Kryptorchismus / Monorchismus

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Anorchie

Als Anorchie bezeichnet man den Zustand, wenn beide Hoden fehlen oder komplett funktionslos sind.

Monorchismus

Beim Monorchismus hat der (erwachsene) Rüde wirklich nur einen Hoden, der in den Hodensack abgestiegen ist oder der zweite Hoden ist funktionsunfähig z.B. durch eine Hodendrehung.

Kryptorchismus

Unter Kryptorchismus versteht man den Zustand, wenn bei einem 8 Wochen alten Rüden Welpen nicht beide Hoden im Hodensack vorhanden sind bzw. nicht ordnungsgemäß abgestiegen sind. Bei einem solchen Hund befindet sich der zweite Hoden im Leistenkanal (inguinaler Kryptorchid) oder im Bauchraum (abdominaler Kryptorchid).

Ecotpia testis

Manche Hoden verlassen den normalen Abstiegsweg und tauchen neben dem Penis unter der Haut (Ecotpia subcutanea) oder unter der Muskelschicht (Ecotpia subfasciales) auf.

Gestörter Descensus testis

Unter dem Begriff gestörten Descensus testis (Abstieg der Hoden) versteht man Hoden, die sich auf dem Abstiegsweg befinden aber aus physiologischen Gründen den Abstieg nicht beenden können.

Sekundärer Kryptorchismus

Als sekundären Kryptorchismus bezeichnet man den Zustand, wenn die Hoden zwar abgestiegen sind, sich einer oder beide danach aber wieder in den Leistenkanal oder Bauchraum zurück ziehen.

Hodenabstieg beim Rüden

Bereits während der Entwicklung im Mutterleib bilden sich die Hoden in der Nähe der Nieren. Der Hodenabstieg beginnt bereits vor der Geburt, in dem die Nebenhoden in den Leistenkanal gezogen wird. Erst eine Woche vor Geburt steigt der Hoden ebenfalls in den Leistenkanal ab.

Der Hodenabstieg (also das Ankommen im Hodensack) ist abhängig von der Rasse, der individuellen Veranlagung und der Ernährung des Rüden. Zwischen der sechsten bis achten Lebenswoche sollten die Hoden den Hodensack erreicht haben. Spätestens mit 6 Monaten sollten die Hoden abgestiegen sein, da sich zu diese Zeitpunkt der Leistenkanal verschließt.

Der Hodenabstieg wird durch verschiedene Hormone gesteuert. Hinter der Ursache des Kryptorchismus vermutet man den so genannten Testis Determination Factor, der sich auf dem Y Chromosom (das haben übrigens nur die männlichen Individuen) befindet. Die Vererbung ist noch nicht ganz geklärt, aber Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Factor eine Art Schalter Funktion hat, der männliche Hormone anregt, die für die Entwicklung der Hoden zuständig sind.

Es wird angenommen, dass Kryptorchismus vererbbar ist, deshalb sollten solche Tiere von der Zucht ausgeschlossen werden.

Hayes und Pendergrass forschten in diesem Bereich und gaben Nabelinfektionen, verspäteter Nabelschluss sowie Entzündungsprozesse im Hodenabstiegsbereich als begünstigende Faktoren für Kryptorchismus an. Rechter Krypotorchismus ist übrigens fast doppelt so häufig wie linker, weil der Abstiegsweg länger ist.

Weitere Faktoren erforschte Depue in den 80er Jahren. Er sah begünstigende Faktoren in einem zu hohen Gewicht und Stress der Mutter. Dies kann die Serumkonzentration des geschlechtshormonbindenden Globuline senken und die Konzentration von Östrogene heben, welche dann zu Hodenhyplasie (zu kleine Hoden) führt.

Spermatogenese bei Kryptorchiden Hunden

Zur Bildung von Spermien (Spermatogenese) benötigen fast alle Lebewesen eine kühlere Temperatur in den Hodensäcken. Bei Kryporchyden wurde bei dem Hoden im Bauchraum keine Spermatogenese beobachtet, weil die Körpertemperatur zu hoch ist. Auch die Samenbildung bei dem abgestiegenen Hoden war geringer als bei normal ausgebildeten Hoden, weil der nicht abgestiegene Hoden 17-Beta Östradiol produziert, welches die Spermatogenese hemmt (Kawakami 1990 und 1999). Die Kryptorchiden haben auch einen niedrigen Testosteronspiegel, eine verringerte Libidio und eine fast um die Hälfte reduzierte Spermadichte.

Risiken

Studien haben gezeigt, dass die Tumorbildung bei kryptorchiden Hunden bis zu 13,6 Mal höher ist als bei normal ausgebildeten Hodenbesitzern. Die Hoden im Bauchraum neigen eher zu Sertollizellentumoren. Die Sertolli Zellen dienen zur Ernährung der reifenden Spermien. Die von ihnen ausgehenden Tumore sind meist guartig, nur 10% entarten und werden bösartig.

Bei den Hoden, die im Leistenkanal liegen, sind häufig die spermatogenen Zelllinien von Tumorbildungen betroffen. Diese so genannten Leydig Zelltumore sind in der Regel gutartig. Allerdings wachsen diese Tumore häufig in Lymph- und Blutgefässe ein.

Deutlich höher ist das Risiko der Hodentorsion, d.h. der Drehung des Hodens im Bauchraum. Ein Leistenbruch kann die Folge sein. Auf jeden Fall hat der Rüde heftige Schmerzen und der Hoden muss in einer Not OP entfernt werden.

Außerdem kann es bei Einhodogen Hunden zu Hyperöstrogenismus kommen, welcher zu Hautveränderungen führen kann. Außerdem können Verhaltensauffälligkeiten entstehen. Z.b. wird Angstverhalten begünstigt und es kann mit zunehmendem Alter zu Aggressivität kommen.

Therapie

Die Behandlung durch einen Tierarzt ist sinnvoll und anzuraten, vor allem durch das erhöhte Hodentumor Risiko. Zunächst werden dem Rüden Hormone verabreicht. Danach wird der Testosteronspiegel zunächst vor der Gabe und dann danach gemessen. So lassen sich kryptorchide Hoden von anorchiden Hoden bzw. Rüden unterscheiden.

Mittels Ultraschall wird dann versucht den Hoden im Bauchraum zu finden und die Lage und Form festzustellen. Sehr kleine Hoden lassen sich auf diese Art allerdings nicht finden.

Im Alter von 2-4 Wochen kann eine Hormongabe versucht werden, um damit den Hodenabstieg auszulösen. Ist diese Möglichkeit nicht möglich oder zeigt nicht den gewünschten Erfolg, dann muss der Hund operiert werden.

Der Hoden im Bauchraum wird dabei entfernt. Der zweite Hoden im Hodensack kann entweder mit entfernt werden, dann wird der Hund kastriert. Welche Auswirkungen eine Kastration hat, bitte in unserem Kastrationsartikel nachlesen. Oder beim zweiten Hoden werden nur die Samenleiter durchtrennt, so dass der Hund keine Nachkommen zeugen kann, aber ihm die Hormone nicht genommen werden. Ich persönlich würde immer den Weg der Sterilisation wählen.

Es können auch Hodenprothesen eingesetzt werden, aber auch hier muss sicher gestellt werden, dass der Hund keinen Nachwuchs zeugen kann.

Weiterführende Literatur


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