Der Fall Polly: Diagnose Lebershunt? Teil 1

...bald ist es so weit - wir erwarten Welpen...

Welpen-TV: Live!

Der-Fall-Polly-Diagnose-Lebershunt-Teil-1-Beitragsbild.jpg

Der Fall Polly: Diagnose Lebershunt? Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich den Fall Polly öffentlich mache oder nicht, da ich mir damit ggfs. ins eigene Bein schneide und mir bewusst ist, dass ich damit vermutlich wieder ein gefundenes Fressen in sozialen Netzwerken bin… Wer aber meint sich auf dieses Niveau herablassen zu müssen, der kann das gerne tun, aber ohne uns.

Da wir aber generell sehr offene Züchter sind, möchte ich auch diesen Fall an die Öffentlichkeit bringen, zum einem, um mir selber von der Seele zu schreiben, was mich bewegt und zum anderen auch um vielleicht ein bisschen aufzuklären und einfach zu berichten, was wir nun für Erfahrungen sammeln werden. Ich werde dazu in mehreren Abschnitten von Polly berichten, da ein Blog Posting die Situation nicht ausreichend schildert.

Schon mal eins vorneweg: Ich möchte keinesfalls den Haltern bzw. jetzt Exhaltern (Polly ist wieder bei uns) irgendeine Schuld geben oder einen Vorwurf machen, das sollten bitte auch die Lesenden beachten und die Sache erstmal so sachlich wie es geht behandeln. Mir persönlich geht es um das Wohl von Polly und nicht darum irgendwen als Schuldigen zu denunzieren. 

Also was ist bisher passiert:

09.Juni – Welpenauszug bei uns

Los ging es leider bereits am 09. Juni mit Durchfall und Blut im Kot. Ich dachte, dass Polly auf Grund des Stresses mit Durchfall reagierte und riet zum Abwarten, ob sich ihr Zustand besserte.

14.Juni

Am 14. Juni wurde dann die Diagnose Giardien anhand einer Kotprobe gestellt. Was Giardien sind könnt ihr euch in unserem Info Artikel anlesen. Als ich die Nachricht bekam, habe ich mich natürlich geärgert und gewundert, woher Polly die Giardien haben konnte, weil ich ja wusste, dass Giardien den Körper schwächen und das bei einem so kleinen Hund wie Polly, die schon seit Beginn ihres Lebens meine Unterstützung brauchte, nicht besonders vorteilhaft ist. Die anderen Geschwister klagen bisher nicht über Durchfall und sind offensichtlich Giardienfrei. Naja akzeptieren mussten wir die Sache und so riet ich die Finger von dem Entwurmungsmittel Panacur zu lassen, da dies weiteren Durchfall verursacht und gegen Giardien nicht mehr hilft. Die Halter sollten auf das Antibiotikum Metrodinazol umstellen, was die Vermehrung der Dünndarmparasiten verhindert. Weiterhin habe ich über die Hygienemassnahmen aufgeklärt, die durchgeführt werden müssen, aber die waren bereits bekannt. Das Futter wurde auf Nassfutter ohne Kohlenhydrate umgestellt, da Giardien sich von Kohlenhydraten ernähren.

16. Juni

Am 16. Juni ging es Polly dann schon besser und die Kotkonsistenz wurde auch wieder fester. Polly war gut drauf und entwickelte sich soweit wohl erstmal gut. Die Halter fragten sich, ob das Futter für Pollys Entwicklung so vorteilhaft war, da ich darauf keine Antwort hatte, riet ich den Tierarzt zu fragen.

24. Juni

Am 24. Juni erkundigte ich mich nach Pollys Zustand und erhielt die Antwort, dass es ihr wieder schlechter geht und der Kot wieder flüssiger wird. Polly hat ebenfalls Darmaufbaumittel bekommen. Das Fleisch Nassfutter wurde auf Anraten des Tierarztes wieder auf Welpenfutter gewechselt, weil sie sonst Probleme mit dem Wachstum bekäme. Sie wog 4,4kg (Abgabe von uns mit gerade mal 3,5kg). 

27. Juni

Am 27. Juni suchten die Halter wieder Rat bei mir. Polly hatte die Nacht so gut wie nicht geschlafen und ordentlich in der Box randaliert, was sie sonst nicht getan hat (maximal 5 Minuten ein bisschen gejammert). Die Halter ließen sie letztendlich aus der Box, aber auch außerhalb kam Polly nicht zur Ruhe, sondern legte sich immer wieder hin, um dann gleich wieder aufzuspringen, obwohl sie hundemüde war. Sie leckte sich immer wieder über die Leftzen. Sie hat normal gefressen, wirkte aber deutlich schlapper und spielte nicht. 

Ich tippte darauf, dass Polly vielleicht schlecht ist, da das Schmatzen und Leftzenlecken bei Hunden anzeigt, dass ihnen übel ist. Aus Sicherheitsgründen riet ich dazu den Hund wieder einem Tierarzt vorzustellen. So langsam begann ich mir richtig Sorgen um Polly zu machen.

Der Tierarzt diagnostizierte einen Distalbiss, das ist eine Rücklage des Unterkiefers, d.h. der Unterkiefer ist zu kurz und die Zähne bohren sich so in den Oberkiefer bzw. den Gaumen, so dass der Hund vermutlich Schmerzen hat. Es wurde am 11.Juli ein Termin bei einem Fachtierarzt für Kieferfehlstellungen gemacht, um diese Problematik abzuklären (dazu dann später mehr).

Als ich diese Nachricht bekam, fiel ich natürlich aus allen Wolken und bat um Fotos, da ich leider schon öfter die Erfahrung machen musste, dass viele Tierärzte ihren Job leider verfehlt haben. Weiterhin bot ich an bzw. bedauerte, dass Polly soweit weg wohnt, Polly mal bei Herrn Dr. Staudacher in Aachen vorzustellen, da ich wusste, dass er ein Fachmann in Sachen Gebiss ist. Die Halter selber hatten ebenfalls das Gefühl, dass dieser behandelnde Tierarzt nicht unbedingt am Wohl des Hundes interessiert war, sondern daran, dass sich sein Geldbeutel füllt, so wollte er Polly auch noch Augentropfen für die geröteten Augen verabreichen. 

Die Fotos bestätigten leider die Diagnose des Tierarztes. Wir besprachen dann noch einige Optionen wie z.B. Zähne abschleifen, Zähne ziehen oder Zahnspangen für Hunde. Da ich aber selber auf dem Gebiet noch keine Erfahrungen hatte und Polly meine erste Nachzucht mit keinem korrekten Gebiss ist, konnte ich nicht wirklich weiter helfen und wir mussten den Termin beim Fachmann abwarten.

28. Juni

Am 28. Juni wendeten die Halter sich wieder völlig verzweifelt an mich, da Polly mit der Box überhaupt nicht mehr klar kam und in der Box richtig geschrien und gebellt hat. Die Halter haben 2h lang versucht ihr Geschrei auszuhalten, haben dann aber nachgegeben und sie in einer kurzen Schreipause raus gelassen. Vor lauter Erschöpfung sind die Menschen irgendwann eingeschlafen. Polly wanderte weiterhin ruhelos durch die Wohnung und war erst am nächsten Tag völlig k.o.

Ihr Verhalten empfand ich als total seltsam und erkundigte mich, ob irgendetwas geändert wurde, ob die Leute z.B. zu weit von der Box entfernt waren oder solche Dinge. Ich bot meine persönliche Hilfe an, was aber auf Grund der Entfernung nach Hannover nicht möglich war, also bekam ich ein Video, in dem Polly zwar jammerte, aber für mich nicht außerordentlich heftig ausrastete. Die Nacht muss aber wohl richtig heftig gewesen sein (seitdem wir Polly jetzt bei uns haben, kann ich verstehen, was die Halter meinten, dazu dann später mehr).  Weiterhin erkundigte ich mich, ob irgendwelche besonderen Ereignisse passiert sind und heraus stellte sich, dass Polly eigentlich einen guten Tagesablauf hatte mit relativ wenig Stress und Anforderungen und tippte zunächst auf die Medikamente, die sie wegen der Giardien bekam, da andere ältere Nachzuchten von uns mit Giardien auch so unruhig waren. Dann stellte sich heraus, dass Polly einen Ortswechsel hatte und bei den Eltern der Halter auf einem Bauernhof war. Ich vermutete, dass ihr Verhalten mit dem Stress zuvor verbunden war.

29. Juni

Am 29. Juni berichteten die Halter wieder davon, dass Polly nicht zur Ruhe kam, total fertig war und diesmal erzählten sie auch davon, dass Polly beim Laufen die Rute einklemmt, so als müsste sie mal für große Hunde. Sie lag einfach nur da mit offenen Augen, freute sich, wenn die Halter kamen, aber reagierte sonst sehr verhalten.

Ich erkundigte mich, ob sie frisst, das tat sie wohl auch morgens und mittags, abends verweigerte sie das Futter. Weiterhin fragte ich nach dem Kotabsatz, um einen Darmverschluss auszuschließen. Kot wurde abgesetzt. Ich tippte auf Bauchschmerzen und bat die Halter Fieber zu messen. Die Temperatur lag bei 39,3°C, also kein Fieber. Ich sendete den Haltern ein Video über Bauchschmerzen beim Hund und googelte nach Zahnschmerzen bzw. Zahnung bei Hunden, weil ich wusste, dass Welpen dann auch so unleidlich sind. Die Symptome von Durchfall, Bauchweh, erhöhte Temperatur, lustlos, quengeln und schlecht fressen passten soweit erstmal auf Pollys Verhalten

30. Juni

Am 30. Juni erkundigte ich mich sofort nach Pollys Zustand. Es ging ihr besser, sie hat gefressen und endlich in der Box geschlafen.

So richtig los mit der Erkrankung ging es dann erst im Juli, davon werde ich euch dann im nächsten Teil berichten.

Dein Wissensdurst noch nicht gestillt?

Danke für dein Interesse! In unseren Fachbüchern haben wir noch viel mehr für dich - damit du nicht verdurstest :)

Der Australian Shepherd
Australian Shepherd Grooming
Impfung, wieso, weshalb, warum nicht
Entwurmung, wieso, weshalb, warum nicht
Kastration, eine Aufklärung