Läufigkeit und Hitze der Hündin

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

Läufigkeit und Hitze der Hündin

Was ist die Läufigkeit?

Als Läu­fig­keit oder Hit­ze be­zeich­net man den Ab­schnitt des hün­di­schen Se­xu­al­zy­klus, wenn die Hün­din be­ginnt aus der Vul­va zu blu­ten und ih­ren Ei­sprung hat. Dei­ne Hün­din ist nur wäh­rend der so­ge­nann­ten Steh­ta­ge in der Läu­fig­keit / Hit­ze frucht­bar und kann Wel­pen be­kom­men. Es macht also auch nur dann Sinn, Rüde und Hün­din zu­sam­men­zu­brin­gen, an­sons­ten wird der Rüde höchst­wahr­schein­lich (ein paar über­se­xu­ell mo­ti­vier­te Rü­den mal aus­ge­schlos­sen) auch kein In­ter­es­se an dei­ner Hün­din zeigen.

Wir mer­ken uns also: Bei der Hün­din ist es ge­nau um­ge­kehrt, als bei uns Frau­en. Wäh­rend der Läu­fig­keit kann die Hün­din Wel­pen be­kom­men. Die Frau wäh­rend ih­rer Pe­ri­ode eher nicht. 

Die Läu­fig­keit er­folgt bei den meis­ten Hun­den zwei­mal im Jahr, meist im Ab­stand von sechs Mo­na­ten das nennt man diöstrisch.

Bei vie­len Hün­din­nen er­kennt man die bald ein­tre­ten­de Läu­fig­keit dar­an, dass sie beim Gas­si­ge­hen ver­mehrt Urin ab­setzt und ich sage im­mer: „Je­den Gras­halm mar­kie­ren“. Man­che Hün­din­nen ge­hor­chen auch nicht mehr so gut und sind of­fen­bar schon auf der Su­che nach ei­nem ge­eig­ne­ten Lo­ver. Wenn du die­ses Ver­hal­ten fest­stellst, soll­test du dei­ne Hün­din wei­ter­hin ge­nau be­ob­ach­ten. Mei­ner Er­fah­rung nach dau­ert es dann noch ein bis zwei Mo­na­te, bis die Blu­tung ein­setzt. Auch das Ab­haa­ren der Hün­din kann ein In­diz sein.

Die Läu­fig­keit be­ginnt zu­nächst mit dem An­schwel­len der Vul­va und den ers­ten Bluts­trop­fen. Mei­ne Hün­din­nen hal­ten sich z.B. sehr sau­ber, so­dass ich gut auf­pas­sen muss, um den Be­ginn der Läu­fig­keit nicht zu ver­pas­sen. Mein Ru­del zeigt die Läu­fig­keit aber meist an, in­dem sie der be­trof­fe­nen Hün­din wie Dum­bo der Ele­fant hin­ter­her­lau­fen und an ihr schnup­pern. Eine an­de­re Hün­din be­ginnt meist schon vor der Läu­fig­keit die of­fen­bar gut rie­chen­de Hün­din zu be­stei­gen und auf ihr zu ram­meln. Nor­ma­ler­wei­se zei­gen die an­de­ren Hün­din­nen die­ses Ver­hal­ten nur, wenn sich die läu­fi­ge Hün­din in der Nähe des Ei­sprun­ges be­fin­det. Von Vor­teil ist es üb­ri­gens, wenn du dei­ner Hün­din ein Kom­man­do bei­bringst, da­mit sie sich auf den Rü­cken dreht und du ihre Vul­va an­schau­en kannst – bei uns heißt das Kom­man­do „Platz mit Um­kul­lern“. Ent­wi­ckelt aus dem be­kann­ten Platz, dem Kom­man­do „Rol­le“ (der Hund dreht sich um die ei­ge­ne Ach­se) und „Peng“ (der Hund stellt sich tot).

Die Li­te­ra­tur sagt, dass die Hün­din­nen meist zwi­schen dem 12. bis 14. Tag ih­ren Ei­sprung ha­ben (an­de­re Quel­len be­rich­ten vom 9. bis 12. Tag…) und dann deck­be­reit sind. Das ist aber nicht bei je­der Hün­din gleich und kann auch je nach Hit­ze un­ter­schied­lich sein.

Hün­din­nen wer­den nor­ma­ler­wei­se zwi­schen sechs Mo­na­ten und un­ge­fähr ei­nem Jahr das ers­te Mal läu­fig. Wenn dei­ne Hün­din mit zwei Jah­ren im­mer noch nicht läu­fig ge­we­sen ist, dann soll­test du ei­nen Tier­arzt aufsuchen.

Die Dau­er der Läu­fig­keit wird im Schnitt mit 18 Ta­gen an­ge­ge­ben. Von ei­ner ver­län­ger­ten Läu­fig­keit spricht man erst, wenn die Sym­pto­me 28 Tage lang an­hal­ten. Eine Hün­din mit ver­län­ger­ter Läu­fig­keit soll­te dem Tier­arzt vor­ge­stellt wer­den. Zu emp­feh­len ist ein Blut­bild und eine gy­nä­ko­lo­gi­sche Un­ter­su­chung der Vul­va und eine So­no­gra­fie der in­nen Ge­schlechts­or­ga­ne. Häu­fig sind Zys­ten oder Tu­mo­re die Ur­sa­che für eine ver­län­ger­te Läufigkeit.

Die The­ra­pie be­steht in der Kas­tra­ti­on der Hün­din oder durch Ver­ab­rei­chung von Me­di­ka­men­ten, um die Ös­tro­gen­syn­the­se zu stoppen.

Es ist enorm wich­tig, dass dei­ne Hün­din sich von dir über­all an­fas­sen lässt, des­halb übe be­reits als Wel­pe dei­ne Hün­din am Ge­säu­ge zu be­rüh­ren und auch ih­ren Scham­be­reich zu un­ter­su­chen, da­mit du bei ei­ner spä­te­ren Ge­burt oder sons­ti­gen Pro­ble­men an der Vul­va ohne Pro­ble­me ein­grei­fen kannst.

Verhalten der Hündin während der Läufigkeit

Hün­din­nen wer­den wäh­rend oder kurz vor der Läu­fig­keit oft sehr ku­schel be­dürf­tig und su­chen die Nähe zum Men­schen. Man­che Hün­din­nen wer­den auch lust­los, möch­ten un­gern Gas­si ge­hen und zie­hen sich eher zu­rück und schla­fen viel. An­de­re Hün­din­nen zei­gen wie­der­um kei­ne nen­nens­wer­ten Verhaltensänderungen.

Ich habe oft den Ein­druck, dass das Fell auch wei­cher und sei­di­ger wird. Als Hal­ter soll­test du die Läu­fig­keit ein­fach als nor­ma­len Ab­lauf der Ge­schlechts­rei­fe hin­neh­men und kein gro­ßes Auf­se­hen dar­über ma­chen, so bleibt auch dei­ne Hün­din entspannt.

Wenn dei­ne Hün­din läu­fig ist, soll­test du mit ihr ein­sa­me Gas­si­we­ge ge­hen, da­mit ihr mög­lichst kei­nem po­ten­ten Rü­den be­geg­net. Eine Schlepp­lei­ne kann hel­fen die Hün­din zu si­chern, so­dass sie sich nicht aus dem Staub auf der Su­che nach ei­nem wil­li­gen Rü­den ma­chen kann. Wei­ter­hin soll­test du dei­ne Hün­din auch nicht un­be­auf­sich­tigt im Gar­ten las­sen. Es kann im­mer ir­gend­wo ein Schlupf­loch ge­ben. Wil­li­ge Hun­de sind sehr krea­tiv, wenn es dar­um geht zu ei­ner läu­fi­gen Hün­din zu kom­men. Bei Züch­tern sind schon De­ckun­gen durch den Gar­ten­zaun vorgekommen.

Hün­din­nen kön­nen wäh­rend der Läu­fig­keit ag­gres­si­ver sein als sonst, so­dass sie auf­dring­li­che Rü­den ab­weh­ren, in­dem sie die­se hef­tigst weg­bei­ßen, um ih­nen zu ver­deut­li­chen, dass sie noch nicht deck­be­reit sind. Auch frem­de Hün­din­nen kön­nen der läu­fi­gen Hün­din un­an­ge­nehm sein. Du soll­test dei­ne Hün­din also ge­nau be­ob­ach­ten und ihr die nö­ti­ge Si­cher­heit ge­ben, in dem du sie z.B. an­leinst und die Si­tua­ti­on mit an­de­ren Hun­den ver­mei­dest. Selbst­si­che­re Hün­din­nen, die die Läu­fig­keit schon mehr­mals durch­lebt ha­ben, lö­sen die Si­tua­ti­on mit an­de­ren Hun­den meist durch ein Spiel auf.

Nach der ers­ten Läu­fig­keit zeigt sich ein wei­te­rer Ent­wick­lungs­schritt im Ver­hal­ten der Hün­din. Die Hün­din­nen wer­den meist et­was ru­hi­ger und aus­ge­gli­che­ner und ver­hal­ten sich nicht mehr so ”kin­disch”. Sie wir­ken nun erwachsener.

Um die Läu­fig­keit dei­ner Hün­din wei­ter zu ver­ste­hen und zu er­ken­nen, wann der rich­ti­ge Deck­zeit­punkt ist, müs­sen wir uns mit den in­ner­kör­per­li­chen Pro­zes­sen be­fas­sen, die dei­ne Hün­din durch­läuft. Der nach­fol­gen­de Teil ist also eher für Züch­ter und In­ter­es­sier­te in­ter­es­sant, eher we­ni­ger für den ”nor­ma­len Hündinnenhalter”.

Weiblicher Geschlechtstrakt

Die Ge­schlechts­or­ga­ne set­zen sich äu­ßer­lich durch die Vul­va mit ih­ren Scham­lip­pen und dem Ge­säu­ge zu­sam­men. Die Vul­va ver­än­dert je nach Zy­klusstand ihre Grö­ße und ihr Aus­se­hen. Wer­den die Scham­lip­pen ge­spreizt, er­kennt man in der Vul­va die Kli­to­ris­fal­te. Das Ge­säu­ge be­steht aus fünf Mam­ma­kom­ple­xen, die sich rechts und links in vier bis sechs Zit­zen unterteilen.

Innere Geschlechtsorgane

Die Hün­din be­sitzt ei­nen re­la­tiv lan­gen Schei­den­ka­nal, in den der Rüde sei­nen Sa­men ab­gibt. Der Sa­men muss zur Be­fruch­tung also erst auf­stei­gen, um die Ei­zel­len zu erreichen.

Bei man­chen Hün­din­nen be­steht zwi­schen dem Schei­den­vor­hof und der Schei­de eine Eng­stel­le, das so ge­nann­te Cin­gu­lum, das sich zur Ge­burt und wäh­rend der Läu­fig­keit er­wei­tert. Es kann in Ein­zel­fäl­len ein Hin­der­nis für die Be­de­ckung und Ge­burt sein, das dann vom Tier­arzt er­wei­tert wer­den muss.

Die Zer­vix, der Ge­bär­mut­ter­hals, ver­schließt die Ge­bär­mut­ter. Der Ge­bär­mut­ter­hals be­ginnt sich be­reits bei der Be­de­ckung wie­der zu schlie­ßen, wes­halb eine zu spä­te Be­de­ckung nicht mehr zur Be­fruch­tung führt, da die Sper­mi­en nicht mehr in die Ge­bär­mut­ter gelangen.

Die Ge­bär­mut­ter be­steht aus ei­nem kur­zen Stück und spal­tet sich dann in zwei Hör­ner, in de­nen die Wel­pen her­an­wach­sen. Zu gu­ter Letzt be­sitzt die Hün­din noch zwei Ei­er­stö­cke, in de­nen die Eier ge­bil­det werden.

Die Va­gi­nal­schleim­haut ver­än­dert ihr Aus­se­hen üb­ri­gens wäh­rend des Zy­klus, so dass ge­üb­te Tier­ärz­te an­hand der Schleim­haut­struk­tur den Ei­sprung fest­stel­len können.

Die Hün­din hat au­ßer­dem ein spe­zi­fi­sches Schei­den­mi­lieu mit ei­nem al­ka­li­schen pH-Wert, in dem sich al­ler­hand ae­ro­be und an­ae­ro­be Bak­te­ri­en (Bak­te­ri­en, die Sauer­stoff zum Stoff­wech­sel be­nö­ti­gen und wel­che die kei­nen be­nö­ti­gen) tum­meln. Sie kann des­halb nicht an Pilz­in­fek­tio­nen er­kran­ken, wie es eine mensch­li­che Frau könn­te, trotz­dem kön­nen die fal­schen Bak­te­ri­en eine Träch­tig­keit verhindern.

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Ge­schlechts­trakt der Hün­din und hor­mo­nel­le Re­gu­la­ti­on des Zyklus

Hormonelle Regulation

Die Se­xu­al­funk­ti­on des Hun­des wird über das Zu­sam­men­spiel von dem Hy­po­tha­la­mus, der Hy­po­phy­se im Ge­hirn und dem Ovar (Ei­er­stock) ge­steu­ert. Die drei Or­ga­ne sind über Rück­kopp­lungs­me­cha­nis­men für den Ei­sprung des Hun­des zu­stän­dig, d.h. Hor­mo­ne aus dem Hy­po­tha­la­mus und der Hy­po­phy­se re­gu­lie­ren die Frei­set­zung un­ter­ge­ord­ne­ter Hor­mo­ne aus den Eierstöcken.

Lie­gen Stö­run­gen der Se­xu­al­funk­ti­on vor, soll­te an Er­kran­kun­gen des Hy­po­tha­la­mus, der Hy­po­phy­se und der Ne­ben­nie­ren­rin­de ge­dacht wer­den. Nach­fol­gend möch­te ich dir die Bil­dung der ein­zel­nen Hor­mo­ne er­klä­ren, die für die Se­xua­li­tät und die Träch­tig­keit dei­ner Hün­din not­wen­dig sind.

Der Hy­po­tha­la­mus bil­det zwei Hor­mo­ne: GnRH (Go­na­do­tro­pin-Re­leasing Hor­mon) und Do­pa­min. Die­se bei­den Hor­mo­ne steu­ern wie­der­um die Frei­set­zung von Hor­mo­nen aus der Hy­po­phy­se. Das Hor­mon GnRH sorgt für die Aus­schüt­tung von LH (lut­ei­ni­sie­ren­des Hor­mon) und FSH (Fol­li­kel sti­mu­lie­ren­des Hor­mon). Do­pa­min hemmt hin­ge­gen die Aus­schüt­tung von Pro­lak­tin in der Hypophyse.

In der Hy­po­phy­se wird au­ßer­dem noch Oxy­to­cin ge­spei­chert und bei Sti­mu­lie­rung ausgeschüttet.

In den Ei­er­stö­cken wer­den Ös­tro­ge­ne und Ges­ta­ge­ne her­ge­stellt. Gro­ße Be­deu­tung für die Träch­tig­keit ha­ben das Ös­t­ra­di­ol-17ß und das Pro­ges­te­ron, wel­ches man im Blut mes­sen kann und so den Ei­sprung fest­stel­len kann.

Wenn die Hün­din träch­tig ist, bil­det der Ute­rus gro­ße Men­gen von Re­la­xin, wel­ches eben­falls zur Träch­tig­keits­dia­gno­se her­an­ge­zo­gen wer­den kann, da es im Blut nach­weis­bar ist.

Zyklus der Hündin

Durch die Pu­ber­tät er­reicht die Hün­din ihre Ge­schlechts­rei­fe. Eine hohe Wachs­tums­in­ten­si­tät z.B. durch die Füt­te­rung führt zu ei­ner ver­früh­ten Pu­ber­tät. Au­ßer­dem nimmt auch das so­zia­le Um­feld Ein­fluss, so syn­chro­ni­sie­ren sich oft die Läu­fig­kei­ten der Hün­din­nen im Ru­del. Ge­nau­so kann die Pu­ber­tät aber auch durch Ru­del­druck un­ter­drückt wer­den, was sich dann in stil­len Läu­fig­kei­ten, d.h. nicht sicht­ba­ren Läu­fig­kei­ten, ma­ni­fes­tiert. Ist die ers­te Läu­fig­keit nicht in­ner­halb der ers­ten 24. Mo­na­te auf­ge­tre­ten, soll­te die Ur­sa­che ab­ge­klärt werden.

Ver­läuft die Pu­ber­tät nor­mal, dann teilt man den Zy­klus der Hün­din in vier Pha­sen ein. Die meis­ten Hun­de wer­den zwei­mal im Jahr läu­fig, man be­zeich­net sie, wie du ja be­reits weißt, als diöstrisch.

1.Phase: Vorbereitungsstadium (Proöstrus)

Der Hy­po­phy­sen­vor­der­lap­pen, der größ­te Teil der Hirn­an­hang­drü­se, bil­det ei­ni­ge weib­li­che Hor­mo­ne, die auch die Läu­fig­keit aus­lö­sen und die Träch­tig­keit der Hün­din steuern:

  • FSH = fol­li­kel­sti­mu­lie­ren­des Hor­mon, das die Her­an­rei­fung der Fol­li­kel steu­ert (beim Rü­den sorgt es üb­ri­gens für die Spermaproduktion)
  • LH = Lut­ei­ni­sie­rungs­hor­mon löst zu­sam­men mit dem FSH den Ei­sprung aus und wan­delt das Graaf­sche Fo­li­kel in den Gelb­kör­per um, wel­cher wie­der­um das Gelb­kör­per­hor­mon Pro­ges­te­ron pro­du­ziert (und in ge­rin­gen Men­gen auch Ös­tro­gen) (Beim Rü­den regt LH üb­ri­gens die Aus­schüt­tung von Tes­to­ste­ron an)
  • Das wich­tigs­te männ­li­che Se­xu­al­hor­mon Tes­to­ste­ron wird auch bei der Hün­din in ge­rin­gen Men­gen gebildet
  • Ös­tro­ge­ne wer­den in der Pla­zen­ta, der Ne­ben­nie­ren­rin­de und im Fett­ge­we­be ge­bil­det. Vor der Ge­schlechts­rei­fe ist es für die Aus­bil­dung der se­kun­dä­ren Ge­schlechts­merk­ma­le (Ge­säu­ge) zu­stän­dig und sorgt wäh­rend des Zy­klus für die Brunster­schei­nun­gen und den Auf­bau der Gebärmutterschleimwand
  • Pro­ges­te­ron wird haupt­säch­lich vom Gelb­kör­per gebildet

Der Pro­ös­trus dau­ert etwa 9 Tage und kenn­zeich­net sich durch das An­schwel­len der Vul­va und schlei­mig, blu­ti­ges Se­kret, das aus der Schei­de abläuft.

Das FSH wird ak­tiv und sorgt für das Her­an­wach­sen von Ei­zel­len in den Ei­er­stö­cken. Die Ei­zel­len be­fin­den sich in Ei­bläs­chen (Fol­li­kel), die das Ös­tro­gen bil­den, wel­ches wie­der­um da­für sorgt, dass die Ge­bär­mut­ter­schleim­haut auf­ge­baut wird, da­mit sich dort Ei­zel­len ein­nis­ten können.

Das Ver­hal­ten der Hün­din än­dert sich und sie setzt ver­mehrt Urin ab und sucht Rü­den auf, aber das Auf­rei­ten wird noch nicht geduldet.

FSH wird im spä­ten Anös­trus ver­stärkt aus­ge­schüt­tet und regt die Fol­li­kel­bil­dung an. Die Fol­li­kel bil­den mit zu­neh­men­der Grö­ße Ös­tro­ge­ne. Die Ös­tro­ge­ne wie­der­um hem­men das FSH, so dass wäh­rend des Pro­ös­trus und Ös­trus kein FSH mehr aus­ge­schüt­tet wird. Ein schlag­ar­ti­ger An­stieg von LH ist das ovu­lu­ti­ons­aus­lö­sen­de Si­gnal für die Fol­li­kel und kenn­zeich­net so den Östrus.

Üb­ri­gens, bei kas­trier­ten Hün­din­nen fällt die Hem­mung von FSH und LH weg, so dass die­se bei­den Hor­mo­ne zur Be­stim­mung, ob eine Hün­din kas­triert ist oder nicht, ge­nutzt wer­den können

Die Kon­zen­tra­ti­on von Pro­lak­tin steigt ab dem 30. bis 35. Tag des Zy­klus­ses an, wäh­rend das Pro­ges­te­ron ab­fällt. Eine träch­ti­ge Hün­din zeigt eben­falls ei­nen An­stieg des Pro­lak­tins, wel­cher bis zum Ab­set­zen der Wel­pen hoch bleibt. Pro­lak­tin sorgt für die Bil­dung des Ge­säu­ges, Milch­bil­dung und Brut­pfle­ge­ver­hal­ten und auch für die Funk­ti­on der Gelb­kör­per ist es wich­tig. Ein me­di­ka­men­tö­ses Ab­sen­ken des Pro­lak­tins führt zum Ab­ort der Welpen.

Oxy­to­cin wird im Hy­po­tha­la­mus pro­du­ziert und er­reicht dann über das Blut sei­ne Er­folgs­or­ga­ne. Es sorgt für die Bil­dung von We­hen und für den Milche­jek­ti­ons­re­flex. Un­ter dem Milche­jek­ti­ons­re­flex ver­steht man die Aus­schüt­tung von Oxy­to­cin, wenn das Neu­ge­bo­re­ne säugt und Milch auf­nimmt, des­halb ist es wich­tig wäh­rend der Ge­burt die Wel­pen be­reits bei der Mut­ter trin­ken zu las­sen, da­mit wei­ter­hin Oxy­to­cin aus­ge­schüt­tet wird.

Die Fol­li­kel bil­den das Ös­tro­gen. Die Kon­zen­tra­ti­on steigt bis zum Ei­sprung an und fällt dann auf eine Ba­sal­ra­te von 15 pg/ml ab. Eine Zu­nah­me fin­det dann erst wie­der vor ei­nem er­neu­ten Pro­ös­trus statt. Ös­tro­ge­ne sind für die Bil­dung der Ute­rus­schleim­haut, Va­gi­na und Vul­va zu­stän­dig. So­wohl Ös­tro­gen­man­gel als auch eine an­dau­ern­de Ein­wir­kung von Ös­tro­ge­nen kann zu Haar­aus­fall führen.

2. Phase: Eisprung (Östrus)

Die­se Pha­se dau­ert 6–12 Tage, bis alle Ei­zel­len her­an­ge­reift sind.

Das Ös­tro­gen löst die Brunster­schei­nun­gen aus. Un­ter Brunster­schei­nung ver­steht man das Wer­be­ver­hal­ten der Hün­din um den Rü­den. Meist zei­gen die Hün­din­nen Spiel­se­quen­zen und for­dern zum Spiel auf und / oder sie dre­hen ihr Hin­ter­teil im­mer wie­der dem Rü­den zu und le­gen die Rute zur Sei­te. Oft kann man auch ein nach oben zu­cken der Vul­va erkennen.

Ei­ni­ge Hün­din­nen dre­hen sich bei die­ser Um­wer­bung auch im­mer wie­der zum Rü­den um und bli­cken ihn an, als woll­ten sie sa­gen „nun mach schon“. Man­che Hün­din­nen fan­gen auch an zu fie­pen, wenn sie ei­nen po­ten­ten Rü­den se­hen oder rie­chen. Die­ses Wer­be­ver­hal­ten wie­der­holt sich meist ei­ni­ge Male und manch­mal springt die Hün­din auch schnell zur Sei­te, wenn der Rüde auf­rei­ten will.

Nun be­ginnt auch das Pro­ges­te­ron lang­sam zu stei­gen. Bei man­chen Hün­din­nen steigt es lang­sam, bei an­de­ren kann es in­ner­halb von ei­nem Tag in die Höhe schnel­len. Das Pro­ges­te­ron bleibt nach der Läu­fig­keit, egal ob die Hün­din ge­deckt wur­de und tra­gend ist oder nicht, er­höht. Der weib­li­che Hun­de­kör­per macht also nach je­der Läu­fig­keit eine Art Schein­träch­tig­keit durch und stellt sich auf eine po­ten­zi­el­le Ge­burt ein.

Der Tier­arzt kann über das Blut den Pro­ges­te­ron­wert mes­sen und so den Ei­sprung fest­stel­len. Der Ei­sprung ist zwi­schen ei­nem Wert von 4–10 ng/ml (an­de­re Quel­len be­rich­ten von Wer­ten zwi­schen 8 und 10 ng/ml) er­reicht und ein bis zwei Tage spä­ter soll­te die ers­te De­ckung er­fol­gen. Die Hün­din blu­tet in die­ser Zeit fast gar nicht mehr und zeigt ei­nen Dul­dungs­re­flex, d.h. sie dul­det, dass der Rüde auf­rei­tet. Ihre Vul­va ist nicht mehr so prall und ge­schwol­len wie im Pro­ös­trus und sie sieht eher ver­schrum­pelt aus.

Die Be­fruch­tungs­fä­hig­keit be­steht üb­li­cher­wei­se 3–4 Tage, also ein knap­per Zeit­raum, um den Rü­den der Wahl zu erreichen.

Zum Zeit­punkt der De­ckung be­ginnt sich der Mut­ter­mund be­reits wie­der zu schlie­ßen. Bei ei­nem Pro­ges­te­ron­wert von mehr als 20 ng/ml ist eine Auf­nah­me eher un­wahr­schein­lich, trotz­dem habe ich eine Hün­din mit ei­nem Wert von 23 ng/ml mit ei­ner na­tür­li­chen De­ckung noch tra­gend bekommen.

Pro­ges­te­ron ist das so ge­nann­te Schwan­ger­schafts­hor­mon. Es ver­hin­dert Spon­tan­kon­trak­tio­nen der Ge­bär­mut­ter und es ver­schließt den Zer­vix­ka­nal. Es hilft au­ßer­dem das Ge­säu­ge zu bil­den. Es un­ter­drückt die GnRh Frei­set­zung und so­mit auch die FSH Frei­set­zung und die LH Aus­schüt­tung. Die­se Wir­kung der Läu­fig­keits­un­ter­drü­ckung wird auch mit der Gabe von Ges­ta­ge­nen ausgenutzt.

Der Ab­fall der Pro­ges­teron­kon­zen­tra­ti­on lei­tet die Ge­burt und da­mit die We­hen ein.

In der drit­ten bis vier­ten Wo­che nach der Ovu­la­ti­on steigt das Hor­mon Re­la­xin be­trächt­lich an, so dass es bei tra­gen­den Hün­din­nen in deut­lich hö­he­ren Kon­zen­tra­tio­nen vor­kommt, als bei nicht tra­gen­den Hun­den. Ab dem 25. Tag kann es zur Träch­tig­keits­dia­gno­se her­an­ge­zo­gen wer­den. Zwi­schen der sechs­ten bis ach­ten Wo­che hat es sein Ma­xi­mum er­reicht und fällt dann zur Ge­burt hin wie­der ab. Es sorgt für das Ein­drin­gen der Em­bry­os in das Ute­rus­ge­we­be und lo­ckert das Bin­de­ge­we­be zur Geburt.

3. Phase: Metöstrus

Die drit­te Pha­se dau­ert etwa 60–130 Tage. Die Ei­zel­le war­tet nun etwa sie­ben Tage auf Be­fruch­tung. Das lee­re Ei­bläs­chen ver­wan­delt sich in ei­nen Gelb­kör­per wel­ches Pro­ges­te­ron bil­det. Das Pro­ges­te­ron sorgt für eine Ver­di­ckung der Ge­bär­mut­ter­schleim­haut und eine gute Durch­blu­tung, falls es zu ei­ner Träch­tig­keit kommt. Au­ßer­dem lässt es die Milch­leis­te anschwellen.

Und noch ein­mal wich­tig: Auch, wenn kei­ne Träch­tig­keit be­steht, ver­hält sich der Kör­per der Hün­din als wäre er trächtig!

4. Phase: Anöstrus

Die­se Pha­se dau­ert etwa 90 Tage, in der sich der Gelb­kör­per zu­rück­bil­det und der Ös­tro­gen­spie­gel für den nächs­ten Zy­klus wie­der an­steigt. Wenn du üb­ri­gens dei­ne Hün­din kas­trie­ren möch­test, dann soll­test du die­se Pha­se wäh­len, da hier alle Hor­mo­ne wie­der im Gleich­ge­wicht sind und we­ni­ger Ne­ben­wir­kun­gen zu er­war­ten sind.

Weiterführende Literatur


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