Seminarbericht: „Hütehunde – weit und breit kein Schaf in Sicht“

...übrigens, wir haben Welpen...

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Yellowstone Walk August 2015 249

Seminar: Hütehunde – weit und breit kein Schaf

Gestern Abend war ich auf einem Seminar zum Thema „Hütehunde – weit und breit kein Schaf in Sicht“ mit Norman Mrozinski und Gerd Leder.

Gerd Leder hat zunächst über die Entwicklung der Hütehundrassen berichtet. Er hat dazu sehr viele Bilder gezeigt und ein kleines bisschen hat mich das stolz gemacht, dass die ersten Hütehunde & Farmhunde aussahen wie Australian Shepherds. Wir züchten also die richtige Rasse hihi:D

Naja auf jeden Fall gab es wohl in Spanien Schafe, die ganz feine Wolle produzierten, aus denen man Tücher herstellen konnte. Diese Schäfer hatten eben diese speziellen Hunde, die aussahen wie Aussies aus der Arbeitslinie meist in Blue Merle.

Zunächst durften weder die Schafe noch die Hunde exportiert werden. Wer dies tat, dem war die Todesstrafe sicher, damit die Spanier ihr Monopol behalten konnten. Jede Nation hatte so ihre eigenen Hütehunde, die sich aber trotzdem alle sehr ähnelten. Irgendwann durften dann die spanischen Hunde & Schafe auch exportiert werden und die Hunde vermischten sich.

Für den Schäfer zählte nicht die Optik, sondern der Arbeitswille der Hunde, so dass er auch unter anderem gezielt Merle & Merle Verpaarungen vornahm (das wusste man zu dieser Zeit noch nicht, dass diese Verpaarung letale Welpen bringt) und aus diesen Würfen nur eine Hand voll Welpen groß zog. Die anderen Babys wurden vernichtet. Schon früh kamen diese Welpen an die Herde und wer kein Interesse zeigte, hatte soeben sein Todesurteil unterschrieben. So wurde stark auf die Hütefähigkeit selektiert und nicht wie es bei vielen Rassen heute ist auf die Optik.

Erst später wurden die Rassen von der FCI anerkannt und mit der Anerkennung begann auch dessen Verfall. Der Schäferhund ist z.B. ein ganz drastisches Beispiel, sein Rücken ist abgerundet und vorne ist er viel zu hoch. Wie man so eine Qualzucht als schön empfinden kann ist mir ein Rätsel…aber warum machen die Züchter das? Weil sie so die Ausstellungen gewinnen. Beim Aussie ist das leider nicht anders, er verkommt optisch immer mehr zum Berner Sennenhund und wird immer größer und schwerer und warum? Weil auf den Shows diese Hunde platziert werden. Andere Hütehunde haben viel zu viel Fell und ich zitiere hier einen Schäfer, den Gerd Leder zitiert hat (es ging hier um die Meinung des Schäfers zu zwei Bildern der selben Rasse): „Dieser hier kann arbeiten (gemeint war ein Hund, dessen Fell kurz war) und diesen hier muss man kämmen (gesehen hat man ein Foto von einem Hund dessen Fell bis auf den Boden hing und der auch nichts mehr gesehen hat)“.

Gerd Leder hat uns dann noch viele Videos gezeigt, in denen verschiedene Hütehunde an der Herde gearbeitet haben. Aussies arbeiten übrigens an Rindern und nicht wie man immer denkt an Schafen – sie müssen also besonders robust sein und Tritte abkönnen, aber böse gesagt wir streicheln die kleinen Problemchen ja weg :D.

Es war auf jeden Fall sehr interessant zu sehen, dass die Hunde auf ein bestimmtes Kommando des Schäfers reagierten und nicht für eine Reaktion gelobt wurden. Aussies z.B. denken selbstständig mit und heben das Kommando selbstständig wieder auf. Gezeigt wurde z.B. eine Schafherde, der der Schäfer voran ging. Ein Aussie trieb die Herde von der linken Seite zusammen und der zweite Aussie postierte sich an einer Ecke und sorgte dafür, dass die Schafe alle rechtwinklig abbogen. Als alle Schafe vorbei waren, schloss er sich dem Zug an.

In dem zweiten Teil von Norman Mrozinski ging es darum, wie man Hütehunde beschäftigt, vor allem die bekannten Rassen Aussie & Border Collie. Er warnte davor, dass diverse Foren immer dazu raten, dass die Hunde mehr ausgelastet werden müssen, wenn sie Stresssymptome zeigen. Folglich machen die Halter noch mehr Sport mit ihren Hunden und die Symptome werden immer schlimmer. Die Hunde befinden sich in einem Teufelskreis und kommen überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Stresssymptome sind z.B.:

  • Lecken der Pfoten
  • Jaulen, Bellen, Fiepen
  • starkes Hecheln & Sabbern
  • keine Ruhe finden und aufgeregt hin und her laufen usw.

Wichtig sind Ruhezeiten und davon lieber zu viel als zu wenig! Er berichtete, dass solche Hunde zu ihm ins Training kommen oder zu ihm abgegeben werden, weil die Leute mit den Tieren nicht mehr klar kommen. Er sagte diese Hunde steckt er in eine Box, die gerade so groß ist, dass der Hund rein passt und er legt eine Decke drüber. Diese Hunde schlafen dann 5 Tage lang durch, weil sie so geschafft sind und dringend Ruhe benötigt hätten.

Weiterhin referierte er, dass bevor man mit dem Hund irgendeine Art Auslastung (wobei das klingt so nach 7 Tage Dauersport), nennen wir es lieber Beschäftigung beginnt, muss der Hund körperlich und geistig gereift sein. Er berichtete, dass Schäfer die Welpen zwar mit zur Herde nehmen, sie dort aber angeflockt werden und dann den Tag über sich selbst überlassen werden. Für einen Hütehund ist es das schlimmste nicht hüten zu dürfen, so lernt der junge Hund Frustrationstoleranz. Nichts anderes machen wir „Normalos“ wenn wir mit einer Hundebox arbeiten. Ich fand es sehr interessant, dass die Schäfer dieses Anbinden 1 ganzes Jahr lang machen. Ich predige mir ja auch den Mund fusselig, aber genau so handhaben wir es auch. Das erste Jahr lernt der Hund ruhig sein und Frust ertragen können. Oder wie Norman Mrozinski sagte seine Border Collies lernen im ersten Jahr „nicht glotzen“. Borders zeigen nämlich das so genannte „Eye“ ein Anstarren der (Beute) der Herde. Border Collies hüten übrigens aus Jagdantrieb heraus, sie sind mit Pointern und noch einer anderen Jagdhunderasse gekreuzt, so dass sie dieses typischen Vorstehen und die geduckte Haltung zeigen, die man von einem Border Collie kennt.

Border Collies sind übrigens meist schwarz / weiß weil man sie sowohl im Dunklen als auch bei Nebel am besten sehen kann!

Weiterhin fand ich dann sehr interessant, dass Schäfer mehrere Hütehunde haben und jeder Hund immer wieder einen ganzen Tag in den Zwinger kommt und Pause bekommt. Auch hier wiederhole ich mich immer und immer wieder, wenn ich versuche den Welpenfamilien einzubläuen, dass sie nach einer Aktivität am nächsten Tag den Hunden eine Auszeit in der Box verschaffen sollen.

Er berichtete dann von mehreren Border Collie Fällen, die Autos hinterherjagten (übrigens auch Flugzeugen, aber die sind ja Gott sei Dank weit oben), weil die Züchterin den Welpen beigebracht hatte hinter Bällen herzulaufen, da die Welpeninteressenten dies offenbar witzig fanden. Also zu frühe Konfrontation mit Beutereizen, wie es ein Apportieren eines Spielzeuges ist, sollte ebenfalls vermieden werden. Man bringt dem Hund so das Jagen bei und junge Hunde wissen mit diesem Reiz noch gar nicht umzugehen! Der Referent verglich dies mit einem 12 Jährigem, dem man eine Flasche Wodka gibt.

Auch die Zerstörungswut ist ganz typisch für Hütehunde, die extrem gestresst sind und einfach nicht mehr runter kommen.

Wichtig ist, mit dem Hund gemeinsam etwas zu machen woran beide Spaß haben. Das man das sagen muss, hat mich doch etwas verwundert, aber offenbar machen Menschen Sportarten mit ihren Hunden, auf die weder sie noch ihr Hund Lust haben, denn der Hund merkt, wenn sein Mensch kein Interesse hat, und das nur weil der Hund ja ausgelastet werden muss. Diese Halter verkommen dann schnell zu diesen Übermuttis, die ihr Kind jeden Tag zu einer anderen Förderung schicken z..B. Tennis, Klavier usw.

Der Hundetrainer wird auch oft mit Menschen konfrontiert, die zu ihm sagen, ihr Hund wäre intelligenter als sie und sie deswegen mit dem Hund überfordert sind. Ich kann auch hier immer nur predigen, informiert euch, welchen Hund ihr euch anschafft und wie Cesar Millan sagen würde, wählt einen Hund der weniger Energie hat als ihr selber, sonst könnt ihr diesen Tieren nicht gerecht werden.

Also wie man sieht ich hätte diesen Vortrag gestern so unterschreiben können und es freut mich, dass wir mit unserer Erziehungsmethode absolut richtig liegen, was man behaupte ich jetzt mal auch an unseren Hunden sehen kann und wir auch regelmäßig von fremden Menschen oder Besuchern bei uns hören 🙂

Dein Wissensdurst noch nicht gestillt?

Danke für dein Interesse! In unseren Fachbüchern haben wir noch viel mehr für dich - damit du nicht verdurstest :)

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