Der Fall Polly: Diagnose Lebershunt? Teil 2

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Der Fall Polly: Diagnose Lebershunt? Teil 2

Heute möchte ich euch weiter an Pollys Geschichte teilhaben lassen. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, der sollte dies hier tun: https://www.yellowstoneaussies.de/der-fall-polly-diagnose-lebershunt-teil-1/.

1. Juli

Am 1. Juli erhielt ich die schlimme Nachricht, dass Polly die Nacht in der Tierklinik verbracht hatte. Polly war extrem lethargisch, hat hat extrem gespeichelt und 39,7°C Fieber gehabt. Es wurden diverse Blutuntersuchungen durchgeführt. Heraus kam ein stark erhöhter Ammoniak Wert und schlechte Leberwerte. Im Darm wurden Fremdkörper gefunden. Zunächst ging der Tierarzt von einer Vergiftung aus, bis er am nächsten Morgen feststellte, dass die Fremdkörper nur kleine Steinchen waren. Er deutete bereits an, dass wenn Polly sich nicht zufällig noch vergiftet hat, dass es sich bei den Blutwerten wohl um einen Lebershunt handelt.
Polly wurde mit Natriumchloridlösung und Fiebersenker behandelt und durfte am nächsten Tag wieder nach Hause, da sie ihren Unmut lautstark in der Klinik geäußert hat.

Der Tierarzt klärte die Halter darüber auf, dass, wenn Polly die Nacht über wieder solche Schübe bekäme, er von einem Lebershunt ausgeht, was seine Kompetenz übersteigt und von einer Fachklinik behandelt werden muss. Er deutete an, dass die Behandlung mit horenden Kosten verbunden ist und man „darüber nachdenken sollte“…

Ich traute meinen Augen nicht, als ich diese Nachricht las. Ich war den Tränen nahe und wusste zunächst nicht richtig wie ich reagieren sollte, da ich so eine schlimme Krankheit auch noch nie erlebt hatte. Ich entschied mich dann dazu die Halter anzurufen und mit ihnen persönlich das Geschehen durchzusprechen.

Mit einem Kloß im Hals telefonierte ich. Leider waren die Nachrichten am Telefon auch nicht viel besser, sondern es wurde ernsthaft darüber nachgedacht Polly einzuschläfern, weil man ihr das Leid ersparen wollte und auch weil die Halter mit der Situation völlig überfordert waren und völlig am Ende waren.

Noch mal der Hinweis: Bitte nicht den Haltern irgendeinen Vorwurf machen. Ihr habt diesen Leidensweg nicht durch gestanden…

Ich liess mir dann die Blutwerte zusenden (weil ich ja zunächst nicht glauben konnte, dass Polly wirklich so krank sein sollte…meine Erfahrung mit Tierärzten spricht Bände…deshalb wollte ich mich selber auf die Suche begeben).

Ich verbrachte die Nacht also damit erstmal zu recherchieren, was ein Lebershunt überhaupt ist. Grob davon gehört hatte ich schon mal bzw. davon gelesen, aber ich musste mein Wissen doch erstmal auffrischen. Danach begann ich die aus dem Ruder laufenden Blutwerte zu recherchieren, was dies überhaupt bedeutet. Ich hänge euch die Ergebnisse als Bilder an.

Natürlich habe ich den Haltern, als ich schlafen ging, noch einmal die Daumen gedrückt und gehofft, dass Polly die Nacht übersteht, denn bis dahin dachten wir ja, dass wenn jetzt keine Anfälle mehr kommen, es vielleicht doch nur eine Vergiftung war.

2. Juli

Das erste was ich am 2. Juli machte, noch bevor ich die Augen richtig aufhatte, war mich nach Pollys Zustand zu erkundigen. Erfreulicherweise hatte sie die Nacht gut überstanden und sogar geschlafen. Wir schöpften alle wieder ein bisschen Hoffnung.

3. Juli

Wieder fragte ich nach Pollys Befinden. Wieder war alles okay und ich erfuhr, dass Donnerstag der Termin mit dem Spezialisten für Lebershunts vereinbart war, auf Grund der Symptome ginge er aber nicht davon aus…Danach sollte dann das Zahnthema in Angriff genommen werden.

Nach wie vor dachte ich bzw. hoffte ich, dass es sich um eine Vergiftung handelt und bat die Halter bei der Klinik nachzufragen, ob sie auf Grund der Werte bestimmte Stoffe nennen können, die vielleicht die Ursache sein können.

4. Juli

Am 4. Juli wendete sich das Blatt leider wieder. Polly wurde wieder unruhig und wanderte völlig k.o. durch die Wohnung. Sie begann wieder zu speicheln und reagierte weder optisch noch akustisch. Die Halter verabreichten ihr irgendeine Tablette aus der Klinik, aber ihr Zustand wurde nicht besser, also fuhren sie wieder in die Klinik. Während dessen versuchte ich abzuklappern, ob sie nicht doch an irgendwelche Gifte herankommt, aber die Halter hatten sie seit dem ersten Anfall draußen mit einer Leine gesichert und peinlichst genau darauf geachtet, dass sie nichts aufnimmt.

Abgefragt habe ich Zimmerpflanzen, Putzmittel, Nikotin, Schokolade, Pilze, Pflanzen im Garten, Schnecken, Zeckenmittel usw. aber nichts traf zu. Die Symptome, so wie sie mir beschrieben wurden passten laut Google aber erstmal auf eine Vergiftung. Letztendlich wollte ich wissen was Polly zu futtern bekommt, weil ich irgendwie ahnte, dass es dann ja nur noch das Futter sein könnte, was Polly vergiftet. Leider verwarf ich den Gedanken aber relativ schnell wieder, weil ich dachte was soll an einem Futter denn verkehrt sein…, selbst wenn sie auf irgendetwas allergisch reagiert, dürften die Symptome nicht so heftig sein – so meine Laien Meinung.

Ich liess mein Handy nachts an, damit die Halter mich erreichen konnten, falls was sein sollte. Polly wurde wieder auf die bereits bekannte Weise behandelt und dann wieder nach Hause geschickt. Ich habe den Haltern meine ergoogelten Erkenntnisse weiter geleitet.

5. Juli

Am 5. Juli wurde Polly dem „Spezialisten“ vorgestellt. Ich setze Spezialist mit Absicht in Anführungszeichen, da ich die Kompetenz des Tierarztes doch stark anzweifeln muss, warum werdet ihr gleich erfahren.

Die Halter von Polly baten mich nach dem Tierarzttermin zu telefonieren und dort erhielt ich dann die niederschmetternden Diagnose, dass Polly einen Lebershunt hätte, bzw. eigentlich muss ich sagen eine kleine Leber und eine große Gallenblase und womöglich so der Spezialist an der Gallenblase auch noch was „gebastelt“ werden müsste. Der Tierarzt machte den Haltern keinen Mut und riet von einer OP ab, da Polly diese nicht überleben würde. Er drängte die Halter so interpretiere ich das, dazu Polly einzuschläfern oder an den Züchter zurück zu geben.

Zunächst besprach ich mit Mirko, dass wir Polly nicht zurück nehmen, da wir keinen Spezialisten an der Hand haben, der sich mit dieser Thematik auskennt und ich selber auch nicht genug Ahnung von der Materie hatte. Ich dachte die Halter wären bei diesem „Spezialisten“ schon gut aufgehoben. Ich riet dazu Polly mit dem Diätfutter, was sie bekommen hatte, wieder aufzubauen (leider fragte ich nicht nach welches Futter…) und dann eine OP zu versuchen. Wenn Polly allerdings wieder Anfälle bekäme oder sich bei der OP etwas nicht reparierbares herausstellt, dass ich dann dem Arzt vertrauen würde, und die Sache beenden würde.

Weiterhin versuchte ich irgendwie in Worten mein Bedauern auszudrücken (auch wenn ich nach wie vor nicht richtig weiß, was man in so einem Fall sagt…)

Ich bat die Halter um ihre Kontodaten, da wir den Welpenpreis zurück überweisen wollten, damit die finanziellen Mittel für eine OP vorhanden sind.

Wir überwiesen das Geld an diesem Tag sofort zurück und ich beschäftigte mich weiter mit der Diagnose Lebershunt und fand einen Hund im Internet, der die OP überlebt hatte und auch welche Nährstoffe ein solcher Hund fressen darf und welche nicht. All diese Infos leitete ich an die Halter weiter.

Die Halter bedankten sich für meinen Beistand. Sie schrieben mir, dass eine OP 4000-5000€ kosten würde und die OP in der aktuellen Situation undenkbar wäre.

6. Juli

Ich habe die Befunde sofort an Herrn Dr. Staudacher und an die Praxis am Dorney weiter geleitet und um ihre Meinung und Einschätzung gebeten.

Beide Tierärzte tippten unabhängig voneinander auch auf Grund der Werte auf einen Lebershunt und ich möchte mich hier auch noch einmal ganz herzlich bei den Tierärzten bedanken, dass sie mir auch per Email jeder Zeit zur Verfügung stehen, ohne dafür auch nur einen Cent abzurechnen. Daumen hoch für so viel Service!!! Mit der Praxis am Dorney bzw. mit Frau Dr. Senica, von der ich einiges halte *lach*, telefonierte ich an diesem Tag persönlich und sie machte mir Mut und berichtete von Hunden, die die OP überlebt haben bzw. sie ging sogar soweit, dass alle Hunde, die sie nach Gießen zur Uni Klinik verwiesen hatten die OP überlebt hatten. Keinesfalls nahm weder sie noch Herr Dr. Staudacher Begriffe wie eine Euthanasie in den Mund. Beide Tierärzte empfahlen die Uni Klinik in Gießen, aber bestätigten mir auch die hohen Kosten der OP.

Ich leitete die Infos an die Halter weiter und riet ihnen in Gießen anzurufen, da die Klinik auch telefonisch berät und sich mit der Thematik wohl sehr gut auskennt. Auch zum Thema Giardienbehandlung sollten die Halter dort nachfragen.

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