MDR1-Gen-Defekt

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MDR1 – Multi Drug Resistance Gene

Was ist MDR1?

Ein MDR1-Gen-Defekt ist ein Defekt im MDR1-Gen, welches gelegentlich bei bestimmten Hunderassen auftreten kann. Wegen des Defekts kommt es zu einer fehlerhaften Synthese (Herstellung) des P-Glycoproteins (PGP). Dieses Protein (Eiweis) ist ein integrales Zellmembranprotein, das sich in Niere, Leber, Blut-Hirn-Schranke, sowie in der Nebenniere und im Darm befindet.

Das P-Glycoprotein schleust unter ATP-Verbrauch giftige Substanzen aus der Zelle: In der Blut-Hirn-Schranke (Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem) sorgt dieses Protein für den Abtransport von neurotoxischen Substanzen (Nervengifte).

Die Funktion des MDR1-Gens ist also die Entgiftung des Körpers. Darüber hinaus sind bei Defekt des MDR1-Gens im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Ivermectin, der bspw. bei Anti-Parasiten-Medikamenten eingesetzt wird, Todesfälle bekannt geworden – die ich vermeiden ließen, wenn der Besitzer über das MDR1-Gen aufgeklärt wäre.

Der MDR1-Gen-Defekt ist also keine Krankheit, sondern „nur“ eine Unverträglichkeit auf bestimmte Wirkstoffe. Der MDR1-Gen-Defekt tritt nicht nur bei Australian Shepherds auf. Besonders bekannt ist die Überempfindlichkeit auf den Stoff Ivermectin bspw. bei Collies.

Bei Gabe von Ivermectin-haltigen Medikamenten (Antiparasitika, Zytostatika, Durchfallmittel und bestimmte Antibiotika) kann es bei betroffenen Hunden zu Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Zittern, Benommenheit, Erbrechen, Desorientiertheit und vermehrtem Speichelfluss kommen. Bei zu hoher Gabe fällt der Hund ins Komma oder kann sogar sterben.

Worauf musst Du achten?

Es gibt Neuigkeiten zum MDR1 Gen Defekt (Stand August 2015). In den USA ist ein Fall bekannt geworden, in dem ein Aussie mit der Gen-Ausprägung +/- also Träger des Gens ist, Schafskot gefressen hat. Die Schafe wurden zuvor mit Ivermectin entwurmt. Diese Hündin schwebt aktuell in Lebensgefahr, kann nicht selbstständig atmen und ob sie bleibende Hirnschäden davon trägt ist ebenfalls ungewiss, weil sie heftig auf den im Kot noch vorhanden Wirkstoff reagiert hat. Der behandelnde Tierarzt gab bekannt, dass die Hündin bereits tot wäre, wenn sie die Ausprägung -/- gehabt hätte, aber er sagte auch, dass sie auch mit der Ausprägung +/+ auf den Wirkstoff reagiert hätte. Es ist also nicht mehr so, dass wie man ursprünglich dachte (und wie auch in Deutschland bisher die Meinung die Quellen waren) nur Hunde mit der Ausprägung -/- auf die Wirkstoffe siehe weiter unten reagieren, sondern auch Trägertiere und auch freie Tiere. Die Intensität wie heftig sie reagieren ist lediglich unterschiedlich. Also noch mal zusammen gefasst: Ein MDR1 +/+ sollte ebenfalls nicht mit den gefährlichen Wirkstoffen behandelt werden!

Ich hänge die Quelle und ein Foto der Hündin hier noch mal an!

Das MDR1-Gen wird rezessiv vererbt (d.h. zwei Träger müssen verpaart werden, damit der Defekt vollständig auftritt). Ein Gentest kann über einen Speichelabstrich durchgeführt werden.

Bei Hunden, die ein defektes MDR1-Gen (-/-) haben und gleichzeitig an Epilepsie erkranken, muss im Besonderen die Medikamentengabe auf gefährliche Substanzen kontrolliert werden. Ein defektes MDR1-Gen ist nach aktuellem Kenntnisstand aber nicht Ursache einer Epilepsie.

Vorsichtsmaßnahmen

Unter anderem muss bei MDR1-Gen-Defekt-betroffenen Hunden (Gen Ausprägung +/+, +/- und -/-) auf folgende Problemfelder geachtet werden:

  • Wirkstoffe: Ivermectin, Doramectin, Moxidectin, Loperamid, Milbemycinoxim und Emodepsid
  • Medikamentengruppen: Entwurmungs- und Flohschutzmittel & Antibiotika und Durchfallmittel
  • Unbedingt dem Tierarzt mitteilen!!

Bei betroffenen Hunden ist besonders darauf zu achten, dass sie keinen Pferdekot fressen, da darin die genannten Substanzen enthalten sein können.

Zuchtgedanke

Besonders interessant – nicht nur für Züchter – finden wir die Meinung von C. Sharp, Präsidentin von Australian Shepherd Health & Genetics Institute, Inc., zum MDR1 Gen.

Wir verlinken hier auf die deutsche Übersetzung (Stand September 2013).

Zusammenfassung: C. Sharp ist der Auffassung, dass in manchen Ländern der Genpool der Aussies noch so klein ist, dass er durchaus Verpaarungen in Betracht ziehen würde, in dem MDR1 betroffene Hunde fallen können. Allerdings solle dann, wenn möglich, nur mit den MDR1 freien Hunden aus dieser Verpaarung weiter gezüchtet werden. Auf diese Weise vergrößere sich der Genpool ohne ernsthafte gesundheitliche Probleme zu provozieren.


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