Der Fall Polly: Diagnose Lebershunt? Teil 3

...bald ist es so weit - wir erwarten Welpen...

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Der Fall Polly: Diagnose Lebershunt? Teil 3

Gestern bin ich nicht dazu gekommen, weiter zu berichten, deshalb gibt es jetzt schnell ein Update, bevor ich mit Polly heute wieder zum Tierarzt fahre.

Also Polly befindet sich seit Dienstag dem 10.07 wieder in unserem Besitz und wurde unter Tränen uns übergeben. Polly hat mich sofort wieder erkannt und sich einen Ast abegefreut, als sie mich gesehen hat. Wir haben Polly direkt bei unseren Tierärzten in Dortmund übergeben, da ich sie durchchecken lassen wollte und das Diätfutter alle war, also musste sowieso neues her. Außerdem wollte ich von den Tierärzten eine Beratung haben, wie ich mit Polly jetzt umgehen muss.

Ich hänge euch ein paar Videos an, wie Polly sich verhalten hat, ich muss sagen so einen krassen Welpen hatte ich noch nie…Polly wog nur noch 4,3kg bei Übergabe. Abgegeben habe ich sie mit 3,5kg, d.h. sie hat so gut wie nichts innerhalb von 4 Wochen zugenommen. Sie war quasi nur noch Haut und Knochen und total eingefallen. Ich habe dann erstmal 5 Dosen Nassfutter für 14,90€ erstanden und im Wartezimmer auf meinen Termin gewartet. Polly war sehr aufgekratzt, nur am quengeln und am fiepen und ständig in Bewegung. Immer wenn ein neuer Hund ins Wartezimmer kam, wollte sie zu diesem hin und wenn ich sie nicht gelassen habe, bellte sie. Ich habe zwei Mal versucht mich richtig ernsthaft durchzusetzen, aber das hat leider nicht geholfen. Das Wartezimmer muss sich auch schon seinen Teil gedacht haben, aber egal ich wollte, dass Polly mit dem Verhalten aufhört…

Herr Dr. Dummler behandelte uns dann bzw. klärte alle meine Fragen und führte bei Polly eine Allgemeinuntersuchung durch. Ich bekam zusätzlich zu dem Futter noch Lactulose, das dafür sorgt, dass weniger Giftstoffe in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Soweit war sie fit, hatte kein Fieber und es war nichts auffälliges bei ihr zu erkennen. Wir verließen die Praxis also wieder und ich gab Polly erstmal etwas von dem „alten“ Futter der Halter zu fressen, da ich dachte, dass sie vielleicht so unruhig ist, weil sie Hunger hat. Wir fuhren dann nach Hause. Im Auto war sie Gott sei Dank erschöpft und gab nach 2 Mal anzählen meinerseits Ruhe. Zuhause angekommen quartierte ich sie erstmal im Welpenhaus ein und begann mit ihr und der Box zu arbeiten. Das stellte sich aber schwieriger raus als gedacht…die Videos sind glaube ich aussagekräftig genug…ich habe es nicht geschafft sie mit den üblichen Methoden ruhig zu bekommen. Auch außerhalb der Box lief sie quengelnd umher und kam nicht zur Ruhe, so wie die Halter mir die Situation auch schon beschrieben hatten. Ich gab ihr wieder 1 Esslöffel von dem „alten“ Futter zu fressen und kurze Zeit später ging es auch schon los. Auf einmal taumelte Polly und lief wie betrunken Slalom bis sie plötzlich steif wurde und wie ein Steiftier umkippte. Gott hab ich mich erschrocken und Polly schnell in den Arm genommen und getröstet, dann war es auch schon wieder vorbei.

Gewundert hatte ich mich schon, wieso auf dem „alten“ Futter Gastrointestinal drauf stand und auf meinem Leber Diät. Leider habe ich zu spät geschaltet, ich hätte Polly gleich das Leberfutter geben sollen. Nach diesem Anfall bekam Polly dann nur noch die Leberdiät und ist seitdem (sie ist jetzt ca. 1,5 Wochen bei uns) ohne Anfall und auch wesentlich ruhiger bzw. benimmt sich normal.

Ich habe bei Polly dann noch einen Giardientest durchgeführt, damit ich sie in das Rudel integrieren konnte, weil die ganze Zeit im Welpenhaus zu wohnen war mir doch irgendwie zu anstrengend ;-). Gott sei Dank scheint das Thema Giardien vom Tisch zu sein, der Test war negativ.

Ich wollte euch ja noch berichten, was ein Lebershunt überhaupt ist. Also ein Lebershunt ist quasi eine Umgehung der Leber. Alle Welpen kommen mit einem Lebershunt zur Welt, weil der mütterliche Kreislauf die Entgiftung des Körpers übernimmt. Wenn die Welpen geboren werden, dauert es 3-4 Wochen bis die Leber richtig arbeiten kann, in dieser Zeit werden die Blutgefäße so umgebaut, dass die Leber ihren Dienst tun kann. So bei Polly ist dies wohl nicht geschehen, dafür spricht der hohe Ammoniakwert in ihrem Blutbild. Grob gesagt, damit man sich ungefähr vorstellen kann, was bei einem Lebershunt nicht funktioniert: Die Leber wird von 2 Arterien angeströmt. Die eine Arterie ist der Blutkreislauf, der die Leber mit Sauerstoff versorgt, die andere Arterie kommt von den Verdauungsorganen und transportiert die Nährstoffe und Giftstoffe zur Entgiftung in die Leber. Diese 2. Arterie funktioniert quasi nicht, diese läuft um die Leber herum und geht dann wieder in den Blutkreislauf über, so vergiftet der Körper sich selbst, sobald Nahrung aufgenommen wird.

Man unterscheidet noch zwischen einem extrahepatischem (außerhalb der Leber) und intrahepatischem Shunt (innerhalb der Leber), soweit ich aber bisher weiß sind beide Shuntarten gleich bescheiden bzw. unterscheiden sich anhand der Größe des Hundes und an den OP Kosten. Weitere Informationen findest du z.B. hier: http://www.praxis-am-dorney.de/63.html.

Ich habe mit den Ärzten die Vererbung besprochen, da für mich als Züchter das natürlich besonders wichtig ist. Natürlich ist jeder „Defekt“ irgendwie vererbt, aber bei einem Lebershunt sollen weder die Eltern noch die Geschwister aus der Zucht genommen werden! Nur das betroffene Tier soll natürlich keinen Nachwuchs mehr bekommen.

Ich habe dir auch noch ein Video eingefügt, zwar nur auf englisch, aber ich finde da wird sehr gut erklärt wie die Leber eigentlich funktioniert.

Außerdem findest du zum Schluss noch 2 Videos von Anfällen, die die Halter aufgezeichnet haben. Danke dafür. Zu sehen ist das typische Verhalten, dass Hunde mit einem Lebershunt zeigen. Umherwandern, gebuckelter Rücken und drücken des Kopfes in Ecken. Ich vermute, dass Pollys Verhalten an Tag 1, so wie es die Videos zeigen, auch Vergiftungserscheinungen waren.

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