MDR1-Gen-Defekt

Australian Shepherd Züchter aus Krefeld (NRW)

MDR1 – Multi Drug Resistance Gene

Was ist MDR1?

Ein MDR1-Gen-De­fekt ist ein De­fekt im MDR1-Gen, wel­ches ge­le­gent­lich bei be­stimm­ten Hun­de­ras­sen auf­tre­ten kann. We­gen des De­fekts kommt es zu ei­ner feh­ler­haf­ten Syn­the­se (Her­stel­lung) des P‑Glycoproteins (PGP). Die­ses Pro­te­in (Ei­weiß) ist ein in­te­gra­les Zell­mem­bran­pro­te­in, das sich in Nie­re, Le­ber, Blut-Hirn-Schran­ke, so­wie in der Ne­ben­nie­re und im Darm befindet.

Das P‑Glycoprotein schleust un­ter ATP-Ver­brauch (Ade­nosin­tri­phos­phat = En­er­gie­trä­ger der Zel­le) gif­ti­ge Sub­stan­zen aus der Zel­le: In der Blut-Hirn-Schran­ke (Bar­rie­re zwi­schen Blut­kreis­lauf und Zen­tral­ner­ven­sys­tem) sorgt die­ses Pro­te­in für den Ab­trans­port von neu­ro­to­xi­schen Sub­stan­zen (Ner­ven­gif­te).

Die Funk­ti­on des MDR1-Gens ist also die Ent­gif­tung des Körpers.

Dar­über hin­aus sind bei De­fekt des MDR1-Gens im Zu­sam­men­hang mit dem Wirk­stoff Iver­mec­tin, der bspw. bei Anti-Pa­ra­si­ten-Me­di­ka­men­ten ein­ge­setzt wird, To­des­fäl­le be­kannt ge­wor­den – die sich ver­mei­den lie­ßen, wenn der Be­sit­zer über das MDR1-Gen auf­ge­klärt wäre.

Sche­ma der Ge­hirn Ka­pil­la­re – MDR1 Trans­port­sys­tem © Jen­ni­fer Walter

Der MDR1-Gen-De­fekt ist also kei­ne Krank­heit, son­dern ”nur” eine Un­ver­träg­lich­keit auf be­stimm­te Wirk­stof­fe. Der MDR1-Gen-De­fekt tritt nicht nur bei Aus­tra­li­an She­pherds auf. Be­son­ders be­kannt ist die Über­emp­find­lich­keit auf den Stoff Iver­mec­tin bspw. bei Collies.

Bei Gabe von Iver­mec­tin-hal­ti­gen Me­di­ka­men­ten (An­ti­pa­ra­si­ti­ka, Zy­to­sta­ti­ka, Durch­fall­mit­tel und be­stimm­te An­ti­bio­ti­ka) kann es bei be­trof­fe­nen Hun­den zu Be­we­gungs- und Ko­or­di­na­ti­ons­stö­run­gen, Zit­tern, Be­nom­men­heit, Er­bre­chen, Des­ori­en­tiert­heit und ver­mehr­tem Spei­chel­fluss kom­men. Bei zu ho­her Gabe fällt der Hund ins Koma oder kann so­gar sterben.

Sche­ma­ti­sche Dar­stel­lung ei­ner Zelle
Quel­le: Mes­ser­Wo­land and Szczepan1990 [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

MDR1 Ausprägung in verschiedenen Rassen

Ras­senMDR1 (+/+) freiMDR1 (+/-) TrägerMDR1 (-/-) betroffen
Col­lie194536
Shet­land Sheepdog49438
Aus­tra­li­an Shepherd62326
Mi­nia­tur Aus­tra­li­an Shepherd 54433
Wäl­ler65350
Old Eng­lish Sheepdog9280
Bor­der Collie98,70,90,4
Bea­red Collie10000

MDR1 Ver­tei­lung in ver­schie­de­nen Rassen
Quel­le: Iri­na Gra­mer u. a.: Breed dis­tri­bu­ti­on of the nt230(del4) MDR1 mu­ta­ti­on in dogs. In: Ve­te­ri­na­ry Jour­nal. 189 (2011), S. 67–71

Worauf musst Du achten?

Es gibt Neu­ig­kei­ten zum MDR1 Gen De­fekt (Stand Au­gust 2015). In den USA ist ein Fall be­kannt ge­wor­den, in dem ein Aus­sie mit der Gen-Aus­prä­gung +/- also Trä­ger des Gens ist, Schaf­kot ge­fres­sen hat.

Die Scha­fe wur­den zu­vor mit Iver­mec­tin ent­wurmt. Die­se Hün­din schweb­te in Le­bens­ge­fahr, konn­te nicht selbst­stän­dig at­men und ob sie blei­ben­de Hirn­schä­den da­von trägt war eben­falls un­ge­wiss, weil sie hef­tig auf den im Kot noch vor­han­de­nen Wirk­stoff re­agiert hat­te. Der be­han­deln­de Tier­arzt gab be­kannt, dass die Hün­din be­reits tot wäre, wenn sie die Aus­prä­gung -/- ge­habt hät­te, aber er sag­te, dass sie auch mit der Aus­prä­gung +/+ auf den Wirk­stoff re­agiert hätte.

Es ist also nicht mehr so, dass, wie man ur­sprüng­lich dach­te (und wie auch in Deutsch­land bis­her die Mei­nung die Quel­len wa­ren) nur Hun­de mit der Aus­prä­gung -/- auf die Wirk­stof­fe – sie­he rechts – re­agie­ren, son­dern auch Trä­ger­tie­re und freie Tie­re. Die In­ten­si­tät wie hef­tig sie re­agie­ren ist le­dig­lich un­ter­schied­lich. Also noch mal zu­sam­men ge­fasst: Ein MDR1 +/+ soll­te eben­falls nicht mit den ge­fähr­li­chen Wirk­stof­fen be­han­delt werden!

Ich hän­ge die Quel­le und ein Foto der Hün­din hier noch mal an!

Bei Hun­den, die ein de­fek­tes MDR1-Gen (-/-) ha­ben und gleich­zei­tig an Epi­lep­sie er­kran­ken, muss im Be­son­de­ren die Me­di­ka­men­ten­ga­be auf ge­fähr­li­che Sub­stan­zen kon­trol­liert wer­den. Ein de­fek­tes MDR1-Gen ist nach ak­tu­el­lem Kennt­nis­stand aber nicht Ur­sa­che ei­ner Epilepsie.

Tei­le den MDR1 Sta­tus dei­nes Hun­des un­be­dingt dem Tier­arzt mit!
Kein Schafs- oder Pfer­de­kot fres­sen las­sen, da die­ser die ge­fähr­li­chen Stof­fe ent­hal­ten kann!

Vererbung

Das MDR1-Gen wird re­zes­siv ver­erbt (d.h. zwei Trä­ger müs­sen ver­paart wer­den, da­mit der De­fekt voll­stän­dig auf­tritt). Ein Gen­test kann über ei­nen Spei­chel­ab­strich durch­ge­führt werden.

Sche­ma der Ver­er­bung des MDR1 Gens © Jen­ni­fer Walter

Zuchtgedanke

Be­son­ders in­ter­es­sant – nicht nur für Züch­ter – fin­den wir die Mei­nung von C. Sharp, Prä­si­den­tin von Aus­tra­li­an She­pherd He­alth & Ge­ne­tics In­sti­tu­te, Inc., zum MDR1 Gen.

Wir ver­lin­ken hier auf die deut­sche Über­set­zung (Stand Sep­tem­ber 2013).

Zu­sam­men­fas­sung: C. Sharp ist der Auf­fas­sung, dass in man­chen Län­dern der Gen­pool der Aus­sies noch so klein ist, dass sie durch­aus Ver­paa­run­gen in Be­tracht zie­hen wür­de, in dem MDR1 be­trof­fe­ne Hun­de fal­len können.

Al­ler­dings sol­le dann, wenn mög­lich, nur mit den MDR1 frei­en Hun­den aus die­ser Ver­paa­rung wei­ter ge­züch­tet wer­den. Auf die­se Wei­se ver­grö­ße­re sich der Gen­pool, ohne ernst­haf­te ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me zu provozieren.

Weiterführende Literatur


INTERESSIERT DICH VIELLEICHT AUCH

Filter by
Post Page
Infos Basics Parasiten
Sort by