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­le­rin & Hun­de­ex­per­tin Dr. Ga­brie­le Nie­pel (+2008) hat eine groß an­ge­leg­te Kas­tra­ti­ons­stu­die mit 1010 Fra­ge­bö­gen zu­sam­men­ge­tra­gen (Bie­le­fel­der Kas­tra­ti­ons­stu­die). Es han­delt sich bei dem Fra­ge­bo­gen um eine Selbst­ein­schät­zung von Hun­de­hal­tern (90 % da­von Hun­de­hal­te­rin­nen). Nach­fol­gend ihre Er­geb­nis­se:

Kastration der Hündin

20 % al­ler Hün­din­nen wer­den be­reits vor der ers­ten Läu­fig­keit kas­triert, also vor dem Ein­tritt der Ge­schlechts­rei­fe. 47 % wur­den im Ab­stand von we­ni­ger als neun Wo­chen zur Stand­hit­ze kas­triert. 38 % al­ler Hün­din­nen wur­den be­reits im Al­ter vor ei­nem Jahr kas­triert.

Kastration des Rüden

25 % al­ler Rü­den wur­den vor dem ers­ten Le­bens­jahr kas­triert. 56 % der Rü­den wur­de ihre Männ­lich­keit vor dem zwei­ten Le­bens­jahr ge­nom­men. Die meis­ten Rü­den (28 %) wur­den im Al­ter zwi­schen zwei und acht Jah­ren kas­triert.

Kastrationsgründe der Hündinnen

81 % der Hün­din­nen wer­den aus me­di­zi­ni­schen Grün­den kas­triert – über­wie­gend zur Vor­beu­gung ei­nes Ge­säu­ge­tu­mors. Es wur­den aber auch Be­fürch­tun­gen hin­sicht­lich der Läu­fig­keit ge­äu­ßert.

64 % aus Ver­hal­tens­grün­den und 14 % aus Hal­ter­grün­den. Hün­din­nen zwi­schen 12 und 36 Mo­na­ten wur­den et­was häu­fi­ger auf Grund von Ver­hal­tens­grün­den kas­triert – ob­wohl das Ver­hal­ten trotz­dem eine eher ne­ben­säch­li­che Rol­le spielt. Eine Kas­tra­ti­on aus Hal­ter­grün­den ga­ben 82 % Wel­pen­be­sit­zer an und 18 % bei Se­nio­ren­be­sit­ze­rin­nen.

Kastrationsgründe des Rüden

Nur 21 % der Rü­den wur­den aus me­di­zi­ni­schen Über­le­gun­gen her­aus kas­triert. 80 % der Se­nio­ren wer­den aus me­di­zi­ni­schen Grün­den kas­triert.

30 % ga­ben Hal­te­grün­de an, wo­bei 1/3 da­von mit Rüde & Hün­din zu­sam­men­le­ben. 17 % der Kas­tra­tio­nen aus Hal­te­grün­den wur­den in der Hoff­nung auf ei­nen ent­spann­ten Spa­zier­gang ge­tä­tigt. 13%, weil noch ein wei­te­rer Rüde im Haus­halt lebt.

Bei den Ver­hal­tens­pro­ble­men wer­den 43 % we­gen Hy­per­se­xua­li­tät an­ge­führt, 41 % wün­schen sich ei­nen ru­hi­ge­ren Hund, 41 % er­hoff­ten sich, dass der Rüde sich we­ni­ger ag­gres­siv an­de­ren Rü­den ge­gen­über ver­hält. 17 % der Rü­den wur­den we­gen all­ge­mei­ner Ag­gres­si­vi­tät, 13 % we­gen Ag­gres­si­on ge­gen­über Frem­den und 10 % we­gen Ag­gres­si­on ge­gen­über dem Be­sit­zer kas­triert.

64 % al­ler Rü­den un­ter sechs Mo­na­ten wer­den auf Grund von Ver­hal­tens­pro­ble­men kas­triert. 92 % bei den 18–24 Mo­na­te al­ten Rü­den und 80 % der 24–36 Mo­na­te al­ten und 67 % der über drei­jäh­ri­gen.

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Sta­tis­ti­sche Kas­tra­ti­ons­grün­de von Hün­din und Rüde

Tiermedizinerumfrage Mertens & Unshelm ‑1997

Eine Um­fra­ge un­ter Tier­me­di­zi­nern mit 13.000 Hun­den (>5000 Rü­den) von Mer­tens und Un­s­helm 1997 er­gab fol­gen­de Er­geb­nis­se:

Kastrationsgründe Hündin

Bei über 7.700 Hün­din­nen wur­den 10 % we­gen me­di­zi­ni­scher In­di­ka­ti­on, 31 % zur Krank­heits­pro­phy­la­xe, 2 % we­gen Ver­hal­tens­pro­ble­men, 14 % zur Fort­pflan­zungs­ver­hin­de­rung und 43 % zur Hal­tungs­er­leich­te­rung kas­triert.

Kastrationsgründe Rüde

Bei über 5.000 Rü­den wur­den 24 % auf Grund von me­di­zi­ni­schen In­di­ka­tio­nen, 68 % we­gen Ver­hal­tens­pro­ble­men, 5 % we­gen Ver­hin­de­rung der Fort­pflan­zung kas­triert. Hal­tungs­er­leich­te­rung trat über­haupt nicht auf.

Kastrationsgründe Hündin Mertens Unshelm - Kastration-Aufklärung Kastrationsgründe Hündin Mertens Unshelm - Kastration-Aufklärung
Kastrationsgründe Rüde Mertens Unshelm - Kastration-Aufklärung Kastrationsgründe Rüde Mertens Unshelm - Kastration-Aufklärung

Sta­tis­ti­sche Kas­tra­ti­ons­grün­de von Hün­din und Rüde

Folgen nach der Kastration – Hart & Eckstein – 1997

Eine ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­su­chung von Hart & Eck­stein (1997) er­gab: Bei 50 – 60 % der kas­trier­ten Rü­den wur­de das Urin­mar­kie­ren, Auf­rei­ten & Ag­gres­si­ons­ver­hal­ten re­du­ziert. 90 % un­ter­lie­ßen das Streu­nen.

Ter­ri­to­ri­al oder angst­ag­gres­si­ve Rü­den zeig­ten kei­ne Ver­bes­se­rung nach der Kas­tra­ti­on. In ei­ner Stich­pro­be von sie­ben Rü­den, die ag­gres­si­ve Do­mi­nanz ih­rem Hal­ter ge­gen­über zeig­ten, ha­ben sich nur zwei an­geb­lich in ih­rem Ver­hal­ten ge­än­dert.

Die Da­ten von Hart zei­gen ein­deu­tig, dass das Ver­hal­ten von spä­ter kas­trier­te Hun­den sich eher ver­bes­sert als von früh­kas­trier­ten Hun­de. Der Ver­gleich zwi­schen Hun­den & Kat­zen zeig­te, dass sich das Ver­hal­ten der Hun­de we­ni­ger bes­sert. Hart führ­te an, dass Se­xu­al­ver­hal­ten auch nach der Kas­tra­ti­on noch auf­tre­ten kann.

An­de­re Zu­sam­men­stel­lun­gen zeig­ten, dass die Res­sour­cen­ag­gres­si­on und die Do­mi­nanz­ag­gres­si­on bei kas­trier­ten Hün­din­nen um 60 % zu­neh­men.

Untersuchungen von wild lebenden Rudeln

Bei wild le­ben­den Cai­den, (Wöl­fe, Wild­hun­de, ver­wil­der­te Haus­hun­de) le­ben durch­schnitt­lich fünf Rü­den und zwei bis drei Hün­din­nen (Fä­hen) in ei­nem Ru­del.

Von die­sen Rü­den darf nur der Rang­höchs­te, ggf. auch mal der Stell­ver­tre­ter, de­cken, d.h. 70 % der Rü­den füh­ren nie ei­nen Deck­akt aus.

Von den Hün­din­nen (Fä­hen) be­kommt eben­falls nur die Rang­höchs­te oder ggf. auch noch eine zwei­te Hün­din (Fähe), je nach Res­sour­cen­la­ge, ein bis zwei­mal im Jahr Wel­pen.

Wer do­mi­nant über an­de­re ist, kann ohne Ag­gres­si­on sei­ne In­ter­es­sen durch­set­zen. Ein do­mi­nan­ter Hund kommt, sieht und nimmt sich was er möch­te. Das ist die Cha­rak­te­ris­tik ei­nes wirk­lich rang­ho­hen Tie­res, das über die an­de­ren do­mi­nant ist – da könn­ten wir Men­schen uns doch mal ein biss­chen was ab­gu­cken, oder? 0 – 5 % al­ler Hun­de­trai­nern be­kann­ter Hun­de ha­ben die Ab­sicht, über den Men­schen do­mi­nant zu sein!

Anatomie

Hormonsteuerung im Gehirn & Körper bei beiden Geschlechtern

Die Ho­den & Ei­er­stö­cke sind nur das letz­te Glied in der Ket­te, des­halb müs­sen wir uns zu­nächst mit den Ab­läu­fen im Ge­hirn des Hun­des be­schäf­ti­gen. Im Ge­hirn gibt es zwei gro­ße Hor­mon­drü­sen, die die Fort­pflan­zung steu­ern.

Die ers­te Drü­se nennt man Epi­phy­se: Sie re­gis­triert Ta­ges­län­ge & Licht­men­ge und kann da­durch die Jah­res­zeit fest­stel­len. Ist die pas­sen­de Jah­res­zeit (Früh­ling oder Herbst) ge­kom­men, schüt­tet die­ser Teil des Ge­hirns Hor­mo­ne aus und ver­setzt den Hund so in Fort­pflan­zungs­stim­mung. Auch kas­trier­te Rü­den zei­gen be­son­ders im Herbst Fort­pflan­zungs­ver­hal­ten.

Die­se In­for­ma­tio­nen wer­den durch das GnRH (Go­na­do­tro­pin-Re­leasing-Hor­mon) an die Hirn­an­hang­drü­se wei­ter­ge­ge­ben. Die­ses Hor­mon kannst du dir schon mal mer­ken, wir wer­den es spä­ter bei der che­mi­schen Kas­tra­ti­on noch ein­mal brau­chen! Die Hirn­an­hang­drü­se schüt­tet dann zwei Hor­mo­ne das FSH (Fol­li­kel Sti­mu­lie­ren­des Hor­mon) und das LH (Lut­ei­ni­sie­ren­des Hor­mon) aus. Die­se bei­den Hor­mo­ne ge­lan­gen über die Blut­bahn in die Ho­den und sti­mu­lie­ren dort die Pro­duk­ti­on der Sa­men­zel­len und des Tes­to­ste­rons. Die fer­ti­gen Sa­men­zel­len sam­meln sich in den Ne­ben­ho­den, wo­von sie in den Sa­men­lei­ter und schließ­lich durch die Harn­röh­re nach drau­ßen ge­lan­gen. Im Sa­men­lei­ter wer­den ih­nen noch Se­kre­te z.B. aus der Pro­sta­ta bei­gemischt, die da­für sor­gen, dass die Sper­mi­en be­weg­li­cher wer­den, die­nen als Weg­zeh­rung und sor­gen in der Hün­din für das rich­ti­ge Mi­lieu, da­mit das Wett­schwim­men zur Ei­zel­le be­gin­nen kann.

Die zwei­te Drü­se ist die Ne­ben­nie­ren­rin­de. Die Ne­ben­nie­ren­rin­de schüt­tet Ge­schlechts­or­ga­ne- und Stress­pro­duk­ti­on­steu­ern­de Hor­mo­ne und wei­te­re Ei­weiß­hor­mo­ne aus z.B. Oxy­to­cin, Va­sopres­sin, Pro­lak­tin. Die Hirn­an­hang­drü­se bil­det die­se Hor­mo­ne und der Hy­po­tha­la­mus steu­ert die Aus­schüt­tung über das ACTH (Ad­re­no-Car­ti­co­tro­pes Hor­mon). Die­ses Hor­mon stei­gert vor al­lem die Pro­duk­ti­on des Stress­hor­mons Cor­ti­sol und in ge­rin­ge­rem Maße auch das Se­xu­al­hor­mon in der Ne­ben­nie­ren­rin­de. Die Stress­hor­mo­ne Ad­re­na­lin (Flucht­hor­mon) und Nor­ad­re­na­lin (Kampf­hor­mon) wer­den da­ge­gen im Ne­ben­nie­ren­mark pro­du­ziert. 

Anatomie Rüde

Die Pro­duk­ti­on der Sa­men­zel­len und des männ­li­chen Ge­schlechts­hor­mons Tes­to­ste­ron ge­schieht in den Ho­den (ca. 95 %). Ein klei­ner Teil der männ­li­chen Ge­schlechts­hor­mo­ne kommt, ge­nau wie beim Men­schen, aus der Ne­ben­nie­ren­rin­de.

Anatomie Hündin

Die Eier und ein Groß­teil der weib­li­chen Ge­schlechts­hor­mo­ne, die Ös­tro­ge­ne, wer­den in den Ei­er­stö­cken pro­du­ziert. Die fer­ti­gen Eier wan­dern dann in den Wim­pernt­rich­ter und von dort in den Ei­lei­ter. Nun schwim­men sie wei­ter in die Ge­bär­mut­ter­hör­ner und wür­den sich dann bei er­folg­rei­cher Be­fruch­tung in der Ge­bär­mut­ter ein­nis­ten. Die Ge­bär­mut­ter­wand pro­du­ziert eben­falls Ös­tro­ge­ne und die Ei­er­stö­cke pro­du­zie­ren spä­ter auch das Schwan­ger­schafts­hor­mon Pro­ges­te­ron.

Operationsvarianten

Da sich im­mer noch hart­nä­ckig ei­ni­ge Ge­rüch­te über Kas­tra­ti­on und Ste­ri­li­sa­ti­on ein­ge­schli­chen ha­ben, nach­fol­gend die Er­klä­run­gen der bei­den Be­grif­fe.

Kastration

Kas­tra­ti­on be­deu­tet bei bei­den Ge­schlech­tern die Ent­fer­nung der Ge­schlechts­or­gar­ne (Ho­den & Ei­er­stö­cke). Die Hor­mon­pro­duk­ti­on fällt kom­plett, schlag­ar­tig weg und die Fort­pflan­zungs­mög­lich­keit be­steht nicht mehr! Kas­trier­te Rü­den ha­ben eine ähn­li­che Duft­stoff­zu­sam­men­set­zung wie Hün­din­nen, so dass die Rü­den für unk­as­trier­te Rü­den wie Hün­din­nen rie­chen und an ih­nen dem­entspre­chen­de Paa­rungs­ver­su­che vor­ge­nom­men wer­den.

Kas­tra­ti­on Hün­din = Ova­riek­to­mie

Sterilisation

Bei ei­ner Ste­ri­li­sa­ti­on blei­ben die Ge­schlechts­or­ga­ne in­takt und es wer­den nur der Sa­men­lei­ter beim Rü­den oder die Ei­lei­ter bei der Hün­din durch­trennt. Die Hor­mon­pro­duk­ti­on bleibt er­hal­ten, le­dig­lich die Fort­pflan­zungs­mög­lich­keit be­steht nicht mehr, d.h. die Hün­din wird wei­ter­hin läu­fig und der Rüde zeigt Se­xu­al­trieb!

Ste­ri­li­sa­ti­on Hün­din = Ovi­duk­to­mie
Ste­ri­li­sa­ti­on Rüde = Va­sek­to­mie

Hysterektomie

Eine Hys­te­rek­to­mie ist die Ent­fer­nung der Ge­bär­mut­ter bei der Hün­din und eine Ova­rio­hys­te­rek­to­mie be­zeich­net die Ent­fer­nung der Ge­bär­mut­ter & der Ei­er­stö­cke.

Mi­ni­mal­in­va­si­ve Kas­tra­ti­on

Mi­ni­mal­in­va­si­ve Kas­tra­ti­on des Rü­den

Kas­tra­ti­on Hün­din

Kas­tra­ti­on ei­ner Hün­din

Ste­ri­li­sa­ti­on Hün­din

Ste­ri­li­sa­ti­on ei­ner Hün­din

Ovar­hys­te­rek­to­mie

Ovar­hys­te­rek­to­mie ei­ner Hün­din

Chemische Kastration / Hormonelle Unterdrückung

Die che­mi­sche Kas­tra­ti­on kann durch meh­re­re Me­cha­nis­men funk­tio­nie­ren:

Downregulation

Die eine Mög­lich­keit be­steht dar­in die Hor­mon­pro­duk­ti­on zu un­ter­drü­cken (Down­re­gu­la­ti­on). Es wird das Hor­mon GnRH bzw. ein mit die­sem Hor­mon ver­wand­ter Stoff in ei­ner gro­ßen Men­ge im­plan­tiert. Der Rü­den­kör­per bil­det dann kurz­zei­tig ei­nen Über­schuss an GnRH und so­mit auch von Tes­to­ste­ron (d.h. er wird kurz­zei­tig noch se­xu­el­ler) und da­nach wird der Hor­mon­haus­halt auf ein Mi­ni­mum her­ab­ge­setzt, weil alle GnRH Re­zep­to­ren mit dem Im­plan­ta­ti­ons­stoff be­setzt sind, was ei­ner chir­ur­gi­schen Kas­tra­ti­on gleich kommt – bis auf den Um­stand, dass die Ho­den noch vor­han­den sind. Der Rüde hat da­nach we­der Tes­to­ste­ron, se­xu­ell mo­ti­vier­tes Ver­hal­ten, noch Sa­men­zel­len. Die Her­stel­ler­fir­ma ga­ran­tiert, dass nach 6 Wo­chen kei­ne Se­xu­al­hor­mo­ne mehr vor­han­den sind und der Rüde nicht mehr fort­pflan­zungs­fä­hig ist. Nach ca. 1/2 Jahr lässt die Wir­kung nach und die meis­ten Rü­den ver­hal­ten sich als wä­ren sie wie­der in der Pu­ber­tät. Die gän­gi­gen Emp­feh­lun­gen spre­chen sich ge­gen ei­nen Hor­mon­chip vor dem Ende des kör­per­li­chen Wachs­tums aus! Es gibt noch kei­ne Stu­di­en wel­che Aus­wir­kun­gen der Hor­mon­chip auf die Ver­knö­che­rung der Wachs­tums­fu­gen hat, des­halb den Chip erst nach dem Wachs­tum set­zen las­sen.

Anti-Androgen & Östrogen-Analogen

Die­se Me­tho­de wur­de vor al­lem frü­her an­ge­wen­det. Bei die­ser Maß­nah­me hat man Hor­mon-Ant­ago­nis­ten (also Ge­gen­spie­ler) oder Hor­mo­ne des an­de­ren Ge­schlechts in­ji­ziert. Ein Rüde be­kä­me also ent­we­der ein Anti-An­dro­gen, wel­ches die Wir­kung des Tes­to­ste­rons auf­hebt oder ein Ös­tro­gen-An­dro­gen, also weib­li­che Hor­mo­ne. Die­se Me­tho­de hat al­ler­dings Ne­ben­wir­kun­gen, weil die Ne­ben­wir­kun­gen der Se­xu­al­hor­mo­ne auch bei die­sen ana­lo­gen Struk­tu­ren aus­ge­löst wer­den.

Pille für die Hündin

Au­ßer­dem gibt es noch die Mög­lich­keit die Läu­fig­keit der Hün­din mit Hor­mo­nen zu un­ter­drü­cken. Wie bei der Pil­le für die Frau setzt man vor al­lem das Hor­mon Pro­ges­te­ron oder ver­wand­te Sub­stan­zen ein, um die Rei­fung der Ei­zel­len und den Ei­sprung zu ver­hin­dern. Bei der Hün­din ist die ”Pil­le” meist eine Sprit­ze, die aber häu­fig zu Ne­ben­wir­kun­gen & Pro­ble­men führt und z.B. die Ri­si­ken für Mam­ma­tu­mo­re und Ge­bär­mut­ter­ver­ei­te­run­gen stei­gen.

Eine Früh­kas­tra­ti­on soll­te un­ter kei­nen Um­stän­den in Er­wä­gung ge­zo­gen wer­den, es sei denn es gibt ei­nen trif­ti­gen me­di­zi­ni­schen Grund. Die Kas­tra­ti­on ei­nes Hun­des wird ja lei­der im­mer wie­der be­reits we­ni­ge Mo­na­te nach der Ge­burt emp­foh­len – wir ha­ben so­gar von Fäl­len ge­le­sen, bei de­nen Wel­pen schon mit 6–8 Wo­chen kas­triert wur­den. Nach­fol­gend eine sehr er­schre­cken­de, aber durch­aus üb­li­che Pas­sa­ge aus der Zucht­ord­nung ei­ner De­si­gner­ras­se (ak­tu­ell am 12.9.15):

”Der Züch­ter ga­ran­tiert, dass alle Wel­pen, die nicht zur Zucht ver­wen­det wer­den, ent­we­der ste­ri­li­siert (Hün­din) oder kas­triert (Ent­fer­nung der Ho­den beim Rü­den) wer­den. Die­ses muss ge­sche­hen, be­vor die Wel­pen dem neu­en Ei­gen­tü­mer über­ge­ben wer­den. Die­se Mass­nah­me dient dem Schutz der Ras­se XXX. Au­ßer­dem möch­te man da­mit ver­hin­dert, dass die­se Ras­se als Mas­sen­zucht miss­braucht wird. Soll­te der Wel­pe nicht kas­triert wer­den kön­nen (z.B. me­di­zi­ni­sche Grün­de), muss die­ses auf dem For­mu­lar durch den Tier­arzt und die Un­ter­schrift des Züch­ters be­stä­tigt wer­den. In die­sem Fall bleibt der Züch­ter Mit­ei­gen­tü­mer des Wel­pen. Erst nach der Durch­füh­rung der Kas­tra­ti­on geht der Wel­pe ganz in das Ei­gen­tum des Wel­pen­käu­fers über. Mus­ter­ver­trä­ge stellt XXX-Eu­ro­pe Ih­nen ger­ne zur Ver­fü­gung.”

Ab­ge­se­hen da­von, dass die­se Men­schen nicht ein­mal den Un­ter­schied zwi­schen Ste­ri­li­sa­ti­on & Kas­tra­ti­on ken­nen, den du als auf­merk­sa­mer Le­ser si­cher­lich jetzt kennst, ist die­se Pra­xis tier­schutz­wid­rig und strikt ab­zu­leh­nen.

Die­se Wel­pen müss­te be­reits dran glau­ben – ge­hör­ten sie ei­ner De­si­gner­ras­se an…

Pubertät

Den Be­ginn der Pu­ber­tät kann man meist klar er­ken­nen, das Ende wei­test­ge­hend schwie­ri­ger. Hün­din­nen kom­men in die Pu­ber­tät, wenn ein stär­ke­rer Ös­tro­gen­an­stieg zu be­ob­ach­ten ist und die ers­te Läu­fig­keit ein­tritt. Rü­den be­gin­nen das Bein­chen zum Mar­kie­ren zu he­ben und ver­hal­ten sich oft­mals et­was rü­pel­haf­ter.

Der Be­ginn der Pu­ber­tät wird durch das Erb­gut ge­steu­ert. So ge­nann­te Pu­ber­täts­ge­ne ent­wi­ckeln sich zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt und set­zen die Pro­duk­ti­on der Ge­schlechts­hor­mo­ne (GnRH) in Gang. Eine ver­früh­te Pu­ber­tät kann durch eine zu en­er­gie­rei­che Füt­te­rung er­zielt wer­den, eine Ver­zö­ge­rung kann durch Stress, Nah­rungs­man­gel oder an­de­re un­güns­ti­ge Um­welt­be­din­gun­gen ent­ste­hen! Stress vor der Pu­ber­tät hat weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen für das Ver­hal­ten des er­wach­se­nen Tie­res z.B. emo­tio­na­le In­sta­bi­li­tät, be­ein­träch­tig­te Lern- & Ge­dächt­nis­ka­pa­zi­tät & ein ge­schwäch­tes Im­mun­sys­tem. 

Durch die Pu­ber­tät wird auch die Schild­drü­se ak­tiv und bil­det das Hor­mon Thy­roxin & und ein Wachs­tums­hor­mon. Das Wachs­tums­hor­mon sorgt da­für, dass das Wachs­tum ab­ge­schlos­sen wird, die Röh­ren­kno­chen sind aus­ge­wach­sen und die Wachs­tums­fu­gen wer­den end­gül­tig ver­schlos­sen. Es er­folgt eine Än­de­rung der Dreh­mo­men­te & Dreh­ver­hält­nis­se in den Ge­len­ken durch die Stär­kung der Bän­der & Seh­nen und ei­nen stär­ke­ren Mus­kel­auf­bau. Dies be­trifft Rü­den stär­ker als Hün­din­nen, ist aber bei bei­den Ge­schlech­tern zu be­ob­ach­ten.

Eine Hün­din gilt als er­wach­sen, wenn sie drei Läu­fig­kei­ten in­klu­si­ve Schein­mut­ter­schaft durch­lebt hat. Auch Rü­den gel­ten etwa im sel­ben Al­ter wie die Hün­din als er­wach­sen (als An­halts­punkt ca. 2 Jah­re). Streng ge­nom­men wäre al­les da­vor eine Früh­kas­tra­ti­on.

Welche Auswirkungen hat eine Frühkastration auf die Entwicklung?

Im Ab­schnitt Pu­ber­tät hast du ge­le­sen, dass die Wachs­tums­hor­mo­ne das Wachs­tum ab­schlie­ßen und für ein sta­bi­les Kno­chen­ge­rüst sor­gen. Fin­det in die­sem Ent­wick­lungs­schritt nun eine Kas­tra­ti­on statt, wer­den dem Kör­per die­se wich­ti­gen Hor­mo­ne ge­nom­men.

Ske­lett­de­for­ma­tio­nen
Es kommt da­her zu ei­nem ver­stärk­ten Län­gen­wachs­tum und die Ro­bust­heit der Kno­chen nimmt ab (weil das Ver­hält­nis von Durch­mes­ser & Län­ge der Kno­chen nicht mehr stimmt). Lan­ge, schlak­si­ge Kno­chen mit un­güns­ti­gem He­bel­arm sind die Fol­ge. Da auch die sta­bi­li­sie­ren­de Mus­kel­mas­se fehlt, nei­gen früh­kas­trier­te Hun­de häu­fi­ger zu Ge­lenk­er­kran­kun­gen. Hun­de mit ei­ner ge­ne­ti­schen Dis­po­si­ti­on für HD (Hüft­ge­lenk­dys­pla­sie), ED (El­len­bo­gen­ge­lenks­dys­pl­sie) & Pa­tel­la Lu­xa­ti­on (Knie­schei­ben-Er­kran­kung) zei­gen im Er­wach­se­nen­al­ter häu­fi­ger das Auf­tre­ten die­ser Krank­hei­ten. Auch die Ge­fahr von Kreuz­band­ris­sen steigt nach­weis­lich.

Das Ner­ven­sys­tem wird eben­falls ver­än­dert. Pu­ber­tie­ren­de zei­gen ei­nen schlak­si­gen, schlen­kern­den Gang durch das un­glei­che Wachs­tum der Mus­keln, Ge­len­ke & Kno­chen.

Herz- & Kreis­lauf­erkran­kun­gen
Auch das Herz-Kreis­lauf Sys­tem wird bei den Hun­den in der Pu­ber­tät ge­stärkt, des­halb tre­ten bei vie­len früh­kas­trier­ten Hun­den Herz­schwä­chen & Kreis­lauf­pro­ble­me auf. Der Hund ist so­zu­sa­gen zu groß für sein Herz und sein Herz ist zu schwach um für sei­ne Grö­ße.

Stress­hor­mon

Das Stress­hor­mon Cor­ti­sol & das El­tern­hor­mon Pro­lak­tin schwan­ken wäh­rend der Pu­ber­tät und lö­sen die be­kann­ten Stim­mungs­schwan­kun­gen & Reiz­bar­keit aus. Die­se Hor­mon­schwan­kun­gen sind not­wen­dig um das Sys­tem auf ei­nen all­tags­taug­li­chen Wert ein­zu­stel­len und da­für zu sor­gen, dass das In­di­vi­du­um sich er­wach­sen ver­hält. Wird nun zu­fäl­lig ge­ra­de in die­ser Zeit kas­triert, kann ent­we­der die Un­si­cher­heit und Stress­an­fäl­lig­keit oder die ex­plo­si­ve Ag­gres­si­vi­tät das Ver­hal­ten der Zu­kunft sein.

Ge­hirn
Die dra­ma­tischs­te Aus­wir­kung ei­ner Früh­kas­tra­ti­on be­trifft das Ge­hirn. Der Hor­mon­cock­tail führt im Ge­hirn zu ei­ner weit­rei­chen­de Um­or­ga­ni­sa­ti­on – vie­le Ne­ben­we­ge & we­nig ge­brauch­te Zel­len wer­den ab­ge­schal­tet wäh­rend gleich­zei­tig die viel be­an­spruch­ten Zel­len wach­sen und so­gar ver­dop­pelt wer­den. Be­son­ders die Hirn­rin­de pro­fi­tiert von die­sen Um­bau­f­ak­tio­nen. Die Emp­find­lich­keit für be­stimm­te Bo­ten­stof­fe für die so­zia­le Kom­pe­tenz und das so­zia­le Bin­dungs­ver­hal­ten nimmt zu wäh­rend die Bo­ten­stof­fe für das Emo­ti­ons­ge­hirn, das lim­bi­sche Sys­tem ab­neh­men. Das be­deu­tet, dass bei glei­cher An­we­sen­heit bei­der Bo­ten­stof­fe mehr ra­tio­na­les ver­nünf­ti­ges Ver­hal­ten an den Tag ge­legt wird und we­ni­ger emo­tio­na­les Ver­hal­ten.

Bei ei­ner Früh­kas­tra­ti­on fin­det die­ser Um­bau nicht statt und die Tie­re ver­hal­ten sich ihr Le­ben lang wie Wel­pen.

Aus all die­sen Grün­den sind wir (und auch vie­le Fach­leu­te) der Mei­nung, dass es kei­ne Recht­fer­ti­gung ei­ner Kas­tra­ti­on vor der Pu­ber­tät gibt! Bei ei­ner Hün­din, die aus me­di­zi­ni­schen Grün­den kas­triert wird, soll­te man die Kas­tra­ti­on bis min­des­tens nach der zwei­ten Läu­fig­keit und ih­rer Fol­gen hin­zie­hen. Glei­ches gilt bei ei­nem Ho­den­hoch­stand bei Rü­den. Du soll­test dem Hund eine Ver­hal­tens­rei­fung zu­ge­ste­hen, so­weit dies ir­gend­wie me­di­zi­nisch ver­tret­bar ist.

Wer be­reits ei­nen zu früh kas­trier­ten Hund er­wor­ben hat, dem soll­te sei­ne Ver­ant­wor­tung be­wusst sein. Phy­sio­the­ra­pie, Kno­chen- und Mus­kel­auf­bau, ver­hal­tens­sta­bi­li­sie­ren­de und stress­be­wäl­ti­gen­de Trai­nings­an­sät­ze soll­ten ver­stärkt zum Ein­satz kom­men.

Hormone unter dem Einfluss einer Kastration

Prolaktin – Elternhormon

Pro­lak­tin sorgt für die Milch­bil­dung und müt­ter­li­ches Ver­hal­ten bei Säu­ge­tie­ren und tritt so­wohl bei weib­li­chen als auch männ­li­chen Tie­ren auf. Das Pro­lak­tin steu­ert auch männ­li­ches Brut­pfle­ge­ver­hal­ten z.B. spie­len Rü­den mit dem Nach­wuchs, be­schüt­zen ihn und brin­gen Fut­ter. Au­ßer­dem ist das Brut­pfle­ge­ver­hal­ten auf den Nach­wuchs des ei­ge­nen Ru­dels be­schränkt, frem­der Nach­wuchs wird oft­mals häu­fig at­ta­ckiert und ge­tö­tet (In­fan­ti­zid). Sind die ei­ge­nen Jung­tie­re noch so klein, dass sie ihr Nest nicht ver­las­sen kön­nen, wer­den alle Jung­tie­re, die sich vor dem Nest be­fin­den an­ge­grif­fen. Erst wenn die Jung­tie­re das Nest ver­las­sen, wer­den nur noch Jung­tie­re an­ge­grif­fen, die nicht zum Ru­del ge­hö­ren. Die­ser Me­cha­nis­mus greift auch bei Hun­den und so wer­den oft frem­de Wel­pen, Jung­hun­de und auch Kin­der at­ta­ckiert. Um­ge­kehrt wirkt aber auch ein Kind­chen­sche­ma oder Ge­rü­che stark auf die Pro­lak­tin­pro­duk­ti­on und Hun­de von Schwan­ge­ren nei­gen z.B. zu ei­ner er­höh­ten Ver­tei­di­gung.

Wöl­fe ha­ben egal ob kas­triert oder nicht je­des Jahr im Früh­jahr ei­nen An­stieg an Pro­lak­tin. Bei männ­li­chen Tie­ren wirkt das Tes­to­ste­ron zu­sam­men mit dem Pro­lak­tin und führt zu Brut­pfle­ge- & Jung­tier­be­treu­ungs­ver­hal­ten. Rü­den mit viel Tes­to­ste­ron hem­men das Pro­lak­tin und sind kei­ne gu­ten Vä­ter (Ma­chos).

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on: Fehlt das Tes­to­ste­ron z.B. durch eine Kas­tra­ti­on völ­lig, kann ge­stei­ger­te Ag­gres­si­on bei An­we­sen­heit von Jung­tie­ren auf­tre­ten. Kas­trier­te Hün­din­nen hin­ge­gen kön­nen trotz­dem schein­träch­tig wer­den, wenn man ih­nen ein Baby ”un­ter­schiebt” und sie ver­tei­di­gen die­ses auch. Oft­mals kommt es so­gar zu ei­nem ge­schwol­le­nen Ge­säu­ge und auch Milch­ein­schuss kann auf­tre­ten.

Noradrenlin & Adrenalin – Stresshormone

Nor­ad­re­na­lin & Ad­ren­la­lin sind Stress­hor­mo­ne, die in der Ne­ben­nie­ren­rin­de pro­du­ziert wer­den und als Bo­ten­stof­fe un­ter an­de­rem im Ge­hirn ar­bei­ten. Un­ter Dau­er­stress­ste­hen­de Hun­de, neh­men häu­fig ab, auch wenn man sie mit en­er­gie­rei­chem Fut­ter füt­tert. Die­se Hun­de nei­gen zu Herz-Kreis­lauf­erkran­kun­gen.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on: Nach ei­ner Kas­tra­ti­on sinkt all­ge­mein die Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tät, da Tes­to­ste­ron die Zell­ver­bren­nung er­höht. Bei ei­nem stark Nor­ad­ren­lain & Ad­re­na­lin ge­steu­er­ten Hund kann es zu ei­ner Ge­wichts­zu­nah­me kom­men, al­ler­dings soll­te dies nicht als The­ra­pie in Be­tracht ge­zo­gen wer­den. Hier muss über Stress­ma­nage­ment und Ver­hal­tens­be­ein­flus­sung ge­ar­bei­tet wer­den.

Vasopressin – Eifersuchtshormon

Va­sopres­sin ver­ur­sacht ag­gres­si­ve- und Ei­fer­suchts­re­ak­tio­nen (Part­ner­schutz­funk­ti­on). Es er­mög­licht aber auch die in­di­vi­du­el­le Er­ken­nung ei­nes Part­ners. Es ar­bei­tet eng mit dem Ja­cob­son­schen Or­gan zu­sam­men, so dass ein Hund Ent­zün­dungs­fak­to­ren im Kör­per­ge­ruch ei­nes Art­ge­nos­sen wahr­neh­men kann.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on: Hun­de, die ih­ren Hal­ter aus Ei­fer­sucht her­aus be­wa­chen und ver­tei­di­gen, sind nicht durch eine Kas­tra­ti­on be­ein­fluss­bar.

Oxytocin – Bindungshormon

Oxy­to­cin sorgt für eine so­zia­le Bin­dung und dämpft den Stress. Der Name Oxy­to­cin kommt aus dem Grie­chi­schen und be­deu­tet ”schnel­le Ge­burt”, wes­halb es vor al­lem in der Ge­burts­vor­be­rei­tung be­kannt ist. Es re­gelt den Milch­ein­schuss, die We­hen­tä­tig­keit und sorgt für die per­sön­li­che Er­ken­nung der Jung­tie­re.

Au­ßer­dem weiß man, dass es von vie­len Tie­ren aus­ge­schüt­tet wird, wenn zwi­schen ei­nem Bin­dungs­part­ner eine Wohl­fühl­wir­kung ent­steht z.B. ver­schafft ein Blick­kon­takt oder eine Spiel­auf­for­de­rung dem Men­schen ei­nen er­höh­ten Oxy­to­cin­spie­gel. Um­ge­kehrt er­hö­hen Mas­sa­gen & Strei­chel­ein­hei­ten den Oxy­to­cin­spie­gel des Hun­des.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on: Wer­den die Oxy­to­cin­re­zep­to­ren un­ter­drückt, fehlt dem Le­be­we­sen die Bin­dungs­fä­hig­keit und aus ei­nem mo­no­ga­men Tier wird plötz­lich ein auf One Night Stands ste­hen­der Hal­lo­dri.

Cortisol – passives Stresshormon

Cor­ti­sol ist ei­nes der wich­tigs­ten Hor­mo­ne, die man bei ei­ner Kas­tra­ti­on be­trach­ten soll­te. Cor­ti­sol hat eine gan­ze Rei­he von Aus­wir­kun­gen auf das Ver­hal­ten und die Ge­sund­heit ei­nes Tie­res. Se­xu­al­hor­mo­ne & Oxy­to­cin & Se­ro­to­nin dämp­fen den Cor­tisol­spie­gel und ha­ben also eine angst­lö­sen­de Ne­ben­wir­kung. Ein er­höh­ter Cor­tisol­spie­gel be­zeich­net man als An­pas­sungs­krank­heit. Ein Tier, das mit sei­nem Le­ben über­for­dert ist (Kon­troll­ver­lust) schraubt sei­ne Er­war­tun­gen an sich selbst und sei­ne Um­welt im­mer wei­ter zu­rück. Ty­pi­sches Ver­hal­ten sind In­ak­ti­vi­tät, De­pres­si­on, Lern- Ge­dächt­nis­schwä­che, Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me, man­geln­de Neu­gier, Schwie­rig­kei­ten bei der Ab­spei­che­rung von be­reits ge­lern­tem und nicht er­hol­sa­mer Schlaf. Es ste­hen aber auch Fut­ter­ag­gres­si­on, de­fen­si­ve Ter­ri­to­ri­al­ver­tei­di­gung und der ge­sam­te Kom­plex von Angst & Angst­ag­gres­si­on un­ter die­sem Sys­tem. Kör­per­li­che Aus­wir­kun­gen sind Mus­kel- & Ei­weiß­ab­bau, Im­mun­schwä­che, Nei­gung zu Dia­be­tes Typ 2, Ver­än­de­rung der Herz­tä­tig­keit so­wie er­hö­het Be­las­tung der Le­ber & Nie­ren durch den Ab­trans­port der Ei­weiß- & Stick­stoff­res­te.

Cor­ti­sol spielt aber auch eine po­si­ti­ve Rol­le zur ta­ges­pe­ri­odi­schen Steue­rung des Stoff­wech­sels und der Ver­dau­ungs­tä­tig­keit. Sei­ne Aus­wir­kun­gen hän­gen von der Kon­zen­tra­ti­on ab (nied­rig = po­si­tiv, hoch = ne­ga­ti­ve Aus­wir­kung). Se­xu­al­hor­mo­ne dämp­fen das Cor­ti­sol. Die frü­her an­ge­wand­te che­mi­sche Kas­tra­ti­on hat­te Ein­fluss auf den Cor­tisol­spie­gel, der so zu ei­nem völ­lig falsch ein­ge­schätz­ten Ver­hal­ten nach der Kas­tra­ti­on führ­te.

Ein­fluss der Kas­tra­ti­on:

Ver­ängs­tig­te, ver­un­si­cher­te, fut­ter­ag­gres­si­ve, de­fen­siv ter­ri­to­ri­al­ag­gres­si­ve, lei­nen­ag­gres­si­ve Hun­de soll­ten kei­nes­falls kas­triert wer­den, da ihre Un­si­cher­heit & Stress­an­fäl­lig­keit nur noch zu­neh­men wür­de und die Ag­gres­sio­nen stär­ker wer­den. Wan­der­po­kal­hun­de, die stän­dig ih­ren Be­sit­zer wech­seln und / oder nicht al­lein blei­ben kön­nen (Tren­nungs­angst) soll­ten eben­falls nicht kas­triert wer­den.

Serotonin – Stimmungsaufheller

Se­ro­to­nin gibt es so­wohl als Bo­ten­stoff im Ge­hirn als auch als Hor­mon zur Ver­dau­ungs­tä­tig­keit. Es wird aber auch mit ag­gres­si­vem Ver­hal­ten in Ver­bin­dung ge­bracht. Bei der ge­ne­tisch dia­po­si­tio­nier­ten Co­cker- & Re­trie­ver­wut ha­ben die be­trof­fe­nen Tie­re ei­nen zu ge­rin­gen Se­ro­ton­in­spie­gel und be­son­ders aus­ge­präg­te Re­zep­tor­bin­dungs­stel­len. Es tre­ten dann plötz­li­che Wut­aus­brü­che & Ag­gres­sio­nen auf.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on:

Eine Kas­tra­ti­on kann eine se­ro­to­nin­be­ding­te Ag­gres­si­on nicht ver­hin­dern.

Dopamin – Selbstbelohnungshormon

Do­pa­min wird im­mer dann pro­du­ziert, wenn das Tier sich selbst ein Er­folgs­er­leb­nis ver­schafft, egal ob die­ses durch das Lö­sen ei­ner Auf­ga­be, eine ag­gres­si­ve At­ta­cke oder eine se­xu­el­le Be­tä­ti­gung ent­steht. Do­pa­min­man­gel führt häu­fig zu ste­reo­ty­pem Ver­hal­ten, z.B. ram­melt der Hund ein Ho­sen­bein oder sein Kis­sen. Nicht im­mer ist die­ses Ram­meln aber hy­per­se­xu­ell, son­dern meist fehlt das ty­pi­sche Wer­be­ver­hal­ten wie z.B: zäh­flies­sen­der Spei­chel zur Ak­ti­vie­rung des Ja­cob­son­schen Or­gans und Zäh­ne­klap­pern. Hun­de, die ein Er­satz­ob­jekt ram­meln, sind meist von Stress ge­trie­ben oder lei­den an Lan­ge­wei­le.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on:

Hun­de, die se­xu­el­les Ver­hal­ten ste­reo­typ zei­gen, wer­den es nach der Kas­tra­ti­on noch ver­mehrt zei­gen, da sie meist ”Do­pa­min­ab­hän­gig” sind. Do­pa­min wird näm­lich schon vor der ei­gent­li­chen se­xu­el­len Ak­ti­on aus­ge­schüt­tet, so sind auch Kas­tra­ten noch in der Lage eine Hün­din zu de­cken.

Testosteron – Erfolgshormon

Etwa 5 % der Se­xu­al­hor­mo­ne (Tes­to­ste­ron & Ös­t­ra­di­ol) wer­den in der Ne­ben­nie­ren­rin­de pro­du­ziert. Er­lebt das Tier ei­nen Er­folg z.B. ei­nen ge­won­ne­nen Kampf, er­höht sich der Tes­to­ste­ron­spie­gel. Kör­per­li­che Sym­pto­me ei­nes ver­stärk­ten Tes­to­ste­ron­spie­gels sind ver­stärk­te Ro­bust­heit der Kno­chen im Be­reich des Schä­dels, Vor­der­ex­tre­mi­tä­ten und des Schul­ter­gür­tels, eine Ver­stär­kung der Ske­lett­mus­ku­la­tur, er­höh­ter Grund­stoff­wech­sel in der Zell­at­mung. Ein er­höh­ter Tes­to­ste­ron­spie­gel führt zu­nächst zur Er­hö­hung des Balz- und Wer­be­ver­hal­tens und zur Si­che­rung des So­zi­al­sta­tus. Die Hun­de sind selbst­si­che­rer und zei­gen Mar­kier­ver­hal­ten und ha­ben grö­ße­re Streif­ge­bie­te. Tes­to­ste­ron sorgt auch für Duft­stof­fe im Urin und in der Anal­drü­se.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on:

Die Ne­ben­nie­ren­rin­de ist sehr emp­find­lich – die Zu­ga­be oder Weg­nah­me von Se­xu­al­hor­mo­nen füh­ren zu ei­nem Un­gleich­ge­wicht und es kommt zu star­ken das Ver­hal­ten be­ein­flus­sen­den Ne­ben­wir­kun­gen.

Markierverhalten

Mar­kie­ren ist ein völ­lig nor­ma­les bio­lo­gi­sches Ver­hal­ten, das aber lei­der im­mer wie­der als Grund für eine Kas­tra­ti­on her­an­ge­zo­gen wird. Die Kas­tra­ti­on be­ein­flusst das Mar­kier­ver­hal­ten in den sel­tens­ten Fäl­len, dies be­legt eine Stu­die über das Da­ne­ben – und Über­mar­kier­ver­hal­ten von Hun­den. Es wur­den Urin­mar­kie­run­gen von La­bra­do­ren in de­ren Um­ge­bung und Hun­de in ei­nem Aus­lauf in Chi­ca­go be­ob­ach­tet.

Zu­nächst wur­de zwi­schen Über­mar­kie­ren & Da­ne­ben­mar­kie­ren un­ter­schie­den. Es wur­den so­wohl kas­trier­te als auch unk­as­trier­te Rü­den & Hün­din­nen und auch de­ren Ru­ten­hal­tung un­ter­sucht.

Die Stu­die zeig­te, dass so­wohl kas­trier­te als auch unk­as­trier­te Hun­de re­gel­mä­ßig über und ne­ben Duft­mar­kie­run­gen uri­nier­ten. Bei der ex­pe­ri­men­tel­len Prä­sen­ta­ti­on von Urin mar­kier­ten nur in­tak­te Rü­den über den Urin von in­tak­ten Hün­din­nen und ihre Ru­ten­pos­ti­ti­on zeig­te da­bei ei­nen er­höh­ten Sta­tus. Da­ne­ben­mar­kiert wur­de nur bei un­be­kann­ten Urin­mar­ken und war we­der vom Ge­schlecht noch von der Ru­ten­po­si­ti­on be­ein­flusst. Da­ne­ben­mar­kie­run­gen und Über­mar­kie­run­gen nah­men so­wohl in­tak­te Hun­de als auch Kas­tra­ten vor – un­ab­hän­gig vom Ge­schlecht.

Im Hun­de­aus­lauf stell­te man fest, dass so­wohl Rü­den als auch Hün­din­nen mit glei­cher Wahr­schein­lich­keit Urin­mar­kie­run­gen un­ter­such­ten und über­mar­kier­ten. Tie­re mit ho­her Rute mar­kier­ten öf­ter als Hun­de mit nied­ri­ger Rute.

Man deu­tet die Stu­die wie folgt: Das Über­mar­kie­ren von in­tak­ten Rü­den über Urin in­tak­ter Hün­din­nen dient dazu, den se­xu­el­len Sta­tus auf sie auf­recht­zu­er­hal­ten und ih­ren Duft zu ver­schlei­ern. Das Über­mar­kie­ren & Da­ne­ben­mar­kie­ren von weib­li­chen & kas­trier­ten Hun­den (bei­der­lei Ge­schlechts) scheint eher der Auf­recht­erhal­tung so­zia­ler Be­zie­hun­gen & even­tu­ell Res­sour­cen­ver­tei­di­gung zu die­nen.

Das be­deu­tet also, dass bei Kas­tra­ten nur ein ganz ge­rin­ger Teil das Mar­kier­ver­hal­ten be­ein­flusst. Das Daneben‑, Ge­gen- & Über­mar­kie­ren von Kas­tra­ten scheint in bei­den Ge­schlech­tern of­fen­sicht­lich un­ab­hän­gig!

Hart­nä­ckig hält sich das Ge­rücht, dass eine Kas­tra­ti­on bei der Hün­din das Ri­si­ko für Ge­säu­ge­tu­mo­re & Ge­bär­mut­ter­ent­zün­dun­gen senkt. Das Ge­säu­ge ge­hört streng ge­nom­men über­haupt nicht zu den Ge­schlechts­or­ga­nen ei­ner Hün­din, son­dern zählt zu den Haut­drü­sen!

Na­tür­lich be­kommt eine Hün­din, de­ren Ge­bär­mut­ter ent­fernt wird, so gut wie kei­ne Ge­bär­mut­ter­ent­zün­dung mehr, aber es recht­fer­tigt im me­di­zi­ni­schen und ju­ris­ti­schen Sin­ne nicht die vor­beu­gen­de Kas­tra­ti­on! Wer bei sei­ner Hün­din nach der Läu­fig­keit auf fol­gen­de Sym­pto­me ach­tet, soll­te vor die­ser Krank­heit re­la­tiv si­cher sein: Ver­mehr­tes Trin­ken, er­höh­te Tem­pe­ra­tur, Mat­tig­keit, Schei­den­aus­fluss. Das Ri­si­ko an ei­ner Ge­bär­mut­ter­ent­zün­dung zu er­kran­ken ist weit­aus ge­rin­ger, als die Fol­gen ei­ner Kas­tra­ti­on z.B. wer­den 2/3 al­ler Hün­din­nen grö­ße­rer Ras­sen (z.B. Bo­xer) in­kon­ti­nent, die dann ihr Le­ben lang be­han­delt wer­den müs­sen.

In un­se­rer Pen­si­ons­zeit hat­ten wir z.B. eine Do­ber­mann­hün­din, die prak­tisch mehr bei uns als bei ih­rem Hal­ter war (aber das spielt ei­gent­lich kei­ne Rol­le), aber sie muss­te je­den Tag Me­di­ka­men­te be­kom­men, um das Urin­tröp­feln zu ver­hin­dern. Au­ßer­dem war ihr Hun­de­bett mit ei­ner Fo­lie ab­ge­deckt und die De­cke dar­über muss­te ich häu­fig wa­schen, da sie trotz Me­di­ka­men­te beim Schla­fen im­mer noch Urin ver­lor. Auch un­se­re Hun­de hin­gen mit ih­rer Nase stän­dig an ihr, was der Hün­din sicht­lich un­an­ge­nehm war.

Es gibt au­ßer­dem Ri­si­ken wie z.B. die hor­mo­nel­le Un­ter­drü­ckung der Läu­fig­keit ei­ner Hün­din, die eine Ge­bär­mut­ter­ent­zün­dung noch för­dern. Kas­trier­te Hün­din­nen nei­gen zu Über­ge­wicht durch eine zu en­er­gie­rei­che & ei­weiß­rei­che Füt­te­rung im ers­ten Le­bens­jahr, die­ser Um­stand kann Tu­mo­re so­gar noch för­dern.

Un­ter 8% al­ler Hün­din­nen über 8 Jah­re er­kran­ken an Ge­säu­ge­tu­mo­ren. Be­trach­tet man alle Hün­din­nen sind es ge­ra­de mal un­ter 2 %, die be­trof­fen sind. Die Wahr­schein­lich­keit ei­nen Ge­bär­mut­ter­tu­mor zu be­kom­men liegt bei 0,4 %. Die Wahr­schein­lich­keit, dass die­ser bös­ar­tig ist, liegt bei ge­ra­de mal 0,003 %. Das Ge­rücht, dass Hun­de­hal­tern im­mer wie­der er­zählt wird, ent­spricht also nicht der Wahr­heit!

Scheinträchtigkeit

Bei al­len Hün­din­nen (auch Wöl­fe & Fuch­se) schließt sich nach dem Ei­sprung und der Stand­hit­ze eine Schein­träch­tig­keit an. Die Gelb­kör­per im Ei­er­stock der Hün­din blei­ben näm­lich so lan­ge ak­tiv, wie auch eine ech­te Träch­tig­keit dau­ern wür­de und ge­ben da­bei Pro­ges­te­ron ab. Die­ses Hor­mon ver­än­dert die Stoff­wech­sel­tä­tig­keit und das Ver­hal­ten der Hün­din. Sie wird an­häng­li­cher, so­zi­al mo­ti­vier­ter & häus­li­cher. In ei­nem So­zio­gramm von Rot­hun­den im Schwe­ri­ner Zoo konn­te ge­zeigt wer­den, dass zwei Mo­na­te nach der Läu­fig­keit be­son­ders viel so­zia­le In­ter­ak­ti­on ge­zeigt wur­de z.B. Bin­dungs­lie­gen, Na­sen­stup­sen, Fell­wit­tern etc. Eine Schein­träch­tig­keit äu­ßert sich durch Ge­säu­ge­schwel­lun­gen bis zur Milch­bil­dung, Gra­ben von Lö­chern (Wurf­höh­len), hü­ten von Quietsch­spiel­zeug & all­ge­mein müt­ter­li­chem Ver­hal­ten z.B. un­ger­nes Ver­las­sen der Be­hau­sung. Ist die Schein­träch­tig­keit sehr aus­ge­prägt soll­te die­se me­di­ka­men­tös un­ter­bun­den wer­den, man soll­te al­ler­dings be­ach­ten, dass der häu­fig dazu ver­wen­det Wirk­stoff Ca­ber­go­lin ein Ak­ti­va­tor für Ad­re­na­lin / Nor­ad­re­na­lin ist. Es kann da­her zu ei­ner er­höh­ten Kampf- & Flucht­be­reit­schaft kom­men.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on:

Wird die Hün­din wäh­rend der Schein­träch­tig­keit kas­triert, neigt sie zu Un­si­cher­heit und psy­chi­scher In­sta­bi­li­tät, da ihr Hor­mon­haus­halt nicht im Gleich­ge­wicht ist.

Rüdin

Eine Rü­din ist eine Hün­din, die ei­nen er­höh­ten Tes­to­ste­ron­spie­gel auf­weist und sich eher rü­pel­haft ver­hält und beim Mar­kie­ren das Bein hebt. Die­se Hün­din­nen äh­neln ei­nem Rü­den, durch eine be­son­ders kräf­ti­ge, mus­ku­lö­se Sta­tur und zei­gen meist auch deut­lich männ­li­ches Pa­troul­lier­ver­hal­ten, strei­fen oft wei­ter um­her und nei­gen auch zu Re­vier­ver­tei­di­gung.

Ur­säch­lich für sol­che Hün­din­nen ist ein vor­ge­burt­li­cher Tes­to­ste­ron­schub, der z.B. durch das Um­ge­ben­sein männ­li­cher Bru­der­em­bryo­nen oder durch eine be­reits tes­to­ste­ron­ge­steu­er­te Mut­ter­hün­din zu Stan­de kommt.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on:

Sol­che Hün­din­nen dür­fen auf kei­nen Fall kas­triert wer­den, da sie nach ei­ner Kas­tra­ti­on noch rü­pel­haf­ter wür­den.

Yellowstone Walk August Bild 4 - Kastration-Aufklärung Yellowstone Walk August Bild 4 - Kastration-Aufklärung
Yellowstone Walk August Bild 6 - Kastration-Aufklärung Yellowstone Walk August Bild 6 - Kastration-Aufklärung
Yellowstone Walk August Bild 9 - Kastration-Aufklärung Yellowstone Walk August Bild 9 - Kastration-Aufklärung
Yellowstone Walk August Bild 8 - Kastration-Aufklärung Yellowstone Walk August Bild 8 - Kastration-Aufklärung

Aus­sies un­ter­schied­li­chen Ge­schlechts und Al­ters spie­len zu­sam­men – alle nicht kas­triert!

Wann die Hündin am optimalsten kastrieren?

Wenn eine Hün­din kas­triert wer­den muss – ohne dass ein Not­fall vor­liegt – wäre die Pha­se des Anös­trus die bes­te und ei­gent­lich auch ein­zig sinn­volls­te Zeit. In die­ser Pha­se ist der Hor­mon­haus­halt der Hün­din am aus­ge­gli­chens­ten. Wird die Hün­din in ei­ner an­de­ren Pha­se des Zy­klu­ses kas­triert kommt es zu ei­nem hor­mo­nel­len Un­gleich­ge­wicht, und die Hün­din zeigt häu­fig star­ke Ver­un­si­che­rung und eine psy­chi­sche In­sta­bi­li­tät.

Ganz be­son­ders gilt dies für Hün­din­nen, die wäh­rend der Schein­träch­tig­keit oder kurz nach ei­ner Ge­burt z.B. bei ei­nem Kai­ser­schnitt kas­triert wer­den. Man soll­te ei­ner sol­chen Hün­din des­halb eine zwei­te Nar­ko­se und Ope­ra­ti­on nach der Auf­zucht der Wel­pen zu­mu­ten!

Wann den Rüden am optimalsten kastrieren?

Wenn durch eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung ent­schie­den wur­de den Rü­den zu kas­trie­ren, dann soll­te man – in­so­fern kein Not­fall vor­liegt – ihn mit etwa 2 – 3 Jah­ren kas­trie­ren, nach­dem das Grö­ßen­wachs­tum und die Pu­ber­tät ab­ge­schlos­sen ist.

Wann auf keinen Fall kastrieren?

Es gibt im­mer wie­der Ver­hal­tens­wei­sen von Hun­den, bei de­nen eine Kas­tra­ti­on ab­so­lut nicht an­zu­ra­ten ist, es aber trotz­dem im­mer wie­der ge­tan wird. Ei­nen ers­ten Ein­blick hast du schon in dem Ka­pi­tel Hor­mo­ne un­ter dem Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on ge­le­sen.

Jagen

Ähn­lich hart­nä­ckig wie das Ge­rücht der Ge­säu­ge­tu­mo­re hält sich das Ge­rücht, dass man mit ei­ner Kas­tra­ti­on das Ja­gen ei­nes Hun­des ver­hin­dern könn­te. Die An­nah­me ist aus bio­lo­gi­scher und neu­ro­py­sio­lo­gi­scher Sicht falsch. Jagd­ver­hal­ten ent­steht in ganz an­de­ren Re­gio­nen im Ge­hirn, als Ag­gres­si­on, die im­mer wie­der mit dem Jagd­ver­hal­ten in Ver­bin­dung ge­bracht wird. Jagd­ver­hal­ten ent­steht im Hy­po­tha­la­mus und wird über den Bo­ten­stoff Ace­tyl­cho­lin ge­steu­ert. In­ter­es­sant ist, dass die­ser Bo­ten­stoff häu­fig bei epi­lep­ti­schen An­fäl­len be­tei­ligt ist, des­halb zei­gen er­krank­te Tie­re Ver­hal­te wie Flie­gen schnap­pen, Schat­ten ja­gen und an­de­re aus dem Beu­te­fang­ver­hal­ten stam­men­de Ver­hal­tens­wei­sen.

Ag­gres­si­on hin­ge­gen ent­steht im Emo­ti­ons­ge­hirn und die Bo­ten­stof­fe Do­pa­min, Nor­ad­re­na­lin & Se­ro­to­nin habe ich ja wei­ter oben schon be­han­delt. Auch ver­hal­tens­bio­lo­gisch gibt es Un­ter­schie­de zwi­schen Ja­gen & Ag­gres­si­on. Beim Ja­gen wird die In­di­vi­du­al­di­stanz ver­rin­gert und es gibt kei­ne Vor­war­nung. Bei Ag­gres­si­on wird die In­di­vi­du­al­di­stanz ver­grö­ßert und meist durch Knur­ren etc. vor­ge­warnt.

Ein­fluss ei­ner Kas­tra­ti­on:

Bei Hun­den & Kat­zen gibt es Er­fah­rungs­wer­te & Stu­di­en. Ins­be­son­de­re Rü­den sind nach der Kas­tra­ti­on stär­ker jagd­lich mo­ti­viert, weil sie durch die feh­len­den Ge­schlechts­hor­mo­ne nichts An­de­res mehr im Sinn ha­ben. Bei Kat­zen dämp­fen alle Se­xu­al­hor­mo­ne den Jagd­trieb. Kas­trier­te Kat­zen sind des­halb bei der Jagd er­folg­rei­cher und ja­gen mehr als in­tak­te Tie­re.

Jagd­lich mo­ti­vier­te Tie­re soll­ten also auf kei­nen Fall – es sei denn aus me­di­zi­ni­schen Grün­den – kas­triert wer­den!

Unsicherheit / Angst

Bei un­si­che­ren Hun­den, die ihre Un­si­cher­heit durch Ag­gres­si­on aus­drü­cken, wird lei­der auch im­mer wie­der zur Kas­tra­ti­on ge­ra­ten. So­wohl die Bie­le­fel­der Kas­tra­ti­ons­stu­die als auch aus hor­mon­psy­cho­lo­gi­scher Sicht gilt es un­ter Tier­ärz­ten als Kunst­feh­ler angst­ag­gres­si­ve (bzw. angst­ge­steu­er­te) Rü­den zu kas­trie­ren.

Un­si­che­re Tie­re re­agie­ren meist mit Ag­gres­si­on, ohne vor­her vor­zu­war­nen, weil sie die Si­tua­ti­on als le­bens­be­droh­lich emp­fin­den und es ein Nach­teil wäre, den Geg­ner vor­her zu war­nen. Manch­mal ist die Ag­gres­si­on nur schwer von Beu­te­fang­ver­hal­ten un­ter­scheid­bar, aber da in bei­den Fäl­len eine Kas­tra­ti­on kon­tra­pro­duk­tiv wäre, ist es mü­ßig dar­über zu dis­ku­tie­ren aus wel­chem Grund der Hund die­ses Ver­hal­ten zeigt.

Es zäh­len auch Hun­de zu die­sem Ver­hal­tens­kreis, die aus Un­si­cher­heit her­aus z.B. Res­sour­cen ver­tei­di­gen. Ihr Ver­hal­ten ist Cor­ti­sol ge­steu­ert.

Bei der de­fen­si­ven Ter­ri­to­ri­al­ver­tei­di­gung ei­nes Cor­ti­sol ge­steu­er­ten Rü­dens ist eine Kas­tra­ti­on eben­falls nicht an­ge­bracht. Bei Hün­din­nen muss man den Zy­klus be­rück­sich­ti­gen.

Hun­de, die aus un­güns­ti­gen Hal­tungs­be­din­gun­gen kom­men, Tier­heim­hun­de oder im­por­tier­te Hun­de aus dem Aus­land, die dann auch noch eher eine zu­rück­hal­ten­de Per­sön­lich­keit ha­ben (B‑Typ) soll­ten eben­falls nicht kas­triert wer­den.

Bei un­si­che­ren Tes­to­ste­ron ge­steu­er­ten Hün­din­nen (Rü­din) kann eine Kas­tra­ti­on eine Bes­se­rung er­zie­len, weil dann mehr Tes­to­ste­ron pro­du­ziert wird, was die Stress­hor­mo­ne dämpft.

Ganz­jäh­rig un­si­che­re, eher weib­li­che­re Hün­din­nen, die Ös­tro­gen ge­steu­ert sind, ver­schlim­mern sich nach ei­ner Kas­tra­ti­on.

Hün­din­nen, die nur wäh­rend der Läu­fig­keit un­si­cher sind, kann mit ei­ner Kas­tra­ti­on ge­hol­fen wer­den, da die Läu­fig­keit dann nicht mehr auf­tritt. Tritt die Un­si­cher­heit je­doch in der Schein­träch­tig­keit auf und ist wo­mög­lich durch Au­ßen­rei­ze in­di­ziert, kann eine Kas­tra­ti­on kei­ne Lö­sung brin­gen.

Ca. 60 % al­ler kas­trier­ten Hün­din­nen sind nach der Kas­tra­ti­on durch eine er­höh­te Res­sour­cen­ver­tei­di­gung auf­fäl­lig, was für eine er­höh­te Cor­tisol­steue­rung nach der Kas­tra­ti­on spricht.

Medizinische Gründe

Erkrankungen des Rüden

Hodentumor / Analtumor

Etwa 15 % der Rü­den wer­den we­gen ei­ner gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie (Ver­grö­ße­rung der Pro­sta­ta), vor al­lem äl­te­re Rü­den be­tref­fend, kas­triert. 6 % we­gen Neu­bil­dung und 3 % we­gen Ho­den­ent­zün­dung. Eine Kas­tra­ti­on senkt zwar das Ri­si­ko ei­ner Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung aber das Ri­si­ko ei­nes Pro­sta­ta­tu­mors steigt. Für Rü­den mit ei­ner gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung gibt es glück­li­cher­wei­se eine Al­ter­na­tiv­the­ra­pie: Ein Prä­pa­rat mit an­ti­an­dro­ge­ner Wir­kung, das nur die Pro­sta­ta be­ein­flusst.

Hodenentzündung

Ho­den­ent­zün­dun­gen sind kein Grund für eine Kas­tra­ti­on, sie kann mit ei­ner er­höh­ten Gabe von Tes­to­ste­ron ku­riert wer­den.

Vorhautentzündung

Bei ei­ner wie­der­keh­ren­den Vor­haut­ent­zün­dung ist ab­zu­wä­gen, ob es sich da­bei um eine Un­an­nehm­lich­keit han­delt, die den Rü­den meist am al­ler­we­nigs­ten stört, und ob die ge­sund­heit­li­chen Fol­gen & Ver­hal­tens­än­de­run­gen ei­ner Kas­tra­ti­on trag­bar sind.

Kryptorchismus

Ein Son­der­fall für eine Kas­tra­ti­on ist der Kryptor­chis­mus, der man­geln­de oder un­voll­stän­di­ge Ab­stieg der Ho­den in den Ho­den­sack. Im Bauch­raum ver­blei­ben­de Ho­den ha­ben eine hö­he­re Ten­denz zur tu­mo­rö­sen Ent­ar­tung und pro­du­zie­ren meist über­durch­schnitt­li­che vie­le weib­li­che Hor­mo­ne. Es wird dazu ge­ra­ten den im Bauch­raum ver­blie­be­nen Ho­den zu ent­fer­nen und den im Ho­den­sack kor­rekt ge­la­ger­ten Ho­den durch Ste­ri­li­sa­ti­on un­frucht­bar zu ma­chen, da­mit sich die Erb­krank­heit ”man­geln­der Ho­den­ab­stieg” in der Po­pu­la­ti­on nicht wei­ter ver­brei­tet.

Sind bei­de Ho­den im Bauch­raum soll­te nicht vor der Pu­ber­tät ope­riert wer­den. Liegt nur ein ein­sei­ti­ger Kryptor­chis­mus vor und der an­de­re Ho­den wird le­dig­lich ste­ri­li­siert und nicht kas­triert kann auch schon frü­her eine Ope­ra­ti­on er­fol­gen.

Der Ho­den­ab­stieg be­ginnt be­reits vor der Ge­burt. Spä­tes­tens in der sechs­ten bis zehn­ten Le­bens­wo­che soll­ten die Ho­den im Ho­den­sack an­ge­langt sein. Man ver­mu­tet eine po­ly­ge­ne (=meh­re­re Gene) ge­ne­ti­sche Kom­po­nen­te, die den Ho­den­ab­stieg steu­ert. Na­bel­in­fek­tio­nen oder ein ver­zö­ger­ter Na­bel­ver­schluss kön­nen Ur­sa­chen für ei­nen un­voll­stän­di­gen Ho­den­ab­stieg sein. Kryptor­chis­mus kommt meist bei Klein­ras­sen vor, weil das Ver­hält­nis Ho­den & Leis­ten­ka­nal meist un­güns­tig ist. Meist ist auch der rech­te Ho­den be­trof­fen, weil er ei­nen län­ge­ren Ab­stiegs­weg hat. Wird ein un­voll­stän­di­ger Ho­den­ab­stieg früh­zei­tig ent­deckt, kann eine Hor­mon­be­hand­lung eine Ope­ra­ti­on ver­hin­dern, die­se muss aber vor dem 4. Le­bens­mo­nat statt­fin­den.

Erkrankungen der Hündin

Gebärmutterentzündung / Vereiterung

Bei ei­ner Ge­bär­mut­ter­ent­zün­dung ist eine Kas­tra­ti­on un­um­gäng­lich. 5 % der Hün­din­nen aus der Bie­le­fel­der Kas­tra­ti­ons­stu­die wur­den auf Grund ei­ner Ge­bär­mut­ter­ent­zün­dung kas­triert. 2 % auf Grund von Neu­bil­dung von Tu­mo­ren.

Diabetes

Auch in ei­ni­gen Fäl­len von Dia­be­tes kann eine Kas­tra­ti­on sinn­voll sein, be­son­ders bei Hün­din­nen, die wäh­rend ei­ner Schein­träch­tig­keit star­ke Pro­ges­te­ron-Aus­schüt­tun­gen ha­ben.

Ohrentzündungen

In sehr sel­te­nen Fäl­len kommt es durch eine All­er­gie ge­gen Se­xu­al­hor­mo­ne zu Ohr­ent­zün­dun­gen. Da Ohr­ent­zün­dun­gen je­doch eine Viel­zahl an un­ter­schied­li­chen Ur­sa­chen ha­ben, ist hier eine ge­naue Ab­klä­rung er­for­der­lich.

Scheinträchtigkeit / Scheinmutterschaft

Hün­din­nen, die ex­trem un­ter Schein­träch­tig­keit / Schein­mut­ter­schaft mit Knöt­chen­bil­dung im Ge­säu­ge lei­den, sind eben­falls Kas­tra­ti­ons­kan­di­da­ten.

Attraktiv riechende Hündinnen

Manch­mal gibt es Hün­din­nen, die das gan­ze Jahr über at­trak­tiv schon aus wei­ter Fer­ne für den Rü­den rie­chen und ein will­kom­me­nes Stal­king-Op­fer ab­ge­ben, auch hier kann der Hün­din durch eine Kas­tra­ti­on ge­hol­fen wer­den.

Nachsorge

Kas­trier­te Hun­de än­dern sich in ih­rem Ver­hal­ten, ih­rer Per­sön­lich­keit, kör­per­lich als auch ge­sund­heit­lich.

Stoffwechsel

Bei kas­trier­ten Hun­den wird der Stoff­wech­sel er­heb­lich ver­rin­gert (En­er­gie­be­darf fällt um bis ca. 30 %) – gleich­zei­tig geht auch die ap­pe­tit­dämp­fen­de Wir­kung der Se­xu­al­hor­mo­ne zu­rück. Das be­deu­tet die Hun­de ha­ben mehr Ap­pe­tit, be­nö­ti­gen aber we­ni­ger En­er­gie. Es ist be­son­ders auf die Ein­hal­tung des ras­sen­ty­pi­schen Ge­wich­tes zu ach­ten. Über­ge­wicht führt näm­lich zu­sätz­lich noch zu den be­kann­ten Ne­ben­wir­kun­gen zu Dia­be­tes Typ 2, Herz-Kreis­lauf­erkran­kun­gen, Gefäßerkrankungen…Auch die Harn­stein & Harn­grieß­bil­dung steigt bei über­ge­wich­ti­gen Hun­den und ist bei kas­trier­ten Hun­den sehr oft zu be­ob­ach­ten. Herz­kreis­lauf­pro­ble­me, ein er­höh­tes Nar­ko­se­ri­si­ko und eine ge­rin­ge Le­bens­er­war­tung sind eben­falls Ri­si­ken bei über­ge­wich­ti­gen Hun­den.

Es soll­te also dar­über nach­ge­dacht wer­den den Kas­tra­ten, ins­be­son­de­re Hün­din­nen, auf ein spe­zi­el­les Di­ät­fut­ter um­zu­stel­len. Die üb­li­che Fut­ter­men­ge um 1/3 zu re­du­zie­ren kürzt auch die Vit­ami­ne und Mi­ne­ral­stof­fe ein und führt lang­fris­tig zu ei­ner Man­gel­er­schei­nung.

Tumore

In meh­re­ren Stu­di­en wur­de eine er­höh­te An­fäl­lig­keit für Pro­sta­ta­tu­mo­re bei Rü­den ver­mel­det. Die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Er­kran­kung ist bis zu drei­mal hö­her als bei in­tak­ten Rü­den. Bei Rü­den nimmt das Ri­si­ko von Tu­mo­ren rund um den Anal­be­reich ab, bei Hün­din­nen nimmt es zu. Das Ri­si­ko von Milz‑, Knochen‑, & Herz­tu­mo­re ist nach der Kas­tra­ti­on er­höht. Bei Hün­din­nen geht man von ei­nem vier­fach er­höh­ten Ri­si­ko aus an Herz­tu­mo­ren zu er­kran­ken, bei Rü­den von ei­ner 1,6 fa­chen Wahr­schein­lich­keit. Bei Kno­chen­tu­mo­ren ist das Ri­si­ko umso hö­her, je jün­ger der Hund bei der Kas­tra­ti­on war.

Inkontinenz

In­kon­ti­nenz ist eine Fol­ge­er­kran­kung von Hün­din­nen nach der Kas­tra­ti­on. Der Schließ­mus­kel der Harn­röh­re ist nicht mehr in der Lage den Harn­fluss zu kon­trol­lie­ren. Be­son­ders gro­ße Ras­sen ab 20 kg sind be­son­ders häu­fig von die­ser Krank­heit be­trof­fen. Bei Bo­xern, Do­ber­män­nern, Rie­sen­schnau­zern und Rott­wei­lern wer­den bis zu 2/3 der Hün­din­nen in­kon­ti­nent. Die­se Tie­re müs­sen mit Hor­mo­nen be­han­delt wer­den, die be­son­ders bei A‑Typen ag­gres­si­ons­stei­gern­de Ver­hal­tens­wei­sen her­vor­ru­fen. Das er­klärt wahr­schein­lich war­um un­se­re Pen­si­ons­hün­din zu­neh­mend ge­gen an­de­re Hun­de ag­gres­siv wur­de…

Be­trach­tet man alle Ras­sen liegt das Ri­si­ko bei etwa 30 %. Bei klei­nen Ras­sen mit ei­nem Ge­wicht von un­ter 20 kg liegt das Ri­si­ko bei etwa 10 %. Wird eine Hün­din vor der ers­ten Läu­fig­keit kas­triert, be­trägt das Ri­si­ko der Hün­din­nen un­ter 20 kg 6 % (jede 16zehnte Hün­din) und der Hun­de über 20 kg 13 % (jede ach­te Hün­din). Die­se Hün­din­nen wer­den zwar we­ni­ger häu­fig in­kon­ti­nent, aber falls sie es wer­den, ver­lie­ren sie mehr­mals täg­lich Urin, so­wohl im Schlaf- als auch im Wach­zu­stand. Dass dies kei­ne ge­setz­li­che er­laub­te In­di­ka­ti­on für eine Früh­kas­tra­ti­on ist, soll­te je­dem klar sein!

Fell

Hün­din­nen ha­ben nach der Kas­tra­ti­on oft eine stär­ke­re Un­ter­wol­le. Rü­den ha­ben eher eine stump­fe­re und flau­schi­ge­re Fell­be­schaf­fen­heit. Man­che Ras­sen ha­ben ein er­höh­tes Ri­si­ko für kah­le Stel­len an den Flan­ken und im hin­te­ren Rumpf­be­reich. Co­cker Spa­ni­el, Irish Set­ter und Lang­haar­da­ckel nei­gen be­son­ders zur Ent­wick­lung ei­nes Wel­pen­fells.

Bewegungsapparat

Das Ri­si­ko von Schä­den auf den Be­we­gungs­ap­pa­rat nicht nur durch po­ten­zi­el­les Über­ge­wicht sind nicht zu un­ter­schät­zen. Auch die Ge­fahr von Ge­lenk­fehl­bil­dun­gen & Ge­lenk­schä­den steigt. Das Ri­si­ko an Hüft­ge­lenks­dys­pla­sie (HD) zu er­kran­ken steigt enorm an z.B. bei Bo­xern um das Ein­ein­halb­fa­che. Be­son­ders hoch ist die­ses Ri­si­ko bei Früh­kas­tra­ten un­ter sechs Mo­na­ten. Auch ein er­höh­tes Ri­si­ko für Kreuz­band­ris­se wur­de sta­tis­tisch nach­ge­wie­sen – in­tak­te Hun­de sind etwa nur halb so häu­fig be­trof­fen.

Rü­den sind durch ih­ren Mus­kel­ab­bau durch den Weg­fall des Tes­to­ste­rons stär­ker be­trof­fen. Phy­sio­the­ra­pie & Be­we­gung ist bei die­sen Hun­den noch wich­ti­ger als bei in­tak­ten Hun­den und es beugt zu­gleich dem Über­ge­wicht vor.

Gehirn & Verhalten

Durch den Weg­fall von Ös­tro­gen be­steht bei bei­den Ge­schlech­tern ein er­höh­tes Ri­si­ko von Al­ters-De­menz. Es tre­ten die ty­pi­schen Se­nio­ren­pro­ble­me auf: Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, so­zia­le Ver­gess­lich­keit, ge­stei­ger­te Ner­vo­si­tät, Schlaf­stö­run­gen, er­höh­te Ag­gres­si­vi­tät usw., wel­che auf ge­schä­dig­te Ner­ven­bah­nen im Ge­hirn zu­rück­zu­füh­ren sind.

Be­reits be­schrie­ben hat­te ich Cor­ti­sol be­ding­te Ver­hal­tens­wei­sen wie Angst, Stress und dar­aus re­sul­tie­ren­de Ag­gres­si­on. Hün­din­nen ver­tei­di­gen zu 60 % mehr Res­sour­cen. Auch die Ag­gres­si­on ge­gen­über dem Men­schen und Art­ge­nos­sen steigt an (”Do­mi­nanz­ag­gres­si­on”). Au­ßer­dem ha­ben kas­trier­te Hun­de eine er­höh­te In­fekt­an­fäl­lig­keit und un­ter an­de­rem ist ihre Wund­hei­lung ge­rin­ger, was eben­falls auf das Cor­ti­sol zu­rück­zu­füh­ren ist.

Betreuung kastrierter Hunde

Kas­trie­re Hun­de soll­ten so­wohl kör­per­li­che, maß­voll auf ihr Al­ter & Kon­sti­tu­ti­on ab­ge­stimm­tes, als auch geis­ti­ge För­de­rung er­hal­ten. Phy­sio­the­ra­pie, Schwim­men als auch an­de­ren kran­ken­gym­nas­ti­sche Übun­gen sind sinn­voll. Da die Hirn­funk­ti­on eher ein­ge­schränkt ist, soll­ten die Hun­de auch geis­tig ge­för­dert wer­den z.B. durch In­tel­li­genz­spie­le oder Ziel­ob­jekt­su­che. Die­se Tä­tig­keit för­dert das Ge­hirn und die Ori­en­tie­rungs­fä­hig­keit und ver­schafft dem Hund zu­dem auch noch ein er­höh­tes Selbst­be­wusst­sein und da­mit auch ei­nen hö­he­ren Do­pa­min­spie­gel. Die­ser ist eine gute Vor­beu­gung ge­gen De­men­z­er­schei­nun­gen und die über­mä­ßi­ge Cor­tisol­pro­duk­ti­on (=Stress).

Die Er­näh­rung ist den Be­dürf­nis­sen des Hun­des an­zu­pas­sen. Auch die Zu­ga­be von Ge­lenk­schutz­fak­to­ren wie Glu­kos­ami­ne oder Chon­droi­t­in­sul­fa­te ist sinn­voll. Die­se bei­den Be­stand­tei­le ver­rin­gern das Ri­si­ko von Ge­lenk­er­kran­kun­gen. Um dem Ri­si­ko von Harn­stein­bil­dung vor­zu­beu­gen, soll­te der Hund viel trin­ken und sich oft ent­lee­ren dür­fen.

Auch wenn man mit die­sen Mass­nah­men ei­nem kas­trier­ten Hund sein Le­ben le­bens­wer­ter ma­chen kann, soll­te die Kas­tra­ti­on im­mer nur ein Plan B sein und die­ses Ma­nage­ment kein Grund für eine Pau­schal­kas­tra­ti­on sein!

Fazit:

Wenn du dir die­sen Ar­ti­kel ge­wis­sen­haft durch­ge­le­sen hast und viel­leicht auch noch die ein oder an­de­re Quel­le im In­ter­net oder das ein oder an­de­re Buch ge­le­sen hast, wirst du hof­fent­lich er­ken­nen, dass es nur ganz we­nig Grün­de gibt, war­um man ei­nen Hund über­haupt kas­trie­ren soll­te und recht­lich auch darf. Dazu zäh­len nicht un­er­zo­ge­ne of­fen­sicht­lich ”do­mi­nan­te” Rü­den oder die Läu­fig­keit der Hün­din zwei­mal im Jahr, die viel­leicht ein paar Blut­fle­cke auf dem Bo­den hin­ter­lässt! Vie­le Grün­de aus de­nen Hun­de kas­triert wer­den las­sen sich durch ge­ziel­te Er­zie­hung (auch in Kom­bi­na­ti­on mit ei­nem gut ge­schul­ten Hun­de­trai­ner / Ver­hal­tens­be­ra­ter) lö­sen!

Ich kann dir nur emp­feh­len dir z.B. das Buch ”Kas­tra­ti­on und Ver­hal­ten beim Hund” von So­phie Strodt­beck und Udo Ganslo­ßer für 19,95 € an­zu­schaf­fen und dich selbst in die Ma­te­rie ein­zu­ar­bei­ten.

Lei­der gibt es im­mer noch Tier­ärz­te, die ein­fach kas­trie­ren ohne eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung ge­trof­fen zu ha­ben. Na­tür­lich ver­die­nen sie bei ei­nem Rü­den ca. 180 € und bei ei­ner Hün­din um die 300 € und ir­gend­wie muss die Pra­xis ja warm blei­ben…

Ganz ehr­lich und da stim­me ich dem Ver­hal­tens­bio­lo­gen Kurt Ko­trschal zu: ”Wer mit der Se­xua­li­tät sei­nes Hun­des nicht klar­kommt, der soll­te sich kei­nen hal­ten!” – und der­je­ni­ge ist auch bei uns falsch!

Wir wün­schen uns für un­se­re Ba­bys ver­ant­wor­tungs­vol­le Hun­de­hal­ter, die ih­ren Hund nicht pau­schal kas­trie­ren las­sen, nur weil er Ho­den hat oder läu­fig wird und die sich vor­ab aus­gie­big in­for­mie­ren und nicht je­dem Hun­de­trai­ner oder Tier­arzt blind ver­trau­en. Alle die­se Ne­ben­wir­kun­gen, die ihr oben ge­le­sen habt, kann doch nie­mand ernst­haft in Kauf neh­men. Mei­ner Mei­nung nach macht ein Hund 365 Tage im Jahr mehr Schmutz als vier Wo­chen im Jahr wäh­rend der Läu­fig­keit. Wenn es dar­um geht den Hund un­frucht­bar zu ma­chen (aus wel­chen Grün­den auch im­mer) dann wählt doch bit­te den Weg der Ste­ri­li­sa­ti­on und lasst den Hund erst ein­mal er­wach­sen wer­den (ab drei Jah­re), so nimmt zu­min­dest euer Hund kei­nen Scha­den.

Leserfragen

Vie­len Dank für die aus­führ­li­chen In­for­ma­tio­nen. Darf ich die­sen her­vor­ra­gen­den Ar­ti­kel auf Face­book ver­lin­ken? Ich habe eine Hün­din aus dem Tier­schutz über­nom­men, die nach drei Mo­na­te bei mir in­kon­ti­nent (ist erst 19 Mo­na­te alt) und ag­gres­siv ge­gen an­de­re Hün­din­nen wur­de. Ich gehe da­von aus, dass sie vor der ers­ten Läu­fig­keit in Spa­ni­en kas­triert wur­de und ma­che mir
gro­ße Sor­gen (ge­gen die In­kon­ti­nenz be­kommt sie jetzt Ca­ni­phe­drin). Ich wür­de ger­ne dazu bei­tra­gen, dass die Hun­de­hal­ter und Tier­schutz­ver­ei­ne an­fan­gen um­zu­den­ken!

Ger­ne dürft ihr un­se­re Ar­ti­kel ver­lin­ken und tei­len 🙂

An­sons­ten wür­de ich emp­feh­len ihr Körb­chen z.B. in eine Pla­ne ein­zu­pa­cken und dar­über eine De­cke oder ein Ve­t­bed zu le­gen, so kann man das Körb­chen oder den Lie­ge­platz oft wa­schen und bes­ser sau­ber hal­ten. Even­tu­ell könn­ten auch Läu­fig­keits­höss­chen hel­fen, wo­bei die meist von den Hun­den ab­ge­streift wer­den.

Dan­ke für den Ar­ti­kel. Wer­de im De­zem­ber mei­nen Rü­den be­kom­men, ob­wohl ich ei­gent­lich eher mit ei­ner Hün­din ge­lieb­äu­gelt hat­te- und mich da­her viel mit die­sem The­ma be­schäf­tigt habe…
Ich habe mich auch im­mer ge­fragt, wo ei­gent­lich die Vor­tei­le der Kas­tra­ti­on lie­gen (um mich her­um wer­den vie­le Hün­din­nen und Rü­den kas­triert).
Aber Euer Ar­ti­kel be­stärkt mich dar­in, dass die Kas­tra­ti­on nur in Aus­nah­me­fäl­len durch­ge­führt wer­den soll.
Ich bin Hu­man­me­di­zi­ne­rin und habe im­mer ge­dacht, dass der ab­so­lu­te Hor­mon­weg­fall doch na­tür­lich auch beim Tier schwe­re Fol­gen hat.…
Mein Rüde darf da­her ein ech­ter Jun­ge blei­ben- schließ­lich bin ich eh der Chef 😀
Vor 15 Jah­ren ist der ers­te Rüde- ein Al­pha-Al­pha bei mir ein­ge­zo­gen; man soll­te es auch nicht un­ter­schät­zen, dass ein Hund mit viel Al­pha un­glaub­lich viel für die Aus­bil­dung mit­bringt und ein groß­ar­ti­ger, in­tel­li­gen­ter her­zen­bre­chen­der Ka­me­rad sein kann …

Dan­ke für dei­ne tol­le An­mer­kung. Schön, dass dein Hund in­takt blei­ben darf.

Hal­lo,
schön das Ihr Euch die Zeit ge­nom­men habt uns Hal­ter so zu in­for­mi­ern. Hier erst­mal Dan­ke. Bin zur Zeit in ei­nem Ge­wis­sens­kon­flikt in Be­zug von mei­nem Rü­den. Aus­sie 2 Jah­re.
Woll­te ihn auf je­den Fall in­takt las­sen so war mein fes­ter Plan. Durch mei­ne Trai­ne­rin habe ich das Buch ge­le­sen und wur­de nur be­stärkt in mein Den­ken. Hat­te vor­her kein Ah­nung und es tut mir für mei­ne 10jährige Hün­din so Leid das ich mich nicht rich­tig in­for­miert habe bzw. den Ärz­ten ge­glaubt. Wie Le­bens­plä­ne so sind .….. oft kommt es an­ders. Zum Rü­den: Wie ge­sagt 2 Jah­re im­mer schon hib­be­lig seit er mit 10 Wo­chen bei uns ein­zog. Also wurde/wird Ruhe ge­lernt. Er reif­te sehr schnell und fand Hün­din­nen mit 7 Mo­na­ten schon mehr als gut. Er ist sehr trie­big kommt kaum zu Ruhe und seit seit 4 Ta­gen rei­tet er auf un­se­ren al­ten Hün­din auf.
Schild­drü­se o.K. Be­kommt Barf ohne Schlund. Er ist An­sons­ten ein tol­ler Hund und ein fes­ter Be­stand­teil in der Fa­mi­lie. Der Tier­arzt sieht bei Ihn die In­di­ka­ti­on zur Kas­tra­ti­on da die Pro­sta­ta wohl stark ver­grö­ßert ist und der Kotab­satz meist brei­ig ist. Habt Ihr noch an­de­re Ideen ihm zu hel­fen? Ach­so Agnus Cas­tus hat lei­der nicht ge­hol­fen.
Ich hof­fe nicht zu viel Info.

Ja scha­de, dass du da­mals noch nicht den Wis­sen­stand hat­test, den du jetzt hast. Lei­der wer­den im­mer noch viel zu vie­le Tie­re kas­triert, ohne, dass die Hal­ter sich den Kon­se­quen­zen be­wusst sind. Oft wird lei­der nur dem Weiß­kit­tel ver­traut, der sich mit ei­ner Kas­tra­ti­on eine gol­de­ne Nase ver­dient. Ich habe mal bei ei­ner Tier­ärz­tin aus­ge­hol­fen und die­se hat die Rü­den oft zwi­schen 2 Pa­ti­en­ten im Vor­bei­ge­hen kas­triert oder mal eben schnell in der Mit­tags­pau­se. So schnell lässt sich also der schnel­le Euro ver­die­nen, auf Kos­ten der ar­men Tie­re!

Aus der Ent­fer­nung kann ich das Ver­hal­ten dei­nes Rü­den lei­der nicht be­ur­tei­len, ich wür­de mir auf je­den Fall eine zwei­te Mei­nung ein­ho­len. Ge­ra­de was die Ver­grö­ße­rung der Pro­sta­ta an­geht. Brei­iger Kot spricht ent­we­der eher für Pa­ra­si­ten oder Fut­ter was er nicht ver­trägt oder nicht die pas­sen­de Zu­sam­men­set­zung für ihn hat.

Das Ram­meln der Hün­din kann auch eine Do­mi­nanz­ges­te sein, was ich bei der 10jährigen Hün­din eher glau­be, dass er ihr den hö­he­ren Rang ab­neh­men will. Das Ram­meln muss nicht zwangs­läu­fig se­xu­ell mo­ti­viert sein.

Be­vor du dei­nen Rü­den kas­trierst, soll­test du ihm zu­nächst ei­nen Hor­mon­chip set­zen las­sen, um zu se­hen, ob sich sein Ver­hal­ten bes­sert.

Ich hof­fe du kannst für dich und dei­nen Hund die rich­ti­ge Ent­schei­dung tref­fen.

Weiterführende Literatur


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